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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-02-05 · Heft 6 (5.2.1855) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 6 (5.2.1855)
Date
1855-02-05
Page
Seite 69 (sequence 7)
Language
German
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69 gang möglich zu machen, daß folglich die Cortes den Paragraphen annehmen werden. Der Paragraph besagt, daß weder Spanier, noch Ausländer wegen seiner religiösen Ueberzeugung verfolgt, ja nur belästigt werden darf. Es fragt sich hier nun, ob auch Ausländer, welche einer nicht katholischen Confesfion angehören, also Juden und Protestanten, Spanier werden dürfen, in Spanien sich Niederlagen können. Es ist nun unsre Absicht, sobald dieser Paragraph des Derfassungsentwurfes von den Cortes votirt ist, sowie die Verhandlungen über unser, bekanntlich von den Cortes einer Commission zur Begutachtung übergebenes Memoire vorüber sind, sobald aus den letzteren nicht eine besondere, genauere Bestimmung hcrvorgegangen sein würde, von Seiten des Ministeriums Ihrer Majestät der Königin von Spanien eine authentische Interpretation hervorzurufen, und glauben hiermit unsrem Ziele einen Schritt näher zu kommen. Das Jüdische Schulwesen in Preußen. Indem wir nun dem Termine nahe kommen, welchen wir für die Einsendung von Vollmachten festzestellt halten, bemerken wir, daß zusammen 127 Vollmachten eingelaufen find, wovon 18 Rabbinen angehören. Wir heben hervor, daß aus der ganzen Provinz Posen, mit Ausnahme dreier Rabbinen, dreier Schulvorstände und dreier Lehrer, gar keine Vollmacht eingelaufen. Wir wollen nicht behaupten, daß, da die jüdischen Lehrer im Großherzogthum Posen definitiv angcstellt find, der gedachte Umstand auf die völlige Gleichgültigkeit dieser Lehrer für das Schicksal ihrer Srandesgenoffcn in den übrigen Provinzen schließen lasse. Vielmehr wird wohl die Voraussetzung daran Schuld sein, daß sie nicht fordern können, was sie schon besitzen. Jedenfalls befanden sie sich hierbei im Jrrthum, da einerseits die definitive Stellung der Lehrer nur einen Punkt deS zu Erstrebenden ausmacht, andrerseits auch in den Gemeinden des Großherzogthums, in welchen keine jüdischen Elementarschulen bestehen, eine Regulirung des Religionsunterrichtes wohl zu erzielen ist. Im Uebrigen ist es erfreulich zu ersehen, wie zahlreich der intelligente Theil des jüdischen Lehrerstandes in Preußen ist. ES ist interessant, die mit geringer Ausnahme wohlstylisirten Briefe zu durchlesen, und konnte dies nur die Ueberzeugung fördern, daß mit der Sicherstellung so vieler würdiger Personen das jüdische Unterrichtswesen in Preußen einem großen Aufschwünge entgegengehen würde. Wir können sagen, daß der jüdische Lehrerstand in Preußen sich in den letzten zwei Decennien zu einem großen Theile wahrhaft verjüngt hat. DaS Gesuch geht nun aufs Baldigste ab, und werden wir später Gelegenheit nehmen, es in seinem Wortlaute mitzutheilen. Auch jetzt schon danken wir für daS ehrenvolle Vertrauen, das uns zu Theil geworden, und welches wir fiir unser edelstes Befitzthum erachten. Aphorismen. Wir haben jüngst, wie eine Anzeige in diesen Blättern bekundete, eine gut dotirte Hofmeisterstelle in Wien zu besetzen gehabt. Es find nicht weniger als 29 Bewerbungen darum eingelaufen, aus Belgien, der Schweiz, Deutschland und besonders Preußen; es waren Doctoren, Candidatcn und Studenten, es waren Juristen, Mediciner und Philologen darunter; ja, es befand sich sogar ein Familienvater unter ihnen, welcher seine karge Stelle verlassen und seiner wackeren Hausfrau die Sorge für die Erziehung seiner Kinder anvertrauen wollte. Mit welcher Wehmuth erfüllte uns dies! So viele bedeutende Kräfte, auf Gymnasien und Universitäten ausgebildet, unter mühevollen Anstrengungen, großen Entbehrungen und täuschenden Erwartungen erworben, liegen unter uns brach und gehen selbst nach einem beschränkten Wirkungskreise betteln! Welch beklagenswcrther Zustand, und wodurch am meisten hervorgeruftn? Dadurch, daß man vor wenigen Jahren in Verfassungen und Gesetzen den Juden die Pforten zu öffentlichen und wissenschaftlichen Lebensbahnen geöffnet, dann aber dieselben vollständig wieder geschlossen hat... Wohl hatten wir in diesen Blättern in den Jahren 1848 und 1849 die Rolle der Cassandra zu spielen — aber eben so wenig ward auf unsre Stimme gehört, und das Nebel ist nun für viele wackere junge Männer da! Wir haben in Nr. 4 einige Stellen aus dem Vorwort des Herrn Vicepräsidenten vr. Schaab zu seiner, des 94jährigen Greises würdiger und tüchtiger Schrift „Diplomatische Geschichte der Juden in Mainz" angeführt, welche in einer seltenen Weise die höhere Bedeu-

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