Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1855)
- Date
- 1855-01-22
- Page
- Seite 45 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 2× ep/1048048
- Tlemcen 1× ep/1048142
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45 großer Höflichkeit ausgenommen und auf dessen Ansuchen ließ man unverzüglich die israelitischen Gefangenen aus ihren Arbeitsstätten, damit sie sich in der Synagoge versammelten, wohin der Director das Consistorium begleitete. Der Herr Ober-Rabbiner ermahnte diese Unglücklichen in einer warmen Anrede zur Demuth und zur Reue. Sie wurden lebhaft von den Worten des ehrwürdigen Predigers ergriffen, und Thränen flössen aus Aller Augen. Mehrere befanden sich wegen eines ReglementSversehens in schwerer Haft; daS Consistorium erbat und erhielt ihre Befreiung von diesen DiSciplinarstrafen. Dann begab sich das Consistorium, nachdem es Auslieferung der Gefangenen erhallen, in daS Krankenhaus, um die Kranken zu besuchen. ES hat einen genauen Bericht an den Departements-Präfecten und daS Central-Consistorium, über die Ursachen zu diesem Acte der Unhumanität, der ein so trauriges Resultat zur Folge gehabt hat, gemacht und erwartet die moralische Genugthuung dieses Falles, mit dem der Minister deS Innern in diesem Augenblick beschäftigt ist. —. Die Algierschen Zeitungen berichten, daß der Kaiser dem Dolmetscher erster Classe bei der Division von Mascara, Herrn Amram Darmon, den Orden der Ehrenlegion verliehen. DaS Echo d’Oran spricht sich hierüber folgendermaßen aus: Für diejenigen, die der Laufbahn dieses würdigen Osficiers gefolgt sind, konnte der Stern der Braven keine bessere Stelle erhallen; denn in der That wissen sie, daß er feit 1836 an allen Waffenthaten Theil genommen, so wie an allen Erpebitionen und Gefechten, die während dieser Periode unaufhörlichen Krieges statt gehabt, daß er von Nahe und Ferne, seit der Blokade von Tlemcen, wo er sich mit dem Commandanten Cavaignac auf einen Aufruf an Freiwillige eingeschloffen hatte, die arabischen Kugeln um sich pfeifen gehört. Man weiß außerdem noch, daß er eine Vertrauens- Mission erhalten hat, die von der Achtung seiner Armee -Chefs für ihn einen großen Beweis liefert. Er war als Dolmetscher bei dem Capitain, heutigen General DaumaS, der als Conful bei Abd-el-Kader nach dem Frieden von Tafra fungirte, angestellt. Die Herrn Amram Darmon verliehene Auszeichnung ist nicht allein eine Gerechtigkeit, sondern erscheint unS auch als gesunde Staatsklugheit. Dieser Officier ist Israelit und Eingeborener in Oran. Es ist gut, daß seine Glaubensgenossen und Mitbürger erfahren, daß der Kaiser ohne Unterschied der Abstammung auf glänzende Weise die für Frankreich geleisteten Dienste anerkennt und belohnt. Spanien. Pariö, im Januar. Das Univ. israel. schreibt: Der ehrenwerthe Herr Carvallo, Oberingenieur der Eisenbahn des Südens, hat folgenden Brief an Herrn A. B., den Redacteur des Diario von Barcelona gerichtet, um denselben zu ersuchen, mit seinem Einflüsse die freie Zulassung der Israeliten in Spanien zu unterstützen. Narbonne, den l3. December 1854. Werthester Herr und Freund! Ich habe Ihren Brief vom 1 t. December empfangen, d^r mir daS lebhafteste Vergnügen gewährte. Welche edle Sprache und welche feurigen Empfindungen! Ihre außergewöhnliche Einsicht, Ihr edles Herz, die Sie zu einem der ersten Männer Cataloniens machen, lassen Sie diese große Bewegung der Wiederbelebung, welche Spanien erzittern macht, richtig verstehen und billigen. Sie sagen sehr gut, mein theurer Freund, daß die Schwingungen der jetzigen Bewegung den durch Jahrhunderte niedriger und vorurtheilSvoller Gesinnung aufgehäuften Staub abschütteln. Welche edle Sprache und feurige Gesinnungen führt und beseelt Ihren Minister, Herrn von Larau! Seine Worte leiten auf's Edelste den Entwurf eines Eisenbahngesetzes ein. „Es wäre nicht möglich, daß die spanische Nation, nachdem sie ruhmvoll auf die Bahn der Verbesserungen geleitet und in den Erfahrungen anderer Völker und in seiner eignen Entzauberung die Entschädigung für drei Jahrhunderte der Unthätigkeit und deS Elendes suchend, nicht in den Eisenbahnen den mächtigen Hebel aller industriellen Unternehmungen, eine Nothwendigkeit der Zeit und die glückliche Entdeckung erkennen wollte, die, indem sie die Verbindungen der Völker mit einander verengern, ihre Entfernungen vermindern, alle ihre Producte vergemeinfamern, die Fortschritte der Civilisation verallgemeinern und die ganze Welt zu einer Familie umgestalten."