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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-01-15 · Heft 3 (15.1.1855) · p. Seite 28

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 3 (15.1.1855)
Date
1855-01-15
Page
Seite 28 (sequence 2)
Language
German
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28 — Niemals hat es in seinem Schoße einen Theil des Volkes durch den anderen unterdrücken lassen, es waren niemals in ihm, wie in Athen, Lacedämon und Rom, von späteren Staaten nicht zu reden, eine Anzahl herrschender Bürger und eine größere Anzahl Rcchtsloscr vorhanden. — Trotz der außerordentlich ausgeprägten Nationalität, galt dem Judcnthum stets die Menschheit als ein einiges Ganzes, und nicht waren ihm die anderen Völker unberechtigte Barbaren; der Fremdling war ihm völlig gleichberechtigt, und mit Ausnahme weniger Völkerstämme konnte Jedermann das Bürgerrecht erwerben. — Inquisition, Tortur, heimliches Gericht, Hcrcnprocesse, sogenannte Gottesgerichte, alle diese scheußlichen Erscheinungen waren niemals im Judenthume vorhanden; es bedurfte keiner Jahrtausende, um sie zu überwinden, sondern sie waren von ihm von dem ersten Athemzugc seines Lebens an verdammt und verbannt. — Sowohl das Sclaventhum als die Leibeigenschaft waren keine Schoßkinder des Judenthums, sie wurden von ihm bekämpft und beschränkt bis zum Erlöschen, und niemals war das Leben eines Menschen in die Hand eines Anderen gegeben, sei cs Vater, oder Herr. — Wie das Judrnrhum alle Rechte des Individuums an das andere in Ge- und Verbot proclamirte, so heiligte es die Jungfräulichkeit, die Ehe, alle Verhältnisse der Familie, das Eigcnthum, das Leben, die Wahrheit, die Ehre, und drückte allen diesen Rechten den unvcrlöschlichcn Charakter der religiösen Vsticht auf. Die Brüderlichkeit, die Wohlthatigkeit, die Verpflichtung gegen Arme, Wittwen, Waisen und Fremdlinge, bis auf die außerordentliche Beschränkung des Pfändungsrechtcs, ja eine gewisse Berechtigung der Hausrhicre — alles dies wurde vom Jutenthum mir Wort und That als unerläßliches Pflichtgcbot, dessen Uebcrlrctung schwere Versündigung sei, in Wort und Thar ausgestellt, durch alle seine Jahrhunderte hindurch gepflegt, und einer Welt gegenüber aufrecht er- Fürwahr, das Judenthum hat in seiner langen Geschichte wenig Seufzer ausgcprcßt, aber unendlichen Segen verbreitet. Aphorismen. Wir haben jüngst das Rciscwerk des Frcihcrrn von Callot ,.Orient und Europa" erwähnt und kommen heute auf den fünften Band „Syrien und Palästina." Der Verfasser hat einen lebhaften Styl und eine scharfe Beobachtungsgabe — aber wem ist es unbekannt, daß hiermit die ungerechtesten Vorurtheile gegen unsere Glaubensgenossen allzu oft verbunden find? Wir heben zwei Bemerkungen des Frcihcrrn hervor. Die eine ist die Verwunderung, welche wir auch schon bei andern christlichen Autoren trafen, daß „nicht nur Christen, sondern sogar auch Juden nach Jerusalem pilgern." Während diese Herren cs sehr gerechtfertigt finden, wenn fromme christliche Gemüther sich nach den traditionellen Spuren dessen sehnen, der ihre Religion gestiftet, bezeichnen sie es wie ein lächerliches Vorurthcil von Juden, auf den Trümmern ihres Tempels und der königlichen Burg Zion beten zu wollen. Als ob nicht statt jenen einen Bezuges die Erinnerungen von mehr als fünfzehn Jahrhunderten den ehrfurchtsvollen Blick des Juden an diese Stadt und dieses Land knüpfen? Als ob er sie nicht immer noch als sein ihm geraubtes Eigenthum ansehrn könnte? Als ob ihm nicht statt einer die Stimme aller seiner Propheten und so vieler seiner Weisen aus ihnen entgegentöntcn — Die andere Bemerkung betrifft die Art und Weise, wie dieser Mann die ältere Geschichte unsres Volkes anzusehen beliebt. Nachdem er von der unvortheilhaften Lage Jerusalems gesprochen, sagt er: „Es drängt sich uns unwillkürlich die Vcrmuthung auf, daß David diese Wildniß nur deshalb zu seiner Residenz ausgesucht habe, weil die damalige Zeit eine Zeit des Raubes und beständiger Fehden war, in der man nur trachtete, das den Nachbarn geraubte Vieh und andere Dinge von einigem Werthe in Sicherheit zu bringen." Bald darauf sagt er: „Es ist kein Wunder, wenn ein Beduinenvolk, wie die Juden, welches sich, wie heut zu Tage die Beduinen von Gazah Phalastin, in diesem Lande cingcdrängt, die daselbst wohnenden friedlichen Bewohner verjagt und sich nie gern mit Ackerbau und nützlicher Industrie beschäftigt hatte, die günstige Gelegenheit benutzte, um sich auf eine leichte Art Reichthümer zu erwerben, die ihm seine schlechte Viehzucht in dieser steinigen und weidearmcn Gegend versagte, und die es, einmal geraubt, leicht in diesen unzugänglichen, abschreckenden Schluchten verbergen, auf Schleichwegen an die Küsten bringen und nach der Ferne verhandeln konnte. Nicht umsonst haben alle Völker des Landes Canaan, nicht umsonst die Herrscher von Assyrien, nicht umsonst die Pharaonen Egyptens, nicht umsonst die Römer und ihre großen und edlen Kaiser Vespasian, Titus und Hadrian dieses unverbesserliche Volk gehaßt, verfolgt und am Ende in alle Weltgegcnden auSeinanderge-

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