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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-01-29 · Heft 5 (29.1.1855) · p. Seite 53

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 5 (29.1.1855)
Date
1855-01-29
Page
Seite 53 (sequence 3)
Language
German
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53 und glanzend in die Erscheinung treten zu lassen. Ihr ist die Umgestaltung des Cultus die Hauptsache. Ohne Gefühl für die Majestät des Alterthums, ohne Bewußtsein, daß die Religion diesen Nimbus nicht entbehren könne, um auf die Gemüther zu wirken, will sie so viel wie möglich die alten Formen des Cultus verdrängen und durch moderne Künste ersetzen. Es waren einige Jahre, in welchen diese Richtung eine vorherrschende war, aber die Stürme der letzten Zeit haben fie als nichtig und Haltungslos bloßgestellt, und daher ihre Existenz sehr verkümmert. Begnügen wir uns heute mit dieser Skizzirung, deren einzelne Partien mit stärkerer Färbung zu versehen, sich oft genug Veranlassung finden wird. Wer Wiedereintritt der Joden in Spanien. In der Cortes-Sitzung vom 13. Januar wurde die von der Verfassungs-Commission entworfene Grundlage der Verfassung verlesen. In derselben heißt es: „Die Nation verpflichtet sich, den Cultus und die Diener der katholischen Religion zu unterhalten und zu beschützen, aber kein Spanier und kein Ausländer kann wegen seines religiösen Glaubens irgendwie belästigt werden-, falls er nicht öffentlich durch seine Handlungen die Religion beleidigt. Wenn die Cortes diesen Paragraphen annehmen, so ist der erste Schritt geschehen, von welchem aus die weiteren durch beharrliches Verfolgen nicht ausbleiben können. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, im Januar. Endlich wieder einmal eine günstige Nachricht für uns aus einem deutschem Lande! Während die Kammer und das Ministerium Württembergs den Juden activeS und passives Wahlrecht genommen, hat diebayer'fche Kammer einen solchen Paragraphen aus dem betreffenden neuen Wahlgesetz gestrichen. Schon in der allgemeinen Debatte wurde Kräftiges gesprochen, namentlich hielt der Abgeordnete Dr. Morgenstern (Jude) eine interessante Rede. Indem wir diese, so wie ausführlichem Bericht mitzutheilen gedenken, folge hier eine kurze Uebersicht. Freiherr von Lerchenfeld trug aus Streichung des bezeichneten Paragraphen an. Dieser sagt: „Diese Ziffer sei eine Consequenz dessen, was man christlichen Staat zu nennen pflege. Der Ausdruck „christlicher Staat" habe ihm immer etwas AnwidemdeS. Er nenne DaS eine Profanation und eine Anmaßung. Man möge christlich handeln, ob die Handlungen aber christlich seien, möge ein höheres Wesen beurtheilen. DaS Christenthum bestehe nicht darin, daß man sich als Christen erkläre, sondem als Christ handele, der christliche Staat sei nur da, wo Alle nach den Gmndsätzen des Evangeliums handeln; ob wir Dies thunbezweifle er. Die moderne Civilisation beruhe auf dem Christenthum und sei ohne dasselbe nicht denkbar. In so ferne seien alle civilisirten Staaten christlich. Wie verschieden sei die Auffassung Derer, welche sich Christen nennen, unter einander! Man frage die verschiedenen christlichen Glaubensbekenntnisse, man frage Individuen desselben Glaubensbekenntnisses. Welche verschiedene Auffassung werde man finden! Dieser Saal würde zu einer Kirchenversammlung und würde über Fragen entscheiden, deren Entscheidung uns nicht zustehe. Für ihn heiße die Frage: Sollen einige Juden, welche durch das Vertrauen ihrer christlichen Mitbürger in die Kammer berufen werden, zugelassen werden oder nicht? Man spreche von Radicalismus. Er sei Gegner deS RadicalismuS, er finde zwischen RadicaliSmus und Absolutismus das einzige Mittel in der constitutionellen Monarchie. Der RadicaliSmus zerstöre das Gleichgewicht. Darum sei ihm der radicale Jude wie der radicale Christ verhaßt, aber nicht als Jude. Nicht gus Jude sei dieser radical. Bei dem Juden sei der RadicaliSmus entschuldbar, der Druck habe ihn radical gemacht. DaS Judenlhum stehe mit dem Christenthum nicht in Widerspruch. Dadurch, daß einige Juden in der Kammer sitzen, werbe deren christlicher Charakter nicht geändert, die Juden könnten sich dem Einfluß der christlichen Ideen nicht entziehen. Sein Gesichtspunkt sei der der Religiosität. Jeder, der nicht religiös sei, müsse als der StaarS- Gesellschaft gefährlich betrachtet werden. Er billige den Satz, welcher über den Thoren des Congreßgebäudes zu Washington stehe: „Hier hat kein Gotteslästerer Eingang." Die Juden glaubten an einen Gott, an denselben wie wir. Man habe keinen Prüf-

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