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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-01-29 · Heft 5 (29.1.1855) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 5 (29.1.1855)
Date
1855-01-29
Page
Seite 58 (sequence 8)
Language
German
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58 ten, die nicht von Dauer ist. — Doch mag eS fast a!S Trost gelten, wenn man steht, daß eS auch in andern Staaten nicht anders auSfieht und daß anderwärts früher Gehofftes, Verheißenes oder gar schon Gewährtes wieder entzogen wird. Zn einem Punkt jedoch mögen wir in Bayern noch immer zufrieden sein, wenn wir ihn mit Preußen vergleichen, daß wenigstens die CultuSverhältnisse längst geordnet sind, während, wie wir Ln Ihren jüngsten Leitartikeln gelesen haben, dort die Verhältnisse der Rabbiner und Lehrer in ewig precärem Zustande schweben, und besonders die Lehrer in wahrhaft peinlicher, ungewisser Lage und der unsichersten Zukunft sich hingegeben sehen. Diesem Uebelstande ist in Bayern gründlich dadurch begegnet, daß sowohl Rabbiner wie Lehrer, wenn einmal von der Gemeinde gewählt und von der Regierung bestätigt, für immer in ihrem Amte verbleiben, wenn sie nicht freiwillig ihre Stelle verlassen wollen. ES hat dies sein vielfach Gutes, weil dadurch der Cultusbeamte (und die Lehrer find fast ohne Ausnahme zugleich Vorbeter, — dürfen aber nicht Schächter sein, —) mit weit mehr Sicherheit und Liebe seine Stelle bekleidet und seine Pflicht erfüllt, und durch die Länge der Zeit auch zugleich mit seiner Gemeinde gleichsam innig verwächst; und sind auch die Verhältnisse der Rabbiner und Lehrer gerade keine glänzenden zu nennen, (besonders entvölkert die ununterbrochene Auswanderung nach Amerika von Jahr zu Jahr die jüdischen Gemeinden mehr und mehr) so bleibt doch jedesfalls die Stelle eine feste, und ist nicht einer fortwährenden Kündigung nach den Launen der Gemeinden ausgesetzt. — So ist es nichts Seltenes, daß Lehrer das volle, unbedingte Vertrauen ihrer Gemeinden sich in dem Grade erworben haben, daß ohne sie nichts in der Gemeinde verhandelt wird und daß man gern Rath und That bei ihnen sich erholt; jedesfalls aber zeigt sich die erfreuliche Erscheinung fast durchgehend-, daß der Lehrerstand innerhalb der jüdischen Gemeinden ein durchaus geachteter, ehrenvoller, — nicht wie anderwärts, ein vielfach herabgedrückter ist, weil der Lehrer, durch Seminarbildung gehoben (denn in Bayern kann kein Lehrer eine Stelle bekleiden, welcher nicht — mit höchst seltenen Ausnahmen — im Seminar seine Ausbildung erhalten hat), zum gebildeten Stande gehört, vor welchem der Israelit überall seine Achtung zeigt. — Gestatten Sie mir, verehrtester Herr Redakteur, ein Beispiel eines solch schönen Verhältnisses zwischen Gemeinde und Lehrer hier anzuführen, und einem mir befreundeten Lehrer, der daS Zeitliche verlassen, eine freundliche Erinnerung zu widmen. ES war dies der selige Lehrer 8. Adler in der Gemeinde Bischberg (eine Stunde von Bamberg). Derselbe war durch eine sehr lange Reihe von Jahren Religionslehrer in derselben Gemeinde und hatte durch seinen höchst biederen, offenen und redlichen Charakter, durch seine ungeheuchelte Frömmigkeit und durch sein kluges Wesen, gepaart mit wahrer Menschenfreundlichkeit, die Liebe seiner ganzen Gemeinde in so hohem Grade gewonnen, daß sie ihn wie einen Vater liebte, und nur was Adler in der Gemeinde gut hieß oder anrieth, das geschah. Da er durch längere Krankheit seinem Amte vorzustehen verhindert war, nahm die Gemeinde einen Verwandten desselben als Gehülfen an, der nach seinem Tode ihm im Amte gefolgt ist. ES ist dies Herr Lehrer S. Fränkel, welcher ebenfalls schon die Achtung der Gemeinde besitzt, und durch Fleiß und Eifer, wie auch jüngst bei der Einsegnung eines Knaben bewies, daß er tüchtig in seinem Fache sei. — Möge er in den Fußtapfen seines seligen Vorgängers wandeln, und das Vertrauen und die Liebe der Gemeinde wird auch sein Lohn sein. — JedeSfallS aber hebt den jüdischen Beamten in Bayern das Bewußtsein, daß er eine feste Stelle hat, die ihm wenigstens die Zukunft sichert.- In Bamberg wurde im Herbste v. I. eine neue, sehr schöne Synagoge eingeweihet und auch ein neuer Vorsänger, Herr Ottenstein, (da der frühere resignirte) ausgenommen, der zugleich Religionslehrer ist; derselbe hatte in früheren Jahren am Bamberger Seminarseine Ausbildung erhalten; man hat allen Grund, mit der Acquifilion zufrieden zu sein. Der greise, würdige Hr. Rosenfeld leitet die Gemeinde noch immer als Rabbiner, und derselbe hat bei der jüngsten Trauerfeierlichkeit für die selige Königin Therese eine Rede voll Kern und Kraft gehalten, die auch im Drucke erschienen ist. — Preußen. Berlin, im Januar. Das Königl. Ober-Tribunal hat durch Erkenntniß in Betreff der Rechtsverhältnisse derJudengemeinden ausgesprochen, daß

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