Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1855)
- Date
- 1855-02-19
- Page
- Seite 95 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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SS ging, war ein warmer Freund und Verehrer desselben. Möge die Erde ihm leicht sein! — Der Jahresbericht der „Armenanstalt" ist erschienen. Wie Sie aus demselben entnehmen werden, haben fich die Einnahmen verringert. Der neue Vorstand läßt fich die Sache sehr angelegen sein und verwendet fich persönlich, und zwar nicht ohne Erfolg. Manche Herren zeichnen nun das Doppelte und das Dreifache der frühem Beiträge. Auch daS Taubstummeninstitut hat seinen Jahresbericht veröffentlicht, und eö ist demselben nur zu wünschen, daß fich die Mittel desselben mehren. Wien, 7. Febmar. (Privatmitth. Ich habe einen Nachtrag in Betreff unseres seligen Freundes Schlesinger zu machen. Sein Neffe, Herr vr. Rofin, dem er es letztwillig überlassen hat, die Verlassenschaft für seine eils Erben zu ordnen, war mit vielen Freuden bereit, die mündlichen Anordnungen des Verstorbenen an seine Freunde zu erfüllen. Somit bekamen vier Anstalten: der Commisverein, der Handwerksverein, das Spiral und die Kleinkinderbewahranftalt je hundert Gulden und die Bibliothek der Religionsschule erhielt sämmtliche Jahrgänge der Judenzeitung seit ihrem Bestehen und deS Orientes. Zu den in der Religionsschule ausgestellten Portraiten der Vertreter kam jetzt das des Herrn Bernhard Werlheim hinzu, der im letzten Sommer verstorben ist. In der bekannten Rechtlichkeit und Biederkeit seines Charakters stand er Jahre lang der Gemeinde vor und hatte viele Verdienste um dieselbe. Ich füge nachträglich die Legate desselben bei. Bei seinem Leben machte er eine Stiftung für seine Frau, die ihm in das Reich der Seligen vorauSgegangen ist, zur AuSheirathung armer Mädchen. Für fich bestimmte er 3000 Fl. für den neu zu erbauendes Tempel; 1666 Fl. für den HandwerkSvereiu. Außerdem wurden am Tage deS Begräbnisses 560 Fl. an jüdische und 560 Fl. an christliche Arme vertheilt. Nächstens erscheinen nach vielen Hindernissen die Grabschriften deS alten hiefigen GotteSackerS mit einem Vorworte von Frankl. Die Idee, die Grabschriften abzufassen, ging von Herrn vr. Frankl im Jahre 1844 auS, bevor noch daS Buch von Zunz: „Zur Literatur^' rc. erschienen war. Herr Stern, Herausgeber des -prt-ffi, übernahm die Abschrift. Später wurde aus seinen Antrag der Gottesacker von Gestrüpp gereinigt und die Grabsteine ausgebessert. Im Jahre 1853 beantragte derselbe bei der Chewra Kadischa, die Epitaphen drucken zu lassen, und doch verzögerte sich die Herausgabe bis jetzt. Da ich diesmal bloS von den Tobten gesprochen habe, so sei auch ein Wort den Lebenden gegönnr. Von Setten der Statthalterei ist endlich die Bewilligung gekommen, daß am neuen Tempel die Fronre nach Außen sein darf. Prag, im Januar. (Eingesandt.) Der hiesige Buchhändler und Verleger, Herr Wolf PascheleS hat aus Anlaß des bei der allerh. Anwesenheit Sr. Maj. in Prag überreichten Werkes „Sippurim" mittelst Zuschrift des OberstkämmereramteS den Dank Sr. Maj. ausgedrückt und eine große goldene Medaille mit dem Brustbilde Sr. Maj. und der Rückschrift „Viribus unitis“ erhalten. Die Schweiz. Aus dem Aargau, im Januar. (Privatmitth. Bon einem zweiten Corrcsp.) Ich weiß nicht, ob Ihnen Ihr Correspondent über die Calamität, in welche unsere Gemeinden durch ein im Aargau neu herausgekommenes Gesetz über Thierquälerei beinahe gekommen wären, schon berichtet hat. Rach diesem Gesetze wurde den Juden das Abschlachten deS VieheS nach bisheriger Weise untersagt, weil laut demselben Thiere nur durch Abschlagen getödtet werden dürfen. Die Juden petitionirten sogleich, und wurden von der Regierung an den Großen Rath, als die gesetzgebende Behörde gewiesen. Diese wieS die Petition zum Berichte an die Regierung, und auf Antrag derselben erfolgte gestern die Dispense. Die Sache ging aber keineswegs so leicht, denn die Regierung betrachtete daS rituelle Schlachten der Israeliten als Ausgeburt der Orthodorie und wollte nicht sogleich von Dispense wissen. Natürlich kam die Frage der Gewissensfreiheit auch in Betracht, die doch eine republikanische Regierung allervörderst inBelracht ziehen sollte. Die Motivirung der Dispense ist uns noch nicht bekannt, und wie wir hören, soll dieselbe nicht etwa die von den Petenten beigebrachten religiösen, sondern die ebenfalls berührten materiellen Gründe, nämlich die Einbuße der der Gemeindekaffe zufiießenden Fleifchab- I gabe, herbeigeführt haben. — Sie sehen, daß eS unserer Regierung an Reformbestrebungen nicht fehlt. — ö