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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-01-15 · Heft 3 (15.1.1855) · p. Seite 30

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 3 (15.1.1855)
Date
1855-01-15
Page
Seite 30 (sequence 4)
Language
German
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österreichischen Gemeinden find unter den Peruschim und Chafidim begriffen. Endlich eine kleine deutsche Gemeinde mit 10 Familien, auS Preußen, Sachsen, Bayern, Holland u. s. w., die 57 Seelen auf der Armenliste der Peruschim zählt und in der Verwaltung dem Bethdin der Peruschim untergeordnet ist. Die oben angegebenen Zahlen sind von den an Sir MoseS Montefiore übersendeten Armenlisten genommen, der gewöhnlich die gesammelten Fonds an den Chacham Baschi, von den Sephardim an Rabbi Jeschaja Berdacki, von den Peruschim und Rabbi Nissim Back von den Chafidim übersendet und nach geschehener gleichmäßiger Vertheilung per Kopf die Listen mit den Quittungen empfängt. Die ganze Bevölkerung der Israeliten in Jerusalem scheidet sich in zwei Classcn, Chackamim (Talmudgelehrte) und Geschäftsleute; die Zahl der ersten macht mehr als die Hälfte aus und haben außer dem Talmudstudium in den Jeschiboth gar kerne Beschäftigung, sie sind daher ganz auf Almosen aus den im Auslande gesammelten milden Spenden angewiesen. Die Geschäftsleute sind Krämer, Schneider, Schuhmacher, Tischler, Klempner, Buchbinder, Uhrmacher, Goldarbeitcr und Tagelöhner. Die Dürftigen von diesen erhallen ebenfalls einen Therl von den gesammelten Geldern. Der größte Theil der jüdischen Bevölkerung der heiligen Stadt lebt im tiefsten Elende, die geistige und materielle Armuth ist außerordentlich, außer dem Talmud giebl es keine ge.stlge Nahrung, und der Körper muß bei dem kümn erlichen Genüsse von schlechten Nahrungsmitteln und dem Leben in feuchten und lutilofen Kellern beständig mit Krankheiten kämpfen. Seit der Eröffnung des israeliiischen Hospitals am 1. Ab 5614 sind 200 Kranke in der Anstalt behandelt und für Kranke in der Stadt 14,500 Recepte ordlN'.rt worden. Die Ursache dieser Armuth ist der völlige M..ugel an Beschädigung. Man hat schon so viel, besonders in der letzten Zeit, über die Mittel zur Verbesserung der Lage der Israeliten in Jerusalem geschrieben, und dieser Gegenstand ist ein permanenter Artikel der jüdischen Presse geworden. Leiter aber sind die meisten Vorschläge nicht dem Zwecke entsprechend. Das Projekt, die Armen des heiligen Landes mit Agrikultur zu beschäftigen, ist unausführbar. Die bekannte Abneigung gegen Agricultur der Israeliten aller Länder, verbunden mit den ungünstigen politischen und socialen Verhältnissen in Syrien, machen diese Arbeit für Juden absolut unmöglich. Eine auf Veranlassung des Bischofs Gobat hier gegründete preußische Colonie ist völlig zu Grunde gegangen, ein ähnliches Schicksal hat eine spätere Colonie von Amerikanern erlebt. Das einzige Praktische und Ausführbare wäre noch ein Unternehmen auf dem Felde der Industrie; eS könnten Manufacturanstalten hier errichtet werden, um die von hier erporlirlen rohen Produkte, als Baumwolle und Seide, zu verarbeiten und auf diese Art dem Armen seinen täglichen Erwerb zu verschaffen. Freilich müßten diese Anstalten unter Leitung und Verwaltung einer europäischen Direktion stehen. Daß dieses Unternehmen auf Ort und Stelle von Sachkundigen früher reiflich geprüft werden muß, versteht sich von selbst. Diese Schwierigkeit in der Wahl und Ausführbarkeit der Mittel zur Besserung ist auch die Ursache, daß bis jetzt nur palliative Mittel zur Linderung, aber keine radikale Hülse zur Hebung der Noth geschafft wurden. Die jetzige Vereinigung der Philanthropistcn Israels aller Länder berechtigt uns mehr zu der Hoffnung, das Loos der armen Wächter unserer heiligen Ruinen verbessert zu sehen. Trier, 1. Januar. (Privatmitth.) Den Gemeinden und einzelnen Spendern meines Rabbinats für die Noihleibenden in Jerusalem halte ich mich verpflichtet, in diesen Blättern mitzutheilen, daß mir vor einigen Wochen ein sehr schönes, in vorzüglichster hebräischer Sprache abgefaßles Dankschreiben direct aus Jerusalem, dalrrt n'b zugekommen ist. Es ist unterzeichnet von dem Rabbiner und Vorsteher der holländisch - deutschen Gemeinde, die sich “nn nennt, I. H. Markus, und dem Secrerair M. Schönbaum. Nach einer sehr langen Anrede (nbnrin) in ächt orientalischem Style, in den schmeichelhaftesten Ausdrücken und Segenswünschen für mich, die Gemeinden und jeden Spender, wird der richtige Empfang der Beiträge auS hiesiger Gegend angezeigt und versichert, daß durch die Sorgfalt des Herrn Dr. Philippson diese gehörig vertheilt wurden. Die Abfasser beiheuern auf's Heiligste, daß der Zweck 'dieses Schreibens hauptsächlich nur der ist,

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