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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-01-29 · Heft 5 (29.1.1855) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 5 (29.1.1855)
Date
1855-01-29
Page
Seite 60 (sequence 10)
Language
German
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60 man sich zuletzt doch dahin geeinigt, auch in Betreff des Predigers einen ConcourS auszuschreiben. Correspondenz. vr. Lilieuthal's Aufenthalt in Rußland. IV. New-Aork. Es ist eine schöne, glänzende und majestätische Hauptstadt, dieses St. Petersburg! Der Isaaksplatz mit den großen Standbildern Peters I. und Aleranders I.» umgeben von dem^Winterpalast, dem kaiserlichen Wohnsitz, von der ungeheuren Admiralität, dem römisch gebauten Senat und der Synode, der byzantinischen Kirche von St. Isaak, den Palästen des Stabes und des Ministeriums des Innern, dem maritimen Zeughaus und anderen schönen Gebäuden, wodurch er vielleicht jedem anderen Platze in Europa voransteht, ausgenommen dem klsee de la Concorde in Paris. Der Newski-perspect mit seinen außerordentlich reichen Kirchen, eleganten Theatern, Ministerwohnungen, kaiserlichen Palästen, unendlichen Bazars, reichen Wohnhäusern bildet eine Linie von bezaubernder Schönheit, und da jeder Thcil der Stadt dorthin führt, so ist er immer mit Wagen und fürstlichen Equipagen erfüllt. Der Fluß Newa an der Ostseite der Stadt ist auf beiden Seiten von den glänzenden Wohnungen der fremden Gesandten, von dem kaiserlichen Museum, den Akademien für Künste und Wissenschaften und der kaiserlichen Börse begleitet; Canäle durchziehen die ganze Stadt, sorgen für ihre Reinlichkeit und find von Tausenden von russischen Kähnen bedeckt. Auf Allem ruht der Strahl russischer Majestät und russischen Reichthums und Alles ruft: dies ist die kaiserliche Residenz der russischen Czaren! Und aus dieser Stadt ist der Jude verbannt, in dieser Hauptstadt zu leben hat kein Jude das Recht, die einzige Hauptstadt (Madrid und Neapel ausgenommen) in dem ganzen civilifirten Europa, von der der Jude noch im neunzehnten Jahrhundert verbannt ist! Unter der Regierung des letzten Kaisers, Aleranders I.» war den Juden erlaubt, in Petersburg zu leben, obgleich nach dem russischen Gesetze die Juden nur ein Recht haben, in den Provinzen zu leben, welche einst zu dem polnischen Reiche gehörten und in einigen südruffischen. Während des russischen Feldzuges Napoleons im Jahre 1812 haben sich die Juden so unendlich nützlich dem kaiserlichen Hause Romanoff gemacht, haben den russischen Armeen so bedeutende Dienste erwiesen, haben eine so feste Treue für die Sache Rußlands gezeigt, daß Alexander mit bekannter Menschenfteundlichkeit ihre Dienste nicht mit Undank zahlen konnte. Nach dem Kriege drückte er in einem öffentlichen Ukas aus, wie sehr er ihnen Dank schulde, nannte sie „das wachsame Auge der Regierung," und erlaubte ihnen sogar, eine Colonie für Landwirthschaft nahe der Hauptstadt zu gründen, eine Gelegenheit, welche die Juden zu ihrem Unglück nicht benutzten. Denn hätten sie sich dort unter dem Auge des Czaren wie thätigc und arbeitsame Landleute festgesetzt, so würde ein großer Theil der Beschuldigungen der Faulheit, die gegen sie erhoben, sich selbst widerlegt haben. Nichts desto weniger beunruhigte er sie nie, so lange er lebte, und der Gcneralcommandant der Hauptstadt, Graf Milcradowitsch, folgte stets dem edeln Beispiel seines Herrn. Er hatte mit Verdienst in dem ftanzöfischen Kriege gedient und eine Menge Orden erworben. Wenn jüdische Kausteure ihm ihre Pässe vorlegten, und um die Erlaubniß, in Petersburg zu bleiben, baten, und die umgebenden Generale seines Stabes es ihm in Erinnerung brachten, daß cs gegen das Gesetz sei, so antwortete er ernst: „Meine Herren, diese Männer find die treuesten Unterthanen Seiner Majestät, ohne den Beistand dieses Volkes würde ich niemals die Franzosen geschlagen oder die Orden gewonnen haben, welche meine Brust schmücken." Und er hatte vollkommen Recht; denn Napoleon, welcher wohl diesen Geist der Treue kannte, mußte bei seiner Flucht aus Rußland in einem kleinen jüdischen Dorfe Halt machen; ängstlich, daß die Juden den Weg, den er genommen, den verfolgenden Russen angeben würden, befahl er, sie in der Synagoge zu versammeln, und verlangte, daß sie bei der Thora schwören sollten, daß, wenn er den Weg nach N.... nähme, sie es den Kosacken, welche seiner Spur folgten, nicht verrathen wollten. Die Juden schworen; aber Napoleon schöpfte nichts desto weniger Verdacht, nahm einen andern Weg, und sein Argwohn war sehr begründet, denn die Juden zeigten sogleich an, daß er auf dem Wege nach N.... wäre. Alexander und Milcradowitsch wußten diese Treue zu schätzen, und als am Laubhüttenfest der Polizeipräsident sich über die Illuminationen des Succorh beklagte, befahl der General, daß die Lichter in vierzehn Tagen weggcbracht werden müßten. Aber mit Nicolaus' Thronbesteigung trat ein Wechsel

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