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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-03-05 · Heft 10 (5.3.1855) · p. Seite 118

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 10 (5.3.1855)
Date
1855-03-05
Page
Seite 118 (sequence 4)
Language
German
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118 einerseits das religiöse Gesetz auch daS der Gesellschaft sein, und andrerseits erfüllt daS Individuum ein religiöses Gesetz, indem es das gesellschaftliche erfüllt. Dieselbe Erkenntniß, derselbe Begriff, dieselbe Lehre muß Unterlage der Religion, Moral und Gesellschaft sein. Es besteht ihm also kein Unterschied zwischen religiösen, moralischen und socialen Vergehen, weil eben das sociale Gesetz nichts Anderes als daS religiöse enthält. Der ganze Mensch in all' seinem Thun beruht ihm auf demselben Begriff von Gott und Mensch. Der Mensch erfüllt seine wahre Bestimmung nur innerhalb der Gesellschaft." — Indem wir die weitere Ausführung dem Nachlesen in dem citirten Werke überlassen, fügen wir der Deutlichkeit wegen nur noch folgende Bemerkungen hinzu. Wahrend im Heidenthume die Religion höchstens aus das Individuum eine sittliche Wirkung übte; während in den Urkunden des Christenthums selbst Religion und Staat ausdrücklich auseinander gehalten und selbst der heidnische Staat vollständig anerkannt wird*), führt der Mosaismus alle gesellschaftlichen und Rechtsverhältnisse auf Gott zurück, und eine Uebertretung auf diesem Gebiete ist zugleich eine religiöse Sünde. Wenn z. B. die Lehre ausgesprochen wird: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, ich bin der Ewige", so wird dieses Princip durch alle Verhältnisse bis in das PfändungSrecht und Schuldenwesen durchgeführt; wenn die Lehre ausgesprochen wird: „Liebe auch den Fremdling wie dich selbst", so wird dem Fremdling ausdrücklich auch der unbedingte Eintritt in „die Gemeinde Gottes", d. h. das israelitische Bürgerrecht zugefichert. Wenn die Lehre ausgesprochen wird: „alle Menschen sind Rinder Eines Gottes, abstammend von Einem Menschenpaare", so kennt der Mosaismus auch keine „Unterworfenen", keine „Provinz" (im römischen Sinne), keine Pertinenzien der Gemeinde**), eben so wenig wie die Leibeigenen des Mittelalters, oder wie irgend eine Rechtsungleichbeit, sei es zwischen den Israeliten selbst, sei es zwischen Einheimischen und Fremden***). Dies möge für heute genügen. *) 7] ävd-QwnivTj xriaig 1 Petr. 2, 13. Vgl. 1 Brief des Petrus 2, 13. 14. an die Römer 13., Titus 3, 1. **) Am besten beweist dies der Vorgang mit den Gibeoniten (Zos. 9), der dem Mosaismus ftemd ist. ***) Recht prägnant ist diese Einheit der Lehre und des Lebens z. B. ausgedrückt: „Die ganze Gemeinde: Eine Satzung ist für euch und den Fremdling, der sich aufhält — wie ihr ist auch der Fremdling vor dem Ewigen." 4 Mos. 15, 14 ff. also „Gemeinde" und „Gott", innerhalb Beider daffelbige Derhältniß. An die jüdischen Auch- und Aücherhandler. An alle Förderer der jüdischen Literatur. Am 26. Februar. So wenige Tage unsere „Aufforderung" in Nr. 8 vom 19. Februar auch erst in das Publikum gelangt ist, so hat uns doch schon eine Anzahl Meldungen zum Beitritt, insbesondere auch als Agenten der Gesellschaft (laut §. 8. des Entwurfs), wir erwähnen Herrn Leihbibliothekar Robert May als Agent in Breslau (Herrenstr. Nr. 1), Herrn Hirsch Manasse in Dramburg als Agent für die dortige Landschaft, Herrn A. Schwabach jun. in Sondershausen als Agent für die ganze Umgegend — so daß man sich an den genannten Plätzen an die gedachten Herren wenden wolle — die Überzeugung verschafft, daß das projcctirte Institut in's Leben treten zu sehen, gegründete Hoffnung vorhanden. Nichts ist aber ermuthigender, nichts förderlicher, als eine rasche und entschiedene Bewegung! Wer daher irgend sich bewogen fühlt, dem Werke zu Hülfe kommen zu wollen, der zögere nicht.' Je schneller wir dem Publikum die Gewißheit der Realifirung anzeigen können, desto schneller wird die Zahl der Theilnehmer wachsen. Die Menge der Letzteren ist aber der Lebensmittelpunkt. Denn wenn wir den Mitgliedern für den kleinen Beitrag sehr Vieles bieten können, so hat es für die Zukunft keine Noth. Bedenke jeder Israelit, welch' ein fteudiges Gefühl, wenn wir aus unsrer Mitte für ein so kleines Opfer (2 Thlr. jährlich) ein so schönes Institut erwachsen sehen! Das ist aber gewiß, daß es bei vielen Menschen eines unmittelbaren Antriebes bedarf. Sich hinsetzen, seinen Beittitt niederschreiben und auf die Post legen, das ist Vielen zu viel. Tritt aber Jemand zu ihnen, und fordert sie auf, find Zahllose bereit. Viele gute Werke unterbleiben daher, weil Niemand unmittelbar anregt. Von der größten Wichtigkeit ist daher, daß jeder Freund der jüdischen Literatur es unternimmt, Andere zum Beitritt anzuregen, diese zu sammeln und bei uns einzusenden. Finden sich solche Förderer an vielen Orten, so wird der Erfolg außerordentlich sein. Insbesondere würden wir das Geschäft als Agenten gern in Händen der jüdischen Buch- und Bücherhändler, Leihbibliothekare und Antiquare sehen. Diese Herren haben den besondern Beruf dazu, weil es in ihrem Stande liegt. Eine billige Provision

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