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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-02-12 · Heft 7 (12.2.1855) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 7 (12.2.1855)
Date
1855-02-12
Page
Seite 83 (sequence 9)
Language
German
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83 1 Sgr. 11 Pf., die Ausgaben 801 Thlr. 6 Pf., wonach ein Ueberschuß von 170 Thlr. 1 Sgr. 5 Pf. verbleibt. Bei dem Mahle wurde eine Sammlung für verarmte Mitglieder veranstaltet, welche den reichen Ertrag von 69 Thlrn. ergab. Berliu, 4. Februar. (Privatmitth.) Unsere Gemeinde, so hervorragend durch ihre Betheiligung an der höhern Industrie, birgt auch einen Reichthum von Gewerbekraft in den Händen von Gewerksmeistern, deren Fleiß allgemeine Anerkennung findet, und deren Zahl im Verhältniß zur Bevölkerung dem Vorurtheile fiegreich beikommt, daß die Juden arbeitscheu wären und Geschäfte den Gewerben vorzögen. Es mögen an 400 selbstständige Handwerker, daö heißt Meister, hier sein, und die „Gesellschaft jüdischer Gewerbetreibender zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen" zählt allein schon einige hundert Mitglieder. Ueber diesen Verein berichteten hiefige Blätter bei Gelegenheit seiner diesjährigen General- Versammlung nur ganz flüchtig, aber er ist seiner Erscheinung und Bedeutung nach so wichtig, daß einige nähere Worte darüber nicht zur Unzeit gesagt sein dürsten: Im Jahre 1845 stiftete der Gürtlermeister und Bronceur Halle den genannten Verein, welcher daS Seinige dazu beigetragen hat, den jüdischen Handwerkerstand in seiner imposanten Ausbreitung zu erhalten. Damals gab eS noch keine GewerkSvereine in Berlin, an welchen Juden und Christen ohne Unterschied Theil nahmen, und die Idee war vom jüdischen Standpunkte aus doppelt heilsam; aber auch seitdem die städtischen Gewerke durch einen allgemeinen Verband fich zu gegenseitiger Hülfeleistung vereint haben, blieb noch immer auf jüdischem Boden ein großer Spielraum zum specifisch wohlthätigen Wirken. Die jüdischen Handwerker haben von ihren Lehrjahren bis zu ihren Meisterjahren mit andern Schwierigkeiten zu kämpfen, als ihre christlichen Gewerbsgenossen, und find in ihrem meisterschaftlichen Wirkungskreise mehr der Aufmunterung bedürftig. Auch ist hier gerade eine Demonstration durch engern Zusammentritt von edelster Wirkung, eine zeitgemäße, nicht bloS erlaubte, sondern pflichtgetreue Demonstration, welche den Verleumdern des jüdischen Fleißes eine Phalanx von geübten und rüstigen Männern vorführt, die stolz fich in die Reihen der ersten Vertreter der vaterländischen Arbeit und Industrie stellen dürfen. DieS ist freilich nur mittelbare Folge, nicht Zweck, der eigentliche Zweck ist, dem armen Handwerker in den Tagen körperlicher Uebel beizustehen, damit er leichter der Arbeit und der Familie wiedergegeben und erhalten werde. Welche große Theilnahme der Verein gefunden, beweist der Umstand, daß so viele Männer auS den höchsten Geschäftskreisen sich ihm als Ehrenmitglieder angeschlossen haben, und dadurch wurde eS auch möglich, den Grad der Unterstützung so zu erhöhen, daß der Kranke außer freier Heilkunst und Heilmittel noch eine wöchentliche Baarhülfe von dritthalb Thalern erhält, während die städtischen Gewerke etwa den vierten Theil dieser Summe leisten. Zu bedauern ist eS, daß noch so viele jüdische Gewerbtreibende sich des Anschlusses enthalten, und zwar meist auS der irrigen Ansicht, eS sei die Zeit da, die specifisch jüdischen Verbindungen in die allgemeine aufgehen zu lassen. Aber die Zeit ist noch lange nicht da, wo die Juden keine besonderen jüdischen Tugenden, besondere Humanität und besondere Kraftäußerung nöthig hätten, sie hätten daS Alles noch im besondern Maße nöthig, selbst wenn sie völlig ihren christlichen Mitbürgern gleichgestellt wären! Bei dem am 28. Januar stattgehabten Festmahle nach dem Vortrage des Jahresberichtes hielt Di*. Stern eine glänzende Rede. Ein Vorschlag des Vorstehers LouiS Liebermann, auch auf die altgewordenen Mitglieder in nicht krankem Zustande die Unterstützung auSzudehnen, blieb ohne Genehmigung. Eine Sammlung für arme Handwerker ergab 69 Thlr., wozu nachträglich ein von der Versammlung abwesendes Mitglied, als eS zufällig von der Collecte gehört, 5 Thlr. hinzufügte. — Wundern Sie sich über mein C ommuna lsch w eigen? Ich nehme ein Beispiel an dem Schweigen des edlen Beranger nach der Julirevolution: Er hatte die heuchlerisch-unsittliche und antinationale Restauration durch seine unsterblichen Chansons zu Tode gesungen, und eS war mit der Juliwendung seine Mtssion erfüllt. Auch meine Sendung ist vorläufig erfüllt! F. Lt. AuS Westphalen, im Februar. (Privatmitth.) Wir können nicht umhin, dem Fräulein Fanny Nathan in Paderborn unfern innigen Glückwunsch auszusprechen zu dem glücklichen Fortschritt deS schönen gottgefälligen Werks, nämlich deS israelitischen Waisenhauses in Paderborn für die Provinz West-

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