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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-02-05 · Heft 6 (5.2.1855) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 6 (5.2.1855)
Date
1855-02-05
Page
Seite 71 (sequence 9)
Language
German
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71 OesterreLchLscher KaLserstaat. Wieu, 19. Januar. (Privatmitth.) [9ßon unserm zweiten Gtortefp.] Während man mit Bezugnahme auf langer als hundertjährige Verordnungen auch den zeitweiligen Aufenthalt jüdischer Reisenden in Steyermark streng controlirt, hat sich in einer anderen Provinz des Kaiserstaates ein erfreulicher Fortschritt Ln gleicher Beziehung ergeben. In Folge eines Berichtes des gegenwärtig in Orsowa fungirenden Grenztruppen-Brigadiers Generalmajor Freiherrn Buday wurde höchsten OrteS entschieden, eS sei für die Zukunft daS den Aufenthalt der Israeliten in der k. k. Militairgrenze beschränkende Verbot gänzlich aufzulösen und demgemäß allen mit den nöthigen gesetzlichen Urkunden versehenen Israeliten, mit alleiniger Ausnahme der Haufirer, der Aufenthalt in der Militairgrenze ohne alle Beschränkung zu gestatten. Herr Eduard Wiener — bekanntlich einer unsrer geachtetsten BanquierS — hat so eben das Erequatur als königlich portugiesischer Consul erhalten. Vor einigen Tagen siel an der hiesigen Börse ein Wortwechsel zwischen Herrn Heinrich M. tSt.), dem Sohne eines unft-w ersten christlichen BanquierS, und einem jüdischen Wechsler vor. Der Erstere glaubte sich durch den Letzteren in seinem Stehplätze beengt, und in dem darüber weiter entsponnenen Streite sagte Herr M., er sei ftoh, wenn er an der Börse nicht neben einem Juden zu stehen brauche. Die neu creirte Vörsenkammer hat mit diesem Fall ihre Wirksamkeit in Streitsachen eröffnet und Herrn H. M. St. angehalten, vor Zeugen Abbitte über seine ehrenrührige Aeußerung zu leisten. Brünu, 16. Januar. (Privatmitth.) Man erzählte sich hier geheimnißvoll eine etwas fcandalöse Geschichte in Betreff des Tempels. Ich nahm bisher Anstand, davon zu sprechen, weil ich mich nicht zu dem Grundsätze: lavons notre linge sali en public bekenne. Jetzt, da die Sperlinge auf dem Dache schon davon erzählen, will ich sie Ihnen mittheilen, um eine kleine Bemerkung daran zu knüpfen. Einige Beamte des hiesigen Tempels haben jüngst bei Gelegenheit einer Probe im GotteShause Cigarren geraucht und ein Benehmen an den Tag gelegt, daS für einen «np aip» nicht paßt. Meiner unmaßgeblichen Ansicht nach rührt dies daher, weil bis jetzt die Seele des Tempels, der Prediger, fehlt. Die Herren, die den Tempel erbaut haben, besitzen wohl den besten Willen; aber sie find Kaufleute 172-12!? raia nr irmb nn und der Tempel bleibt dem untergeordneten Personale überlassen. Mögen doch die Herren bald einen kühnen Griff machen und einen tüchtigen Menschen wählen, der zu Hoffnungen berechtigt. Alles in Allem findet sich nicht häufig. Celebritaten wachsen nicht wie die Brombeeren. Prag, 8. Januar. (Privatmitth.) Die Gemeinde hat durch das Hinscheiden des Herrn vr. Fische! einen großen Verlust erlitten. Derselbe war als Mensch, als Freund der jüdischen Wissenschaft und des gemäßigten Fortschrittes gleich ausgezeichnet. Er war Einer der Thätigften bei der Gründung des hiefigen Tempels, dem er, wie der Gemeinde überhaupt, zur Zierde gereichte. Mit Dr. Zunz, der bekanntlich der erste Geistliche am hiesigen Tempel war, pflog er intime Freundschaft bis an sein Ende. Ohne seine Munificenz hätte Rapoport den ersten Theil seines Erech millin nicht herausgeben können. Eine ähnliche Förderung hatte der Verblichene bereits auch für einen andern hiesigen Gelehrten behufs der Herausgabe eines jüdisch-wissenschaftlichen Werkes in deutscher Zunge beschlossen. — Die Theilnahme, die sich beim Leichenzuge zeigte, war eine außerordentliche. Ruhe und Friede seiner Asche! — Pesth, 26. Januar. (Privatmitth.) Wer von der Opferwilligkeit einer israelitischen Gemeinde einen Begriff haben will, der mache einen Ausflug nach Szeged in, und widme den Zuständen der dortigen israelitischen CultuSgemeinde seine Aufmerksamkeit. Er wird bekennen, daß diese Bereitwilligkeit, zu geben und zu schenken, nicht überall einheimisch sei. Erst vor Kurzem hat der Gemeindevorstand beschlossen, die Gemeinde auf ewige Zeiten zur Erhaltung einer Knaben - und Töchterschule zu verpflichten, deren SustentationSkosten sich jährlich auf mindestens 4000 Fl. B. V. belaufen. Nun ist aber diese Schule aus keinerlei Weise fundirt; die Einkommensquellen derselben sind Schulgelder und fteiwillige Spenden. Sie können hieraus ermessen, welches Vertrauen die Gemeinde in sich selbst setzt, wenn sie diese Quellen für unversiegbar hält. Bemerken Sie hiezu, daß, wenn man die Zahl der jüdischen Familien in Szegedin auf 400 anschlägt, 6

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