Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1855)
- Date
- 1855-01-15
- Page
- Seite 29 (sequence 3)
- Language
- German
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29 jagt." — Wir können diese -Worte de« edlen Freiherrn leicht als ein Vorurtheil bezeichnen, da er sonst noch viele Vorurthcile in seiner Brust cinschlicßt. Wir erwähnen außer vielen anderen nur das erhabene Vorurthcil für sich selbst, da er z. B. unter sein Portrait, welches den fünften Theil ziert, die Worte gestellt: ,,Jn meinem Busen lebt die Seele des AlciLcn, mein geistig Auge schaut entstört des Himmels Licht." — Ein solches Auge sicht freilich Vieles anders, wie ein gewöhnlich Menschenkind; dann das Vorurtheil für die mittelalterlichen Raubritter und Kreuzfahrer, unter welchen er stolz seine Ahnen sucht. Was Wunder, daß er auch den König David zu jenen Stcgrcifrittcrn zählr, welche ,,dic Seele des Alciden" mir Lust füllen. David, der Psalmist, David, der vom Euphrat bis zum Mittelmecrc herrschte, David, der weise Organisatcur seines Volkes, den freilich kennt und liebt er nicht. Aber außer den Vorurthcilcn müssen wir doch den edlen Freihcrrn auch einer großen Unwissenheit zeihen. Als Moscheh Israel nach Canaan führt, verheißt er ihm nicht, daß es dort rauben und plündern könne, sondern Regen und Thau zur rechten Zeit, Fülle des Kornes und Mostes im Lande, wo Milch und Honig fließt; ein Blick in die heilige Schrift zeigt die Institutionen eines ackerbauenden Volkes, und bei einer Nation, welche den erbeuteten Pferden die Sehnen zerschneidet, mochten die Raubritter und Beduinen nicht zur Blüthe kommen, und endlich beruft sich Josephus den Römern gegenüber, welche doch Judäa kannten, daß sein Volk lediglich mit Ackerbau beschäftigt gewesen. Wenn wir 2udcn dem edlen Freihcrrn unverbesserlich erscheinen, so muß demnach ein kräftiger Kern in uns sein, der alle Völker, die uns gehaßt, verfolgt und verjagt haben sollen, Canaan, Assyrier, Egyprcr und Römer als entartete Völkerschaften in den Staub gesunken und von der Erde verschwanden, während wir „unverbesserliche Juden" in immer verjüngter Kraft unsren Hassern in's Angesicht schauen. Die „Unverbcsserlichkeit" möchte wohl auch ein wenig auf Seiten derer liegen, welche nicht müde werden, uns zu schmähen und zu treten, so weit cs in ihrer Macht liegt. Wir aber spotten Eurer zuletzt, wohlbewußt, daß dieser ewige Haß einen tieferen Quell und eine höhere Bedeutung hat!... Zeitungsnachrichten. Palästina. Gaben für die Armen. Von Herrn Samuel Gumpert in Parchim 2 Thlr.; von Herrn Vorsteher I. S. Behrendt bei einer Beschneivungsfeier in Crem men gesammelt 2 Thlr. 8 V* Sgr.; von Herrn Schwarz in Reichenbach 5 Thlr.; von Herrn Koppenhagen in Wongrowiecz 9 Thlr.; vom Vorstande in Münzenberg 8 Fl. 24 Kr.; von Herrn Stadlarzt vr. Schulhofs in SikloS ll Fl. Bn. behufs des Comile's für Ackerbau. Magdeburg, 8. Januar. Bei unserm Streben, die wirklichen Verhältnisse in Jerusalem immer mehr zu eruiren, erlangten wir vor Kurzem aus guter Hand folgende Skizze, aus der wir sorgfältig alle persönlichen Beziehungen entfernen, da jene eigentlich nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt war. Die jüdische Bevölkerung der heiligen Stadt, 5500 Seelen, besteht aus zwei Hauplgemeinden, Sephardim und Aschkenasim. Die Sephardim, 3600 Seelen mit 2800 Armen auf der Liste, beobachten den spanischen Ritus und stammen vom Orient, nämlich auS den türkischen Provinzen Rumellen, Klemasten und Aegypl'.n, sowie aus Persien und Indien, ferner die sogenannte MugreblS (Occidei talen, arab.sch Mug-eb-West, aus Tunis, Tripolis, Algier und Marocco. Alle diese bestehen unter einer vollkommen organisirreu Hierarchie von Cdachamim mir dem Chacham Baschi «Oberrabbueri, Rabenu Ab.Uafy an der Sp.tze, dem em.ge Atjuncte, unter de. eil Rabb» Abraham Aschkeuan der vornehmste lft, zur Seile stehen. Die Aschkenasim, circa l800 Seelen, beobachten den deutschen RitnS und stammen aus Europa. S.e zerfallen rn Peruschim und Coandrm. Die Hauplgemeinke Perus.».'rm aus Lillhauen in Rußland zahlt 950 Seelen aus der Är-nenltste und wird von einem Beihkin Mil eurem Oberr^bbrner Rabbi Jeraja Dordaki verwaltet. Die Gemeinte Chasidim auS Wolhynien in Rußland, Polen und Galizien, mir 550 Armen auf der L sie, wird von einem Vorstand, mit Rabbi Nifsim Dak an der Spitze, verwaltet. Die unlängst gebildeten Warschauer und 3*