Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1855)
- Date
- 1855-01-22
- Page
- Seite 41 (sequence 3)
- Language
- German
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Ul Tiburcio Faraldo, welcher uns für den Moment geringere Hoffnung auf einen glücklichen Erfolg unsres Mernoirs an die Cortes verspricht. Er lautet: „Ich habe mit der tiefsten Bewegung das LxposL gelesen, welches Sie der constituirenden Versammlung im Namen der Israeliten Deutschlands vorgelegt haben, die Aufhebung der Pragmatika vom 31. März 1492 fordernd. Alle aufgeklärten Spanier stimmen darin überein, daß die Ordonnanz, welche den Juden den Aufenthalt aufdem Boden desDaterlandes untersagte, und sie der Verbannung unterwarf, ein Act der Ungerechtigkeit war, eineVerletzung der Menschen- und Bürgerrechte und eine schändliche Undankbarkeit, und alle Spanier unsrer Zeit werden jenen Tag als den Anfang unsres Verfalls betrachten. Aber ich bedaure, daß die Vorurtheile, die Eingenommenheit und die Unduldsamkeit der Geistlichkeit Ihre gerechte Forderung in diesem Augenblicke erfolglos machen werden. Die National- Rcpräsentation, obgleich sie jene Aufhebung als eine ihrer Macht würdige That betrachten wird, wird diese Maßregel in dem gegenwärtigen Zeitpunkte vertagen, aus Furcht, den befiegten Parteien eine Fahne für den Bürgerkrieg zu geben. Demungeachtet wird man in der Constitution den Grundsatz des non perseeueullo aufstellen." — Indeß glaubt der genannte Herr, namentlich durch die Hülfe der Presse, die Zeit nicht fern, wo auch die förmliche und vollständige Aufhebung jener schmachvollen Decrete ausgesprochen werden wird. Wir können noch nicht beurtheilen, in wie weit der Verfasser dieses Schreibens die Sachlage richtig darstcllt, da wir denselben nicht kennen. Aber vorausgesetzt, daß seine Voraussage wörtlich in Erfüllung gehe, so sehen wir darum unsren Schritt nicht als erfolglos, unsren Versuch nicht als gescheitert an. Denn schon solche Erklärungen, wie die obige, und es find deren von den bedeutendsten Männern mehrfach gegeben worden, find eine Ehrensäule auf dem Grabe unsrer Märtyrer von 1492, deren sie zwar in unsren Augen nicht bedurften, welche aber, unsren Hassern und Verleumdern gegenüber vor der Geschichte und vor Europa von Vedcmung ist. Andrerseits kann die Bewegung und Theilnahme, welche wir in den Herzen vieler edlen Spanier hervorgerufcn haben, nicht genug gewürdigt werden. Endlich haben wir damit unsrem Berufe, das Princip der Glaubensfteiheit überall auszusprechen, wo die Gelegenheit günstig ist, genügt. Wird übrigens in der Verfassung das Princip des non perseeneaäo ausgesprochen, d. h. dass den Nichtkatholiken der Aufenthalt im Lande gestattet und sie nichr der Srrasverfolgung unterworfen werden sollen — so ist damit facti sch der erste, d. h. der wichtigste Schritt geschehen. Ein Anderes wurde für den Eintritt der Juden in England unter Cromwell durch die Bemühungen der holländischen Juden unter persönlicher Leitung Manassebcn Israels auch nicht erlangt, und führte demungeachtet bis zu. dem heutigen Standpunkt der englischen Juden. In unsrer Zeit dringen die Ideen schneller durch, und es kommt nur auf Beharrlichkeit an. Auch in Norwegen bedurfte es fünfmaligen Antrages bei dem.Storthings, um den §. 2 ihres Staatsgrundgesetzes, welcher den Juden und Katholiken den Eintritt in das.Land unter schweren Strafen untersagte, zu beseitigen. Und welch' größere Wichtigkeit hat Spanien für uns, namentlich für unsre Glaubensbrüder in Italien und Südftankreich! Aphorismen. In Berlin muß man immer noch die Juden für Leute halten, von denen selten Jemand eines Vergehens sich schuldig macht, so daß es als eine Merkwürdigkeit verzeichnet werden muß, wenn es ein Jude ist, der ein Verbrechen begangen. So las man in diesen Tagen in den Berliner Blättern: „Wegen Verausgabung eines Neujahrswunsches in Form eines Fünfthalerschcins anstatt eines solchen wurde in diesen Tagen ein jüdischer Handlungscommis zu zwei Monaten Gefänznißstrase rc. verurtheilt." Wozu hier die Bezeichnung „jüdischer Handlungscommis" dienen soll, während z. B. bei den jüngst so zahlreich vorgekommencn Kassen - und Postamtsdefccten niemals ein religiöses Eigenschaftswort dabei stand, ficht man nicht anders ab, als um die Verwunderung, wie wir sie eben bezeichnet, auszudrücken. — Vor Kurzem wurde in M a g d e b u r g die „fteie oder neue christliche Gemeinde," wie fie sich nannte, polizeilich geschlossen, als fich in ihrem Schoße eben zwei Parreien, die beiden Sprecher der Gemeinde Uhlich und Sachse an der Spitze, bitter bekämpften, ob fortan die Gemeinde ftei, oder christlich heißen solle, der eine, Sachse, fich selbst pure als -Atheist bezeichncte und, da Uhlich auf seinen Antrag bestand, behauptete, daß Uhlich nichr mehr in der freien Gemeinde beharren könnte. Man ficht, daß die polizeiliche Schließung nur bas Auscinanderfallen 4*