Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1855)
- Date
- 1855-01-29
- Page
- Seite 56 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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56 derselbe den dem Verstorbenen im hohen Grade eigenen edlen Zug liebender Duldung und Freundlichkeit gegen Andersdenkende auf dem Gebiete religiöser Ueberzeugung mit Zugrundelegung der auf die Bedeutung jenes Tages (den 10. Thebet) paffenden Prophetenstelle Secharia 8, 19 in begeisterter Rede besonders hervorhob. Schließlich halten wir noch die Thatsache der Mittheilung und der öffentlichen Verbreitung werth, daß der Verstorbene mittelst mündlichen festen Willens ausdrücklich verordnete, daß derselbe nicht vor Ablauf von 48 Stunden nach seinem Ableben (der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit) beerdigt werden dürfe. Eine ähnliche Bestimmung hatte auch der im Jahre 1837 verstorbene rühmlichst bekannte Ascher Löw zu Karlsruhe getroffen, am-nns-a!anpa laaiT möchten wir wünschen. Möge das belehrende Wort des eigenen Beispiels, das auS den Gräbern dieser beiden als streng orthodox und talmudgelehrt rühmlichst bekannten Rabbinen der ältern Zeit hervortönt, von nachhaltigem belehrendem Einflüsse fein zur endlichen allseitigen Abstellung deS hier und da noch, und zwar als ein Erzeugniß vermeintlicher Orthodoxie, in Israel herrschenden Mißbrauchs eines ungebührlichen Drängens auf Beerdigung Verstorbener vor Ablauf der gesetzlichen Frist'. Worms, im Januar. (Privatmitth.) Von den hiesigen Fabrikanten werden auch zwei Israeliten, die Herren Melas und Gernsheim, ihre Lederfabrikate zur Industrieausstellung nach Paris senden. — Es ist so eben ein Werkchen sehr interessanten Inhalts erschienen, betitelt: Anderson. Ein Johannis-Festspiel. Von Moritz Zille (Leipzig 1855, 16°). Obwohl daS Werkchen für die Brüder der Freimaurerei geschrieben ist, verdient doch sein Inhalt, verbreitet zu werden; eS ist eine Stimme der Liebe und Toleranz in der Wüste der materiellen und indifferenten Gegenwart.-Die Augsburger Allgemeine Zeitung berichtete jüngst von dem Ueberlritt des Di*. Theodor Creizenach in Frankfurt a. M. zum Christenlhum; bei dieser Nachricht konnte sich Res. nicht enthalten, den „stenographischen Bericht der Verhandlungen über eine deutsche Nationalkirche im Montagskränzchen zu Frankfurt a. M." hervorzusuchen. Damals — 1848 — sprach auch Creizenach öffentlich und einige Stellen aus seinem Vorträge mögen hier wiederholt werden. Nachdem Creizenach mit aller Begeisterung über den Stifter der christlichen Religion gesprochen, alsdann auch dem Jndifferentismus, nota bene dem durch eigene Reflexion und Forschung gewonnenen JndifferentiSmuS, eine Lobrede gehalten hatte, sagte er: „Ach, wären wir so weit, daß alle Menschen auf diese Art in religiöser Hinsicht zur Indifferenz gelangt wären, dann käme das Gottesreich." — Er sagte ferner: „Freier Glaube, aber kein Symbolum! Schön und ehrenvoll ist es, wenn Einer die holde Wärme der Jugend sich auch in reiferen Jahren erhält, wenn er sie trotz aller Quälerei in trüben Zeiten sich bewahrt hat." — Man sieht, wie die Zeit, und in ihr der Mensch in fünf winzigen Lebensjahren sich ändern können. Der JndifferentiSmuS des Herrn Creizenach führte denn doch zu einer Religion, die unendlich mehr Symbol« als das Judenthum hat; die Quälerei und die trüben Zeiten haben denn doch die Wärme der Jugend nicht bewahren lassen*). — Du aber, glaubenstreuer Lehrer, sollst einsehen, wohin endlich der religiöse JndifferentismuS führt; täusche Dich nicht durch paradoxen Witz, daß der Jude zwar nicht gut, aber auch nicht schlecht sei, denn er ist nur eine Zeit lang die haargleiche Waage, bald aber schnellt ein einziger Hauch die eine Schale in die Höhe, die andere in die Tiefe: wer nicht für seine Religion ist, ist schon gegen dieselbe. — Wie Res. vernommen, beschäftigt sich jetzt Herr Dr. Jellinek in Leipzig mit einer wissenschaftlichen Herausgabe des Werkes msm des Saadja und mit dem 3. Theil seines «-narr na. — Ein hiesiger Gymnasiallehrer, der in der literarischen Welt bekannte vr. Zimmermann, bespricht in der „Wormser Zeitung" die neueste Schrift deS Herrn Dr. Lewysohn; der Schluß der Recension lautet: „Indem Herr Dr. Lewysohn in einer so eben erschienenen Schrift 60 Epitaphien des hiesigen israelitischen Friedhofes veröffentlicht und mit seinen Erläuterungen begleitet, so liefert er, dem edeln Gefühle der Pietät gehorchend, *) Herr Theodor Creizenach war unsrer Meinung nach niemals indifferent, sondern stets ein Feind seiner väterlichen Religion. Was war bei der Stiftung des sogenannten Reformvercins in Frankflirt weiter seine Absicht, als die Auflösung des Judenthums? Herr Theodor Creizenach hat überall sich versucht, in Poesie, Literatur, Politik, Theologie, und stets den Stümper gezeigt — außer im Schwätzen — da ist er ein Meister'. Redact.