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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-03-05 · Heft 10 (5.3.1855) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 10 (5.3.1855)
Date
1855-03-05
Page
Seite 120 (sequence 6)
Language
German
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120 nun gleich im Schoße unserer Gemeinde selbst Gott Lob wahrhafte Noth nur in wenigen Familien vorhanden, so kommt doch die Mildthätigkeit des genannten Vereins Vielen jüdischen Familien in den unS zunächst gelegenen Ortschaften, wie z. B. in Linden, Hainholz, Herrenhausen u. s. w. ganz besonders zu Statten, und man muß überhaupt bekennen, daß unser Frauenverein seit den zehn Zähren seines Bestehens schon unsäglich viel Gutes gewirkt hat. Unter der trefflichen Leitung seiner Präsidentin, der Madame Alexander Cohen, welche, unterstützt von den beiden würdigen Vorsteherinnen, den Damen Berend, ihrem Amte mit nicht genug anzuerkennender Umsicht und Hingebung vorstehl, erfteut sich derselbe einer immer größeren Blüthe und entfaltet von Jahr zu Jahr eine immer ausgedehntere Wirksamkeit; in ächt jüdischem Geiste übt er fortwährend a^nan am a^nn o? non m>ss Werke der Liebe gegen Lebende und Todte, indem er der Noth nachspürt und sie zu mildern sucht. Kranken durch Trost und Zuspruch ihre Leiden erträglicher macht und bei den bereits Verstorbenen noch für die Anfertigung der Sterbekleider Sorge trägt. Sämmtliche Geschäfte deS Vereins werden durch Frauenhand und zwar entweder durch die Vorsteherinnen selbst oder durch sonstige Mitglieder desselben besorgt; nur den monatlichen Vorstandsfitzungen wohnt der durch seinen Gemeinsinn bekannte Herr A. S. Werner bei, um die Damen nörhigen Falls mit seiner Erfahrung zu unterstützen. Wir ergreifen hiermit mit Vergnügen die Gelegenheit, dem genannten Herrn für die seltene Bereitwilligkeit, mit welcher er der Förderung so vieler gemeinnütziger Institute und Vereine seine Muße widmet, unsere Anerkennung zu zollen, und verdient es wahrhafte Bewunderung, wie ein Mann, dessen Fürsorge zunächst der Erhaltung einer ziemlich zahlreichen Familie gewidmet ist und dessen Gesundheit namentlich in der letzten Zeit mehrmals gestört war, noch so viel Zeit gewinnt, seinen Obliegenheiten als Vorsteher deS WohlrhätigkeitSvereins, als Mitglied der CultuS- und der Mazzoth- Commission und als Beisitzer bei dem jüdischen Krankenpflegevereine mit so vieler Pünktlichkeit und Unverdrossenheit nachzukommen. Die beste Anerkennung für seine Leistungen wurde dem genannten Herrn gestern zu Theil, wo derselbe in einer General-Versammlung der sämmtlichen Mitglieder deS WohlthärigkeilSvereinS wiederum auf zwei Jahre zum Vorsteher gewählt wurde, nachdem er dieses Amt nunmehr bereits seit achtzehn Jahren verwaltet. — Ein ähnlicher Beweis des Vertrauens wurde unlängst unserem Gemeindevorsteher, Herrn D. Perez, gegeben, indem derselbe bei einer Gemeindeversammlung wiederum mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Majorität auf drei Jahre zum zweiten Vorsteher gewählt wurde, nachdem er diesem Amte, mit welchem die Vertheilung der Armengelder verbunden ist, bereits acht Jahre hindurch zur vollkommensten Zuftiedenheit vorgestanden hatte. In kurzer Zeit treten hier wiederum die Stände zusammen. Ob denselben Vorlagen über Verfassungsveränderungen und darunter über Beschränkungen der Rechte der zur Zeit noch gesetzlich völlig emancipirten jüdischen Bewohner unseres Königreichs werden gemacht werden, kann bis jetzt noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Inzwischen ist eS erfreulich, hier über die besondere Freundlichkeit berichten zu können, mit welcher unlängst unser Minister der auswärtigen Angelegenheiten einem in diesen Blättern bereits erwähnten jüdisch-literarischen Unternehmen seine Unterstützung bereitwilligst angedeihen ließ. Behufs der neuen von dem Oberlehrer vr. Wiener Hierselbst veranstalteten Ausgabe des Schevet Jehuda war es demselben wünschenSwerth, die einzige ihm bekannte Handschrift deS erwähnten Werkes, welche sich in der k. k. Bibliothek zu Wien befindet, durch Autopsie kennen zu lernen, und da eS ihm nicht möglich war, deshalb nach Wien zu reisen, so wandte er sich an den genannten Herrn Minister, den Freiherrn v. Lenthe, mit der Bitte, jenes Manuscript auf gesandtschaftlichem Wege hierher gelangen zu lassen. Von dem Herrn Minister auf das Zuvorkommenste empfangen, setzte Di*. Wiener demselben mündlich auseinander, wie sehr die Benutzung jener Handschrift seinen literarischen Untersuchungen möglicher Weise Vorschub leisten könnte, da eS hier auf die Entzifferung vieler geographischer und historischer Namen ankomme und sofort erklärte ihm der Minister, daß er sich fteue, der Wissenschaft einen Dienst leisten zu können und daß er das Gesuch bei der k. k. Regierung in Wien aus'S Kräftigste unterstützen wolle. Schon nach wenigen Tagen ging dem Di*. Wiener von Seiten deS Ministern eine Abschrift deS Auftrages an den hannöverschen Gesandten in Wien zu, in welchem diesem empfohlen wurde, bei der k. k. Regierung daS Gesuch auf'S Wärmste zu befürworten und nach einigen Wo-

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