Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1855)
- Date
- 1855-03-05
- Page
- Seite 121 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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121 chen langte daS Manuscript bei dem hiesigen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten an, das den Dr. Wiener sogleich davon in Kenntniß setzte und ihm die Benutzung desselben aus hiesiger königl. Bibliothek während sechs Wochen gestattete. Es ist hierbei eben so sehr die Freundlichkeit des hiesigen Ministern als die Liberalität der k. k. Regierung in Wien anzuerkennen. Von dem jungen, gegenwärtig hier sich aushaltenden und unter dem Namen Julius v. Rodenberg schreibenden jüdischen Dichter, dessen wahrer Name aber JuliuS Levy ist, wird nächstens auf dem hiesigen Hoftheater ein Melodrama aufgeführt werden, daS den Titel „WaldmüllerS Margret" führt, zwei Acte enthält und zu welchem unser berühmter Capellmeister Dr. Marschner eine ebenso charakteristische wie reizend frische Musik geschrieben hat. JuliuS Levy wurde in dem unS nahe gelegenen Rodenberg in der kurhesfischen Grafschaft Schaumburg im Jahre 1831 geboren, genoß seine erste Schulbildung hier in Hannover, besuchte später das Gymnasium zu Rinteln und veröffentlichte schon als Gymnasiast die vierzehn geharnischten Sonette: „Für Schleswig-Holstein", jedoch anonym. Dieser Sammlung folgte im Jahre 1851 eine zweite, ebenfalls anonym, und beide wurden mit vielem Beifalle ausgenommen. Inzwischen absolvirte er sein Maturitätseramen, studirte auf den Universitäten zu Heidelberg, Göttingen, Marburg und Berlin, und veröffentlichte 1852 sein „Dornröschen", lieferte als ästhetischer Referent der Weser-Zeitung in derselben fortlaufende Beiträge zur schönen Literatur und Helgoländer Briefe, und 1853 erschien von ihm ein Gedicht: „König Haralds Todtenfeier", woraus Einzelnes ebenfalls von Marschner in Musik gesetzt worden ist. Etwas später veröffentlichte er noch zwei Bändchen Gedichte, von denen daS eine eine Sammlung Lieder enthält und das andere den Titel führt: „Der Majestäten Felsenbier und Rheinwein lustige KriegShistorien." Bon der Productivität des talentvollen jungen ManneS, der inzwischen in Marburg Dr. juris geworden ist, steht gewiß noch recht viel Tüchtiges zu erwarten und wir würden uns freuen, wenn er einmal einen jüdischen Stoff poetisch zu bearbeiten sich anschicken würde. Preußen. Breslau, 23. Februar. (Privatmitth.) Eine Trauerkunde, welche weit über die deutschen Gauen hinaus ein Gefühl inniger Theilnahme erwecken wird, habe ich Ihnen heute zu melden. Raphael Fürftenthal, der bekannte hebräische Dichter, ist am 16. d. M. nach langjährigen Leiden zu einem besseren Leben entschlummert. Der Verstorbene gehörte zu den fruchtbarsten jüdischen Schriftstellern und sein Name wurde in den weitesten Kreisen stets mit Achtung genannt. Seine literarischen Leistungen, welche größtentheilS daS liturgische Gebiet umfassen, haben nicht wenig zur Förderung der Andacht beigetragen, und noch in späten Tagen wird daS jüdische Herz in der meisterhaften Fürstenthal'schen Uebersetzung der Gebete Trost, Erbauung und Erhebung in Leid und Freud finden. Auch die philosophische Literatur verdankt Fürstenthal schätzenswerthe Beiträge; seine Commentarien zu s-o-oi ma und maaarr ram und deren Uebersetzung bekunden ein fleißiges und gründliches Studium, wie auch ein ernstes Streben nach Wahrheit und wissenschaftlicher Erkenntniß, wenn auch vom Standpunkt der modernen Kritik sich manches gegen dieselben einwenden läßt. Eine außerordentlich verdienstliche, einen Schatz midraschischer und agadischtalmudischer Kenntnisse entfaltende Arbeit lieferte Für, stenthal in der Uebersetzung und Commentirung der "mrrbo,,, und der "aara man tjns,, zur ganzen Bibel enthält neben vielen alten auch manch neue treffliche exegetische Bemerkungen in höchst eleganter und flüssiger Sprache. Als Stern erster Größe aber leuchtet Fürstenthal am Himmel der hebräischen Poesie; seine Productionen haben ein ächt clasfisches Gepräge und find von einem erhabenen Gedankenreichthum getragen. Die kühne, schwungvolle Phantasie des Dichters versenkt sich oft in die glorreiche Vergangenheit seines Stammes, und er ergießt sich in bittere Klagen über den erloschenen Glanz und den Untergang der jüdischen Nationalität. Diese wehmüthig sanften Schmerzenstöne klingen unS in seinem „Zionsliede"*), dem wohl daS principatum inter oranes von allen seinen poetischen Schöpfungen gebührt, so mächtig entgegen, und erfüllen das Herz mit glühender Sehnsucht. — Von den schäumenden Wellen des Schicksals beständig umhergepeitscht, flüchtet sich der geniale Sänger in die Arme seiner „Heißgeliebten" (die hebräische Sprache), *) ns« qoKn , ■er? •vnos vn»« -tv,2£ I 'bYph bn8ta»a»*r*B