Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1855)
- Date
- 1855-02-12
- Page
- Seite 82 (sequence 8)
- Language
- German
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teien für den Israeliten vr. Feust ihre Lanzen einlegten, weil derselbe von Nürnberg auSgewiesen worden, werden Israeliten hier zu Lande mit Ruthenhieben gemißhandelt, wenn sie auf einem Handel betroffen werden, zu dem sie nicht ausdrücklich patentifirt find. Besonders wurden einige Israeliten auS Dutenwiesen, Landgerichts Bertingen, ad posteriora tractirt, weil sie sich das korribile dictu zu Schulden kommen ließen, mit Vieh zu handeln. Während im österreichischen Kaiserstaat die Prügelstrafe beim Heere abgeschafft wird, greift man in Bayern zur Ruthe, um Toleranz auf einen unaussprechlichen Theil deS menschlichen Körpers zu schreiben. — Erfreulich ist eS, daß die Juden, wie zu allen Zeiten, auch jetzt Haß mit Liebe vergelten; so haben bei der Cholera die Israeliten durch Spenden von Wohlrhaten sich aller Orten ausgezeichnet, vr. Landauer in Kriegshaber hat als Arzt und Menschenfreund sich hervorgethan und auch seine frühere Renitenz gegen das Judenthum, durch Entziehung seines Sohnes von der Beschneidung, hat er dadurch gesühnt, daß er öffentlich erklärt hat, sein Kind sei krank und die Operation der Beschneidung wäre ihm lebensgefährlich; wenn er wieder mit einem Sohne beglückt werde, so werde er die Beschneidung an ihm vornehmen lassen. Dadurch ist dem würdigen Rabbinen Schwarz in Hürden, dessen Gemeinde vr. Landauer angehört und der seiner Zeit gegen den Renitenten keinen gesetzlichen Schritt unversucht ließ, um ihn zur Erfüllung seiner religiösen Pflicht zu veranlassen, die beste Satisfaction geworden. Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin, der BerufStreue deS genannten Rabbinen Schwarz Erwähnung zu thun. In Bayern gehört es nicht zur Amtsobliegenheit der Rabbinen, der Schulen sich anzunehmen, Rabbiner Schwarz aber widmet sich der Schule mit großer Hingebung. Ihm allein ist eS zu verdanken, daß die dritte Lehrerstelle an der öffentlichen Schule in Hürden nicht eingegangen ist. Unentgeldlich erlheilt er an Jünglinge Unterricht in biblischer und rabbinischer Literatur, der Talmudverein hat in ihm eine feste Stütze und wäre in vielen Gemeinden noch solcher Sinn für jüdische Literatur, sie würde nicht verkümmern und ihr einziges Asyl in Gelehrtenstuben suchen müssen. — Von dem Sohne deS Rabbinen Schwarz, vr. Israel Schwarz, Rabbiner in Baireuth, ist eine Gedichtsammlung, „ZionSklänge," Heinrich Hunger, Leipzig, erschienen. Die lyrischen, religiösen Klänge zeugen von dem frommen Gefühl deS jungen Dichters. Mehr Fleiß auf die Form hätte verwendet werden dürfen; doch wird der Leser daS Büchlein nicht unbefriedigt aus den Händen legen. Auch die Legende ist in dem Schriftchen bedacht und manche volksrhümliche Sage in metrischem Gewände wiedergegeben. Affaph und Tirza, ein kleines Epos, wird besonders jetzt Interesse erregen, da eS in Spanien spielt und durch vr. Philippson die Augen der europäischen Judenheit gerade nach Spanien gerichtet sind. Don der Regnitz, 15. Januar. (Fr. I.) Der Abgeordnete zu unserer zweiten Kammer für den Wahlbezirk Fürth - Erlangen, vr. jur. Morgenstern, beabsichtigt, sein Mandat niederzulegen und zugleich als Candrdat für den Staatsdienst zurückzutrelen, indem ihm (bis jetzt Advocaten-Concipist in Fürth) keine Aussicht unter den jetzigen polltischen Conjuncturen sich eröffnet, eine Avvocatur in Bayern zu erlangen. Daß er Jsraelite ist, wird ihm weniger als Hinderniß angerechnet, als daß er, feit 1848 Mitglred der Kammer der Abgeordneten, stelS sich zur Linken gehalten. Seit mehreren Jahren wurden ihm (obwohl er der älteste Canbidat ist, ausgezeichnet in seinem Fache und stets mit Ruhe und Würde im parlamentarischen Leben und vor den Gerichtsschranken sich benahm) alle jüngeren Bewerber vorgezogen. Er beabsichtigt nun, in ein Banquierhaus in Nürnberg zu treten. ES soll ihm aber, dem Vernehmen nach, von der dortigen politischen Behörde die Bewilligung zum Aufenthalte daselbst verweigert werden. Preußen. Berlin, 1. Februar. (V. Z.) Am letztverflossenen Sonntage beging der von dem Gürtler und Bronceur Halle Hierselbst gegründete Krankenkassen-Verein jüdischer selbstständiger Gewerbtreibenden fein Stiftungsfest durch eine Generalversammlung der Mitglieder und ein darauf folgendes heiteres Mahl. Der Jahresbericht ergiebt die segensretche Wirksamkeit deS Vereins auch im abgelaufenen Jahre. Der Verein zählt gegenwärtig, mit Einschluß eines permanente« Mitgliedes, 130 außerordentliche (Ehren-) Mitglieder und 170 ordentliche. Der eiserne Fonds ist auf 1400 Thlr. gestiegen; die Einnahmen betrugen 971 Thlr.