Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1855)
- Date
- 1855-02-26
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 anfing, „von der Toleranz" zu sprechen. Eine Weile hörte ich zu; dann bemerkte ich: „Wissen Sie. Herr Doctor, ich höre nichts unlieber, als von „Toleranz" sprechen, denn so lange noch von „Toleranz" gesprochen wird, ist Intoleranz da. Eben so verhält eS fich mit dem Muth e. 3ch horte Einen sagen: „man muß den Muth einer Meinung haben", welcher Zeit seine- Lebens an den Höfen den Diplomaten spielte, und einen Andern: „Dem Muthigen gehört die Welt", welcher wie ein Rohr hin * und herwankte. Von Toleranz und Murh darf nicht gesprochen werden." ES wäre ein großes Unglück für die Menschheit, wenn in derselben nichtgedeihen könnte, waS nicht nach dem Schnürchen des System- und nach theoretischen Voraussetzungen geschähe! Wir haben in unserm Leben Vieles gesehen, wabewies, daß größere Mühe auch größere straft hervorrief, und die Dinge dann besser gingen, als man eS voraussetzte. Die Methode ist von großer Bedeutung, aber doch nicht von alleiniger, denn fie wird oft durch größere Anstrengung ersetzt, und diese bringt noch größere Resultate hervor, während die Methode stchrer ist, aber schlaffer läßt. Diese Gedanken find unS schon oft, und insonderS jüngst, als Ehrenrettung deS jüdischen Lehrerstande S eingefallen. Wer wird nicht in den Ruf nach jüdischen Lehrerseminarien einstimmen! Wir haben ihn so oft ertönen lassen, daß wir wahrlich! nicht geneigt sein möchten, ihm zu widersprechen. Namentlich jetzt in Preußen, wo die christlichen Lehrerseminarien den Juden verschlossen worden, und dann in vielen anderen Ländern, wo in der That solch ein Seminar für den jüdischen Lehrer nichts taugt. Aber wir dürfen nun ungerechter Weise nicht rückwärts schließen, daß Lehrer, die auf keinem Seminar gebildet find, nichts taugen, unbefahigt seien. Die Erfahrung zeigt uns auf eine sehr große Zahl jüdischer Lehrer der vergangenen und gegenwärtigen Zeit hin, welche überaus tüchtig, wiffenSreich und geschickt waren und find, ohne daß fie ein Seminar besucht haben. Denn, vergleicht man überhaupt die Forderungen, welche an einen jüdischen Lehrer gestellt werden, so wird man zugeben, daß fie die an christliche Lehrer weit übertreffen, und daß fie oft denen gleichkommen, welche an einen studirten christlichen Theologen gerichtet werden! Welcher Jude achtet jetzt einen jüdischen Lehrer, der nicht mindestens in den Elcmentarien völlig bewandert ist — aber noch mehr, er soll auch mindestens Franzöfisch kennen; und welcher Jude achtet einen jüdischen Lehrer, der nicht tüchtig Hebräisch versteht, mindestenda- Hebräisch der Bibel und deS Gebetbuches — aber noch mehr, er soll auch Raschi, Mischnajoth und Schulchan-Aruch verstehen, er soll in dem ganzen großen Gebiete dejüdischen Rituals bewandert sein, er soll meist nebenbei auch „ein guter Chasan" sein, und alle Melodien des Jahres auswendig kennen.... Welche Masse von Wissen und Notizen! Und fürwahr! eine sehr große Zahl von jüdischen Lehrern genügt dem Allem, und ist noch Schächter nebenbei, und hält noch deutsche Vorträge außerdem, und alles Dies zum Theil — ohne Seminarien, durch eigene Anstrengungen! Ehre dem Ehre gebührt!... Und dafür welch' ein Lohn! Wo die auskömmliche Bezahlung, und wo die dankbare und ehrende Anerkennung!... Und dabei meist ein rühriges Streben.... Ich gestehe offen, ich habe großen Respect vor diesem Stande, und ftage Viele, welche Gymnafien und Univerfität besucht haben: vermögt Ihr Daffelbige?... Dir Aeberfendrmg eines Q2 durch die Post betreffend. In Nr. 5 bringen Herr H. Schwarz, Rabbiner in Hürben, und Herr W. Wälder, Rabbiner in Laupheim, folgende- Factum: Da- Rabbinat zu New-Dork hat einen 25 nebst fnrenrr "120 durch die Post nach Laupheim gesendet u. s. w. Diese Herren sagen nun: „ES verstehet sich von selbst, daß dieser 25-recustrt und sogleich wieder remittirt wurde"; und erklären feierlichst: „daß wir unsrerseits niemals die Übersendung eines 22 durch die Post für statthaft erklärt haben"; und.schließen endlich mit den herausfordernden Worten: „Wir überlassen hiermit die Handlungsweise des RabbinatS-Collegiums in New-Uork dem öffentlichen Urtheile." Rabbiner, die so sprechen, müssen wahrlich glauben, eS sei gar nicht möglich, einen zu finden, einen 22 durch die Post zuzusenden. Ein ganz ähnlicher Fall hat fich vor ungefähr zwei Jahren in Wien zugetragen. Eine Ehegattin, die ihren Ehemann verließ und nach Amerika auswanderte, befand fich ebenfalls in New-Dork. Der Ehemann wendete fich mit der RechtSftage, wegen der vorzunehmenden Scheidung, an mich, und ich habe es gestattet, daß in New- Dork ein Individuum als bestellt werden soll (weil die Meinungen getheilt find, ob ein mrvbis, ohne vorauSgegangene Einwilligung des Gültigkeit habe.