Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1855)
- Date
- 1855-01-29
- Page
- Seite 57 (sequence 7)
- Language
- German
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57 einen sehr schätzbaren Beitrag zur Geschichte seiner Gemeinden. Hat er sich bis dahin als Redner durch einen Würdigen, blühenden, gedankenreichen Vortrag die Achtung seiner Mitbürger zu eigen gemacht, so bietet er ihnen nun auch eine Probe seiner literarischen Thätigkeit, die mit dem Ernste der Forschung und der Gründlichkeit des Wissens eine klare, leichte und anmuthige Darstellung vereinigt. Die von Herrn vr. Lewysohn gesammelten Epitaphien beginnen mit dem Jahre 305 *) und reichen bis in die Gegenwart hinein. Den Epitaphien der hervorragenden Persönlichkeiten hat er biographische Skizzen beigegeben, die schwierigen Stellen übersetzt und erläutert. Er ist dabei mit seiner fleißigen, selbstständigen und scharfen Kritik überall auf die Quellen zurückgegangen und hat einige derselben zuerst für die geschichtliche Forschung aufgeschlossen. Mit gespannter Erwartung sehen wir seinen ferneren Leistungen auf diesem Gebiete entgegen." — Indem Ref. noch mitrheilt, daß Herr vr. Lewysohn gegenwärtig an einer „Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Worms" arbeitet, bittet er in dem Referat Nr. 2 d. Bl. Oppenheim für Ossenheim lesen zu wollen. Aus Württemberg, im December. lPrivatmitth. Verspätet.) So eben ist der Rechenschaftsbericht unserer Waisen-Anstalt, Wilhelmspflege in Eßlingen, ausgegeben worden. Was wir vermutheten, was wir befürchteten, daß dieselbe unter dem Druck der Zeit und der Noth der Theucrung zu leiden haben werde, daS ist eingetroffen. So erfreulich die Ergebnisse dieser wohlthätigen Anstalt sind, die schon viele Kinder mosaischen Glaubens dem materiellen und noch mehr dem sittlichen Elend entrissen und für eine bessere Zukunft vorbereitet hat, so betrübend erscheint es, wenn man aus dem Bericht erfahren muß, daß dieselbe in Folge der Theuerung manche Einbuße erlitten, so daß sie zu den jährlichen laufenden Ausgaben der Oekonomie von den Capitalien zusetzen und demnach einzehren mußte. Nachdem über diese precären Zustände Bericht erstattet und darüber geklagt ist, daß manche Gemeinde nicht diejenige Opfer- Willigkeit an den Tag lege, die man bei den Leistungen des Instituts von ihnen voraussetzen zu dürfen *) Soll heißen 905; aber auch diese Zahl ist ungenau, da o-in im Epitaph Rr. 1. 900 beträgt. Ref. meinen sollte, fährt der Bericht fort: „Für wie manchen Klageruf verwittweter Mütter, die verzweifelnd uns ihre Kleinen entgegenbieten, daß wir sie aus dem Elend verkümmernder Armuth erlösen möchten, haben wir keine Antwort, keinen Trost; wie manchem unglücklichen Kind, das nach unserer Hand verlangt, damit sie es rettend vorüberleite an dem vor ihm gähnenden Abgrund der Verwahrlosung, müssen wir sie verweigern, weil die unzulänglichen Kräfte des Vereins es dem Ausschuß verwehren, die Pforten der Wilhelmspflege allen, die ungestüm an dieselben Pocken, zu öffnen. Mit schwerem Herzen und innerem Widerstreben versagen wir unsere Hülse, weil wir in so vielen Fällen dadurch ein jugendliches Menschenwesen einem harten Loose preisgegeben sehen und in der Abweisung gar oft die Verdammniß eines unglücklichen Kindes zur Unbrauchbarkeit fürs ganze Leben ausgesprochen scheint." Indem wir der Anstalt den besten Erfolg von der vorzunehmenden außerordentlichen Sammlung von Beiträgen von Nah und Fern wünschen, können wir nicht umhin, derselben auch dazu zu gratuliren, daß die neue Wahl eines Vorstandes, an Stelle des vor bald zwei Jahren verstorbenen vr. Dreifuß, auf einen Manu gefallen ist, der seinen Vorgänger wo möglich sowohl an Liebe zur Anstalt wie an Energie für ihr Interesse noch übertriffr. Herr Adolph Levi widmet der Anstalt Zeit, Mühe und eine unausgesetzte Aufmerksamkeit, und ist für diese heilige Sache, wie er sie selbst nennt, so eingenommen, daß zu hoffen ist, das Institut werde gleich einem bescheidenen Schiff, unter der sichern und kräftigen wie verständigen Leitung seines Meisters, aus den Klippen und drohenden Wogen einer hartbedrängten Gegenwart gerettet, daS vorgesteckle Ziel erreichen. W. Bamberg, 15. Januar. (Privatmitth.) Ihre Correspondenten auS Bayern haben Ihnen nicht viel zu berichten, und in ihren Berichten klingt überall der Grundton durch, daß, so lange das Gesetz vom 10. Juni 1813 Norm für die Verhältnisse der Juden bleibt, zu einer bessern Gestaltung derselben wenig Aussicht sich darbietet. Dieses Gesetz hat sich in der That „als ewige Krankheit fortgeerbt, und schleppt sich von Geschlecht zu Geschlecht;" und wenn hie und da und zeitweilig auch ein Mal eine Erleichterung eintritt, so ist diese immer als Ausnahme zu betrach-