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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-02-12 · Heft 7 (12.2.1855) · p. Seite 81

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 7 (12.2.1855)
Date
1855-02-12
Page
Seite 81 (sequence 7)
Language
German
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81 mehrere Artikel über das „Wormser Schulwesen" in der hiesigen Zeitung; in derselben heißt eS: „ES wäre sehr zu wünschen, daß unsere christlichen Mitbürger den Werth einer höheren Bildung eben so schätzen lernten, wie dies bei unseren israelitischen Mitbürgern der Fall ist, was wir hier öffentlich und rühmend anzuerkennen unS gedrungen fühlen. Denn wenn wir in dem Programm von 1853, S. 37 unter der officiellen Zusammenstellung der Gesammtzahl der Schüler lesen, daß von 178 Schülern, welche im Schuljahre 1852 — 53 das Gymnasium und die Realschule besuchten, 46 Israeliten, 37 Katholiken, 85 Protestanten, 6 Anglikaner und 4 Deutschkatholiken waren, so ist dies bei dem Verhältnisse, welches zwischen der BevölkerungSzahl der Israeliten und derjenigen der übrigen Confessionen besteht*), eine Thatsache, welche den Israeliten zur Ehre gereicht und die den Schlüssel zu so mancher Erscheinung bietet, welche viele Leute oft nicht recht begreifen können, obgleich es eine nicht zu bestreitende Wahrheit ist, daß man mit Anstelligkeit und Kenntnissen in der Welt weiter kommt, als ohne solche." — So erfreulich diese Worte VeS hierorts hochgeachteten und tüchtigen Gelehrten find, so betrübend muß eS erscheinen, wenn Unwissenheit und Lieblosigkeit an einem andern Orte des Vaterlandes nachstehende Aufforderung im „Frankfurter Journal" nothwendig machten. Die Aufforderung lautet: „Herr Hofg.-Advocat Wolf in Gießen wird hiermit im Interesse der Wahrheit aufgefordert, die von ihm in der SchwurgerichtSfitzung vom 12. d. M. erwähnte Stelle des Talmuds, „daß der Jude einem Christen gegenüber falsch schwören dürfe," nachzuweisen, widrigenfalls diese Behauptung als erlogen erklärt werden wird. — Für den Fall, daß Herr Wolf die vom Herrn Staatsanwalt gemachte Angabe, „daß sich verhältnißmäßig viel weniger Juden in den Strafanstalten befinden, als Christen," noch länger beanstanden sollte, bin ich bereit, den statistischen Nachweis hierfür zu liefern. Gießen, 14. Januar 1855. E. MarcuS, Stud. med." — Herr M. mag sich an *) Ref. verweist auf Nr. 21 d. Bl. von 1853, wonach die Protestanten 2/3, die Katholiken 2/a und die Israeliten '/» der Gesammtzahl der hiesigen Einwohner bilden. Im jüngst verflossenen Jahre besuchten 53 israelitische Schüler das hiesige Gymnasium; vergl. Nr. 21 d. Bl. von 1854. den geehrten Redacteur d. Bl. wenden, der gewiß so freundlich fein wird, ihm die betreffenden Nummern dieser Zeitung mitzutheilen, in welchen die quäst. statistischen Angaben nach Hoffmann gegeben wurden. Aus Bayern, Ende Januar. (Privatmitth.) Von der Sammlung der Gesetzgebung Bayerns unter Marimilian ll. hat so eben ein neues Heft die Presse verlassen, welches das Gesetz „die bürgerlichen Rechte der israelitischen Glaubensgenossen betr." enthält. Der Commentar ist von Herrn OberappellationSgerichtsrath v. Metz. Der Commentator kommt in einigen Punkten zu andern Resultaten, als diejenigen find, welche in der einzigen bisherigen Schrift über diese Materie „die Rechtsverhältnisse der Juden in Bayern auf Grundlage der neuesten bayerischen Gesetze von Gotthelf" entwickelt find. Namentlich ist dieses in Bezug auf die Frage der Fall, ob in der Pfalz nunmehr Civilehen zwischen Juden und Christen erlaubt seien oder nicht. — Am dritten Tag des Chanukafestes wurde in der Gemeinde Altenmuhr in Mittelfranken der Nestor dieser Gemeinde, Rabbi Anselm Weinschenk, ein Greis von 93 Jahren, zu Grabe geleitet; ein patriarchalischer Charakter, der eS verdient, in diesen Blättern eine Ehrenstelle einzunehmen. Als langjähriger Lehrer, Rathgeber und Freund erlitt diese Gemeinde durch dessen Hinscheiden einen nicht leicht zu ersetzenden Verlust. Aechte Religiosität, jedoch dem gemäßigten Fortschritte huldigend, gepaart mit Leutseligkeit und einem äußerst einnehmenden Wesen waren die Grundzüge seines Lebens, und machten ihn allenthalben beliebt. Eine seltene Theilnahme aller Confessionen deS OrteS gab sich bei seinem Leichenbegängnisse kund, und wurde dasselbe besonders durch eine inhaltsreiche Grabrede deS Herrn Rabbinen Grünebaum aus AnSbach verherrlicht. Er ruhe sanft! H. B. Augsburg, im Januar. (Privatmitth.) Ueber die Erfolge, die die Sache der Juden in der Kammer erfochten, wird eine gewandtere Feder für diese Bläiter Bericht erstatten; je schöner der Sieg der Wahrheit auf der Arena deS parlamentarischen Lebens hervorleuchtet, desto betrübter ist eS, wenn die Unduldsamkeit, gestützt auf papierne Gesetzesfetzen, ungestraft ihr Wesen treibt. Während Kämpen aller politischen Par-

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