Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1855)
- Date
- 1855-01-22
- Page
- Seite 46 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225936--14363-3299994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
46 Sehen Sie, mein theurer Freund, in dieser Sprache die Begeisterung der Vorsehung? Vor viertehalb Jahrhunderten war daS schöne, edle Spanien in der That eines der ersten Länder der Welt durch seine Literatur, durch seine Astronomen, durch seine orientalischen Sprachforscher, durch seine Wissenschaft in Mathematik und Arzneikunde, durch seine Industrie, durch seinen Ackerbau. Die großartigen Fabriken in Seidenzeugen, Waffen, Geschmeiden, Goldarbeiten machten ihm die ganze Welt tributär. Traurige. Verblendung, grausamer Jrrthum deS Mittelalters, ein Decret unseligen Angedenkens veranlaßt die Vertreibung mitten auS dem Schoße Spaniens aller seiner Ackerbautreibenden, aller seiner Industriellen, eines großen TheileS seiner Schriftsteller, seiner Astronomen, seiner Aerzte, seiner Philosophen und seiner Weisen. Ihr ehrenwerther Minister sagt Folgendes: „Drei Jahrhunderte der Unthätigkeit und des Elendes mußten die schreckliche Strafe dieses grausamen Selbstmordes einer Nation sein, die ihre Eingeweide mit eignen Händen zerriß." Das Blut, welches in Strömen von einem Ende der Halbinsel zum andern floß, mußte während dreier Jahrhunderte ein Hinderniß von Seiten der Vorsehung für die Entwickelung dieses großen Landes und für feine Gleichstellung in den Rang der übrigen Völker Europa'S sein. Der Augenblick der Versöhnung ist gekommen. Die balsamische Lust von Batica'S Himmel ist noch nicht von den letzten Abkömmlingen dieser auS dem Schoße Spaniens verbannten Kinder vergessen. Diese Race, die niemals eine Wohlthat vergessen, die immer die gaststeundliche Hand gesegnet und sie bis an'S Ende der Generationen segnen wird, hegt für Spanien eine kindliche Zuneigung und verlangt von dieser Mutter nur ein wenig Zärtlichkeit und freundliche Aufnahme, um ihr mit den durch Jahrhunderte gewachsenen Kräften das auf'S Hundertfache zurückzugeben, was sie durch ihre Entfernung verloren hat. Sie ist heftig erregt durch die Worte ihres edlen Ministers, durch die wahrhaft prophetischen Worte, die wie ein göttlicher Hauch alle Intelligenten berühren: „die neuen glücklichen Erfindungen wandeln die ganze Erde zu einer Familie um." Sie wird also endlich einen Platz am Herde finden, diese alte Trägerin der Religion, die von den jüngeren Geschlechtern zu sehr verachtet worden. Ihre mächtigen und vom Ewigen gesegneten Schaaren haben indessen der denkenden und civilifirten Welt alle ihre religiösen Wahrheiten, alle ihre Propheten, alle ihre Lehren von der göttlichen Barmherzigkeit und der religiösen Nächstenliebe gespendet. Werden diese Ueberreste, diese Trümmer des Hauses David eine freundliche und brüderliche Aufnahme, einen Schutz für ihr Haupt, eine befreundete Hand auf der Schwelle dieses herrlichen Landes finden? Während Jahrhunderten und abermals Jahrhunderten bewahrte diese geprüfte Nation, gegenüber den Lastern der Welt, den Veränderungen der Zeiten, den birtern Schmerzen der Verbannung und der Verfolgung die unauslöschliche Lehre der Humanität und der göttlichen Liebe; aber seien Sie dessen gewiß, verehrter Herr und Freund, diese schweren Jahrhunderte konnten ihr Haupt bleichen, ihren Körper schwächen; aber ihr Herz klopft noch voller großmüthiger Regungen; ihre Einsicht ist durch die Zeit gereist und gestärkt durch vier Jahrtausende der Schlachten und der Kämpfe; die Nächstenliebe ist noch immer eben so lebhaft; ich wünschte wohl, ich könnte Ihnen einen, wenn auch nur schwachen Wiederschein von dieser Liebe, wie sie in der Gesammtheit lebt, wiedergeben. Sie find jetzt im Stande, Ihren Namen für ewig unsterblich zu machen, wenn Sie denselben dem großen Acte des Fortschrittes, der Barmherzigkeit und der brüderlichen Gleichheit hinzufügen, welcher die Zeit der Unthätigkeit beschließen und in daS alte Vaterland Männer wieder zurückführen würde, welche sich glücklich fühlten, sich seinen anderen Söhnen zu verbinden, um beizutragen, ihm durch ihre energische Thätigkeit den Rang wiederzugeben, welchen es unter den Nationen Europa'S verloren hatte. Freundschaft und Ergebenheit Carvallo. Korfou. Kvrfou, im December. (Nach dem Educ. israel.) Seit undenklichen Zeiten hat es in Korfou Israeliten gegeben. Nach alten Documenten genossen sie ehemals dieselben Rechte und Privilegien, wie ihre christlichen Mitbürger. Nach dem Tode Karl III. wurde Korfou gezwungen, sich unter den Schutz der Republik Venedig zu begeben. Es wurde ein Comite für die