Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-01-29 · Heft 5 (29.1.1855) · p. Seite 55

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 5 (29.1.1855)
Date
1855-01-29
Page
Seite 55 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225931-3225937--14373-3300005
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

55 dem recufirt und sogleich wieder remittirt wurde. — Um nun diesem Gerüchte, vaS aller Wahrheit entbehrt, zu begegnen, und unS vor ähnlichen auf dieses Factum sich möglicherweise stützenden Vorkommnissen zu verwahren, erklären wir, daß wir unsrerseits niemals die Ucbersendung eines E3 durch die Post für statthaft erklärt haben, und überlassen hiermit die Handlungsweise des RabbinatS- Collegiums in New-Jork dem öffentlichen Urtheile. H. Schwarz, Rabbiner in Hürben. A. Wälder, Rabbiner in Laupheim. Jeßnitz (in Anhalt), im Dccember. (Privatmitth. Verspätet.) Am 2. November starb hier in einem Alter von 27 Jahren der königliche Techniker der Centralstelle im Ministerium für Handel und Gewerbe zu Stuttgart, Jacob Sonnenthal. Als Knabe von 14 Jahren wurde er von seinen achtbaren Eltern bei einem hiesigen Webermeister in die Lehre gegeben, in welcher Zeit derselbe schon bei einer schwachen Körperconstitution große Geistesanlagen zeigte. Nach bestandener Lehrzeit wanderte er nach Berlin, vervollkommnet sich dort in der Seidenweberei und im Zeichnen auf der königlichen Akademie. Die große Weltausstellung zu London, wo er auf eigne Kosten hingereist, legte den Grund zu seiner hohen Stellung, die er später einnahm. Durch sein gediegenes Urtheil, welches er dort im Kreise von Fach- und gelehrten Männern abgab, wurde er dem Herm von Viebahn empfohlen und darauf von demselben als Berichterstatter angestellt. Später erfolgte nach langem Kampfe, da man einen Religionswechsel, den er mit aller Kraft und Entschiedenheit zurückwies, durchaus verlangte, seine Anstellung in Stuttgart. In kurzer Zeit erwarb er sich sowohl die Zufriedenheit und Achtung des hohen Ministeriums, so wie die Liebe seiner Untergebenen. Somit war er der Stolz seiner Eltern und die Zierde unsrer Gemeinde. Die hohen Festtage verlebte er hier im elterlichen Hause und erbaute sich im Gotteshause, das er fleißig besuchte. Auf einer solchen Reise von hier zog er sich eine Erkältung zu, kehrte schnell in die Arme der Eltern zurück, wo denn sein schwacher, angestrengter Körper nach kurzem Leiden dem Tode erlag. Selten hat hier der Tod eines Mannes so viel Theilnahme und Beileid erzeugt, als in diesem Falle. — In seiner Sterbestunde schrieb er noch mehre Briefe an seine Freunde, verfaßte seine Todesanzeige, betete die Widde, nahm von seinen Eltern mit den Worten Abschied: Früher oder später ist der Tod unS bestimmt und das Wiedersehen unausbleiblich. So verschied er in den Armen seiner einzigen Schwester. Seinem Leichenzuge folgte die ganze Gemeinde, die sämmtliche Weberinnung und viele achtbare Bürger der Stadt. Während die Leiche der Gruft übergeben wurde, waren alle Gewölbe der hiesigen Gemeinde- Mitglieder geschlossen. Friede seiner Asche! — Aus dem Badischen, im Januar. (Privatmitth.) Am 28. December v. I. starb der Nestor der badischen Rabbinen, Bezirksrabbiner Beith Flehinger in Bretten. Mit ihm ging der letzte der badischen Rabbinen zu Grabe, welche, ohne geordnete Universitäts-Studien gemacht zu haben, als Rabbinen in Baden fungirten. Er bekleidete seine Stelle während einer Reihe von 48 Jahren bis zu seinem Lebensende bei fortwährend ungetrübter noch rüstiger Geisteskraft, sowie bei ungestörtem Gebrauche seiner äußern Sinne, mit Ausnahme des Gehörsinnes, welchen er seit einiger Zeit allmälig ganz verloren Halle. Der Entschlafene hatte sich zwar mittelst eines mündlichen letzten Willens eine allzurühmende Anerkennung und Preisung seiner Verdienste nach seinem einstigen Ableben verbeten. Trotzdem konnten eS die bei seiner am 31. v. M. unter zahlreicher Theilnahme seiner Rabbinats-Angehörigen stattgehablen Beerdigung anwesenden Amtsbrüder desselben, unter welchen drei seine Schwiegersöhne waren, sich nicht versagen, ihm Worte der Verehrung und des Nachruhms nachzurufen. So hielten dessen Schwiegersöhne Rabbiner Grünwald von Freudenthal, Rabbiner Wälder von Laupheim, ClauSrabbiner Ettling er von Mannheim, sowie OberrathSsecretair Alrmann von Karlsruhe, IheilS im Sterbehause vor Abgang der Leiche, theils vor der Stadt, ehe dieselbe auf den 2'/- Stunde entfernt liegenden Kirchhof verbracht wurde, theils auf dem Friedhofe selbst passende Reden. Da die Zeit bereilS zu sehr vorgerückt war, so war es dem ebenfalls anwesenden Stadt- und Bezirks-Rabbiner B. Millstätter von Karlsruhe aus der Friedhof-Ställe nicht mehr möglich, ebenfalls zu sprechen, weshalb derselbe nach Rückkehr der Leichenbegleitung nach Breiten im Hause des Verstorbenen demselben noch einige Worie der Hochachtung und Anerkennung weihte, in welchen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.