Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1855)
- Date
- 1855-01-08
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
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18 Uebelstande abzuhelfen. In Folge dessen ernannte mich die Regierung zum Examinator der jüdischen Lehrer des Regierungsbezirkes und forderte die Gemeinden auf, ihre Schulen durch mich revidiren zu lassen, rcsp. mich dazu zu berufen. Nicht eine Gemeinde thar es! Die Regierung schickte mir mehrere Lehrer zu, welche gerade in neue Stellen eintratcn, und ich prüfte sie (versteht sich: unentgeltlich.'). Zn dem von mir nach Verlauf eines Jahres abgestattcten Bericht an die Regierung schilderte ich die Lage, wie sie noch war (ein Theil des Berichtes findet sich in der Zeit. d. Judenth. 1844, Nr. 6); die Antwort der Regierung war ein Dank für meine Leistungen; sie könne aber nach Lage der Gesetzgebung nichts thun oder weiter eingreifcn, obgleich ich in meinem Berichte aus frühere Verfügungen und Erlasse (vgl. Rönne, S. i64, 2; 177 ff.) hinwies. — Als der Schulrath (der mir sehr befreundet war) im Sommer 1844 starb, und ein anderer an seine Stelle trat, unterblieb Alles: Prüfung und Revision; und so ist's noch großenthcils. — Ich selbst habe zu mehreren Malen junge Leute hier theoretisch und praktisch zu Lehrern ausgebildet, welche sich dann in Cöslin prüfen ließen, und immer glänzend bestanden find. — — Nun fordert aber die Regierung gehörig gebildete Lehrer, während sic ihnen die dafür bestehenden Seminarien verschließt. Dies ist ein Umstand, der besonders der Beachtung wcrth ist; (und wenn ich auch nicht verkenne, daß die Seminarien, wie sie jetzt sein sollen, specicll christliche (!) Anstalten werden, so fürchte ich dennoch für hcrangereifre jüdische Jünglinge nicht zu viel, wenn den jüdischen Zöglingen durch gleichzeitigen Religionsunterricht bei einem gebildeten Rabbiner ein Gegengewicht geboten wird.) Rabbiner vr. Klein. Zeitungsnachrichten. Palästina. Jerusalem, 4. December. (Privatmitlh.) Unlängst hat sich der bekannte Peter Classen, welcher in Jaffa ein großes Gut besitzt, zum Judenthum bekehrt. Die Beschneidung geschah in Jerusalem. Er ist Landbebauer von Jugend auf, und besaß ein großes Gut bei Danzig. Seine Frömmigkeit und Liebe zur jüdischen Religion sind nicht zu beschreiben. Seine Schwester wurde schon vor einigen Jahren Jüdin in Jerusalem und heirathete einen jüdischen Doctor. Sein 17jähriger Sohn wird sich auch bald beschneiden lassen und ein Geschwisterkind von ihm in Jaffe, welcher das Gut ClassenS bewirthschaftet, richtet unlängst einen Brief an letzteren, daß er schon längst gewünscht, so glücklich zu sein, dem Judenthume anzugehören. — Nun besitzt Israel ein Gut in Jaffe! — Sire MoseS Montefiore hat unlängst an die Vorsteher in Palästina geschrieben, um sich zu erkundigen, ob auch die Freiheit sei, Land zu kaufen. Die Antwort lautete keineswegs günstig, da weder die Vorsteher, noch der neue Oberrabbiner den Bestrebungen um Ackerbau günstig sind, so daß durch dieselben schwerlich etwas zu vermitteln ist. In der Masse ist mehr Neigung, da eben der englische Consul wieder 100 jüdische Arbeiter in Brod genommen. Deutschland. Magdeburg, 1. Januar. (Privatmitlh.) Vor einiger Zeit kam unS aus einem bedeutenden Staate die Nachricht zu, daß ein Rabbiner bei der StaatSregierung darauf angetragen habe, daß den Juden bei Polizeistrafe am Sonnabend die Fabrik-Werkstätten und Gewölbe geschloffen und jeder Verkehrsbetrieb untersagt werde. Die betreffende Staatsregierung ging in sofern darauf ein, als sie mehrere Rabbinen um Gutachten anging. Aber IheilS erklärten diese sich, die gefährlichen Folgen dieser Maßregeln wohl erkennend, gegen diese, und dies geschah gerade von einigen Rabbinen der wahrhaft alten Schule, theils gaben diese Gutachten wenig haltbare Stützpunkte, um dem Antrag weitere Folge zu geben. Auch wir waren, und zwar von guter orthodoxer Seite, angegangen, unsern Einfluß bei angesehenen Personen in jenem Staate gegen den Antrag gedachter Zwangsmaßregeln geltend zu machen. Man sah auch höhern OrtS ein, daß es etwas zu weit ginge, wenn man, wie in Konstantinopel, dem Rabbinen einige Kawassen (GenSd'armcn) an die Seite geben und am Sabbath durch die Straßen gehen und in die Häuser dringen lassen wollte, um beurtheilen zu können, was eine verbotene Arbeit sei oder nicht. Man glaubte, wenigstens von Staatsseiten die Juden zur bloS fünftägigen Arbeitswoche selbst da, wo nur der Principal ein Jude und Hunderte von christlichen Arbeitern beschäftigt seien, nicht zwingen zu können, und so ist es mehr alS wahrscheinlich geworden, daß die Sache fallen gelassen wird.