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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-02-12 · Heft 7 (12.2.1855) · p. Seite 80

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 7 (12.2.1855)
Date
1855-02-12
Page
Seite 80 (sequence 6)
Language
German
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80 Wir wären sehr neugierig, von dem Herrn Divisionsprediger zu erfahren: wie Viele diese „viele Juden" und wer sie wären, da unmittelbare Berichte an uns, sowie die Berichte der englischen MisfionSblätter das gerade Gegentheil besagen: daß selbst die HungerSnoth des letzten Jahres die Söhne Juda's in Jerusalem nicht vermocht hat, in größerer Anzahl dem Glauben ihrer Väter untreu zu werden. In diesen Tagen erhielten wir von Hamburg eine kleine Broschüre, betitelt: „Der Weihnachtsbaum in der jüdischen Familie." Gewiß ein interessantes Thema! Aber wir müssen unsre geehrten Leser vor dem Wegwerfen ihres Geldes warnen. Obgleich anonym erschienen, erkennt man leicht, daß es wieder eines der verkehrten Producte des Herrn Israel Pick ist, der in den getauften Juden allein die wahren Christen findet und aus solchen gern eine besondere Sauvegarde des Hinunels machen will. Der berühmte Geschichtsschreiber der Juden Basnage rief, als er der Bestechung durch die Juden geziehen worden war, aus: „Das undankbarste Volk der Welt find die Juden!" Heinrich Heine wiederholte dieses Wort, als man zur Zeit der Damasker Blutgeschichte den Pariser Juden vorwarf, die französischen Journale bestochen zu haben, was auch nicht im Entferntesten der Fall war. Allerdings ist das Wort in einer Beziehung wahr. Denn die Geschichte der Juden weist vom Beginn bis auf den heutigen Tag äußerst wenige Beispiele auf, daß sie ihre verdienten Männer mit Geld, Ehren oder Stellen, oder auch nur mit allgemeiner Anerkennung belohnt haben. Hingegen wimmelt cs in den Annalen unsres Stammes von entgegengesetzten Beispielen der Undankbarkeit und Zurücksetzung unsrer bedeutendsten Glaubensgenossen. Die immer wiederholte Widersetzlichkeit, welche Mosche fand, die Hintenansetzung, welche Schemuel in seinem Alter traf, die häufigen Empörungen, welche wider David sich erhoben, die Verfolgungen, welche die Propheten zu bestehen — die Sage spricht sogar von einem Morde — die Geißelhiebe, welche Jirmejahu zu ertragen, sie haben sich in geringeren Maßen zu allen Zeiten wiederholt. Gerade entgegengesetzt aber giebt es kein Volk, welches mit größerer Bereitwilligkeit den Verdiensten der Verstorbenen den dankbarsten Tribut zollt, ihnen einen ewigen Nachruhm schafft, und eine kaum anzutastende Autorität einräumr. Mir jedem Jahi^ehent später befestigt sich der Name des Verklärten, und ist erst sein Zeitalter vorüber, so strahlt er als Stern erster Größe von keiner Wolke getrübt. Nur müssen wir hierbei bemerken. daß ein Unterschied zwischen Männern der That und Männern der Schrift stattfindet. Die ersteren, d. h. solche, welche durch that sächliche Verdienste um ihre Glaubensgenossen sich auszeichneten, werden von uns Juden aufs Leichteste und Baldigste vergessen, während die Schriftsteller die ganze Arena des jüdischen Ruhmes ausfüllen! Zeitungsnachrichten. Palästina. Für die Armen in Jerusalem. Durch Herrn Rabbiner Jadesohn in Krojanke 1 Thlr.; durch Herrrn Religionslehrer Landau in Segeberg (Dänemark) 10 Thlr.;*) durch Herrn Cantor Simon Levy in Friedeberg in der Neumark 7 Thlr. (nämlich vom Gemeindevorsteher Herrn Heimann Hirsch zu Reetz 6 Thlr. und von Herrn D. H. Tietz in Fr. 1 Thlr.) Die Redaction. Magdeburg, im Februar. Neuere Mittheilungen auS Jerusalem enthalten nichts Wichtiges, als daß die Theuerung noch fortdauert, und daß ein Mann, den wir sehr wohl kennen, und welcher das Instrument eines Andern ist, der auch schon die „Warschauer" Gemeinde beim Fürsten PaSkewitsch zu denunciren versucht, einen großen Lärm verursacht hat, indem er unfern Artikel in Nr. 47 mit Wendungen und Zusätzen in'S Hebräische übersetzte, und die Gemeinden damit wider die Deutschen zusammenhetzte. Jndeß haben sie sich doch so weit beruhigt, daß sie die Güte haben wollen, auch fernerhin Gaben auS Deutschland anzunehmen. Deutschland. Worin-, im Januar. (Privalmitth.) Der sowohl in der literarischen Welt, als auch durch seine hervorragende parlamentarische Thätigkeit in der zweiten hessischen Kammer bekannte vr. Eich, Lehrer am hiesigen Gymnasium, veröffentlicht seit einiger Zeit *) S. die Anzeigen. Red.

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