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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-03-05 · Heft 10 (5.3.1855) · p. Seite 123

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 10 (5.3.1855)
Date
1855-03-05
Page
Seite 123 (sequence 9)
Language
German
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123 dem Protektorate Sr. k. Hoheit des Erzherzogs Franz Karl stehet, wieder sehr glänzend ausgefallen ist. DaS Blindeninstitut findet um so besser seine Rechnung dabei, da die Vorsteherinnen der Kinderbewahranstalt mit vielem Eifer ihrem Amte verstehen und so manche Mehrzahlung für Entreebillets geben und durch ihre Verwendung erhalten. Der neugewählte Vorstand der Armenanstalt betreibt mit vieler Energie und wahrer HerzenSmilde daS ihm vertraute Amt. Durch die persönliche Verwendung dieser Herren hat die angestellte außerordentliche Sammlung an 6000 Fl. C.-M. betragen. Besonders hervorheben muß ich aber auch, daß die Herren Pollak und der vielfach verdiente humanistische vr. Edl. v. HofmanSthal in die Hütten der Armuth und deS Elends steigen, um so durch Selbstschau die Mittel kennen zu lernen, wie dem Jammer abzuhelfen sei. Auch vernehme ich, daß der Vertreter Herr Leop. Edl. v. Wertheimstein bei Sr. Majestät eine Audienz hatte, wo derselbe gebeten, Herrn Asfistenten Spitzer zu einer Professur zu befördern, und der Kaiser signirte das Gesuch alsogleich. Ich schließe, womit ich begonnen b&nö1’ sb -o. Mögen Andere noch so sehr das Weiland als einen Heiland preisen, daS neue Judenthum hat sich seiner Juden nicht zu schämen. Krakau, 12. Februar. (Privatmitth.) Eine Verordnung der Behörde hat in jüngster Zeit viel Be- . stürzung hervorgerufen. Seit Jahren wohnen nämlich viele Juden, die hieher zuständig find, in der Umgebung auf Dörfern und Marktflecken. Sie treiben da zumeist landwirthschaftliche Geschäfte. Wer die hiesigen jüdischen Verhältnisse kennt, wer von der bittern Armuth weiß, die hier unter Juden herrscht, wird ermessen, wie wohlthätig solche AbzugScanäle waren. In neuester Zeit kam aber die Verordnung, daß alle diese Juden nach Krakau ziehen müßten. Eifrige Beamte meinen, mit dem provisorischen Gesetze über Grundbesitz kehren auch die früheren Judengesetze zurück. So hat sich auch das Ministerium genöthigt gesehen, die Erklärung zu geben, daß die Judensteuern seit dem Jahre 1848 aufgehört haben. Wir hoffen daher auch, daß das hohe Ministerium deS Innern, an welches sich der Vorstand der hiesigen Gemeinde gewendet hat, zu Gunsten der Juden entscheiden und dadurch so manchem momentanen wie dauernden Elend abhelfen wird. Wir hoffen auch, daß der Vorstand der israelitischen Cultuogemeinde in Wien, der zum Theil den Beruf hat, den er bereits bei vielen Gelegenheiten bewiesen, für die Juden der Monarchie zu wirken, seinen gewichtigen Einfluß bei den Behörden in dieser Angelegenheit verwenden wird. Großbritannien. London, im Januar. Im nächsten Frühling werden Sir MoseS Montefiore und 0r. Löwe eine Reise nach Jerusalem machen. (Jew. Chron.) Marokko. Mogador, 5. December. (Univ. isr.) Die jüdischen und maurischen Kausleute, die von Marokko zurückgekehrt, loben den Empfang gar sehr, welchen der Kaiser Abderrhaman ihnen habe widerfahren lassen. Gegen die Gebräuche haben acht unter den Juden Maulesel zum Geschenk erhalten; der Kaiser hat den jüdischen und arabischen Kaufleuten reiche Stoffe für ihre Geschenke überreichen lassen. Abhandlungen verschiednen Inhaltes. Dichter und Kaufmann von Berthold Auerbach, Mannheim, zweite Auflage. Verlag von Friedrich Bassermaun, 1855. Eine kritische Skizze, von Rabb. vr. <£. Grunebaum in Landau. (Schluß.) Ein Abend bei Moses Mendelssohn (achtzehntes Capitel) versetzt uns in jenen interessanten Kreis, der sich um den Weltweisen versammelt. Auch Lessing und Gleim sind zugegen, sowie Lavater. Wir werden hier gleichsam in die Werkstättc des Denkens dieser bedeutenden Männer cingeführt, und sehen die Gebilde ihres Geistes vor unsern Augen entstehen. Der Verfasser von Jerusalem entwickelt das dort verhandelte Thema, und der bekannte Streit Lavaters und Mendelssohns wird hier gefochten. Dadurch kommt man natürlich auf die gesellschaftliche Stellung der Juden und es wird LavaterS Thema von dem Vorzüge des Christenthums, worüber schon vorher gestritten wurde, aufS 10

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