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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-01-22 · Heft 4 (22.1.1855) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 4 (22.1.1855)
Date
1855-01-22
Page
Seite 44 (sequence 6)
Language
German
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44 Bleicherode, im December. (Privatmitth.) Unsere kleine Gemeinde beging am 17. d. M., als dem zweiten Tag deS ChanukafesteS, eine Feier, die in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient. — Der seit dreizehn Jahren hier wirkende Religionslehrer und Vorbeter, HerrM.H.PinkuS, feierte an diesem Tage mit seiner Gattin daS Fest der silbernen Hochzeit. Die Gemeinde ergriff diese Gelegenheit mit Freuden, um den in allen Schichten der Bevölkerung hiesiger Stadt gleich geachteten Herrn Pinkus eine Aufmerksamkeit erweisen zu können. Demzufolge hatten sich viele Mitglieder der Gemeinde vereinigt und ließen demselben am Vorabende durch eine Deputation das große, rühmlichst bekannte Philippson'sche Bibelwerk, äußerst elegant gebunden, überreichen. Die Schulkinder brachten außer Silberkranz und Strauß unter Vortrag eines dazu verfaßten Gedichts, ein angemessenes Festgeschenk, denen noch viele Mitglieder der Gemeinde mit Geschenken folgten. Der Gemeindevorstand übergab ihm die definitive Anstellung. Herr PinkuS war freudig überrascht und dankte, sichtlich gerührt, in beredter Weise für die große Aufmerksamkeit bei einem Familienfeste. Auch Sonnabends darauf hielt Herr Pinkus in der Synagoge noch einen ergreifenden Vortrag über daS Thema: Empfangene Wohlthaten verpflichten zum Danke, und über den Tert: Psalm 116, V. 12. — Möge der Himmel demselben noch lange Jahre die Kräfte verleihen, uns durch sein Wort wie bisher zu erbauen und die Jugend zum Segen und Heil heranzubilden. Oesterrerchischer Kaiserstaat. Klausenburg (Siebenbürgen), im Januar. (Privatmilth.) Die hiesige Gemeinde war nach 1848 in schneller Weise gewachsen, so daß sie 1850 bereits 120 Mitglieder zählte. Es waren allerdings den hiesigen Juden die meisten Nahrungszweige geradezu vorenthalten, Gewölbe dursten sie nicht eröffnen, Handwerke nicht ausüben, selbst jüdischen Handwerksgesellen gab man keine Arbeit. ES lebten daher die Meisten vom Branntweinbrennen. Im Jahre 1850 beschloß die Gemeinde, einen neuen Tempel zu bauen, und führte dieS in der herrlichsten Weise auS. Dies war aber auch der Scheidepunkt, denn bald darauf zerfiel die Gemeinde nach innen und außen. Mit der Einführung der Verzehrungssteuer konnten sich die meisten Branntweinbrennereien nicht mehr h'alten, und nun stellte man noch dazu einen Rabbiner an, der unabhängig vom Landesrabbinate in CarlSburg füngiren sollre. Dadurch entstanden Spaltungen, die zu Processen führten, bis der Rabbiner mit großen Kosten weichen mußte. Die meisten Mitglieder verzogen auf das Land, und die geringe übrig gebliebene Zahl hat mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen. Trotz der Anstrengungen des Landesrabbiners in CarlSburg und deS neuerwählten Vorstehers Herrn David Hersch kann daher der Jugendunterricht hier nicht gedeihen, und der CultuS zu keiner Blüthe kommen. Frankreich. Paris, im Januar. (Univ. israel.) Zwei Israeliten haben so eben ihre Decorirung als Ritter der Ehrenlegion erhalten: Herr Cohen, Redacteur der „Presse," „wegen seiner ausgezeichneten Dienste in der Presse," und Herr Lambert, Unterpräfect zu Toul, „wegen in der Cholerazeit erwiesener Hingebung und Aufopferung." — Ein ernster Vorfall ereignete sich letzthin in dem Central-Gefängniß von Ensisheim (Ober-Rhein). Ein gefangener Israelit, der schon krank, wurde von dem Director, weil er einem anderen Gefangenen etwas Lakritzensaft gegeben, zu 14 Tagen Kerkerhaft, auf nackrem Steinpflaster, ohne Stroh noch Decke und aller sonstigen nothwendigen Bedürfnisse entbehrend, verurtheilt. In der fünfzehnten Nacht, die der Unglückliche auf diese qualvolle Weise zugebracht, setzte er sich einen Augenblick in die Höhe und fiel dann plötzlich wieder zur Erde nieder, um nie wieder aufzustehen. Bei dem Geschrei der andern Gefangenen eilten die Wärter herbei und brachten ihn in daS Krankenhaus, wo er zwanzig Minuten nach der Uebersiedelung starb. DaS Consistorium von Colmar, davon benachrichtigt, beauftragte zwei seiner Mitglieder, die Herren Abraham Meyer und August Manheimer, sich mit dem Herrn Ober-Rabbiner in daS Central-Gebäude zu Ensisheim zu begeben, und das Nähere über diesen traurigen Vorfall zu vernehmen. Am 28. November begaben sich diese drei Mitglieder deS ConsiftoriumS dorthin und luden den israelitischen Geistlichen, Herrn Rabbinen von Bollviller ebenfalls zu dem Tage dorthin ein. DaS Consistorium wurde dort vom Director mit

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