Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1855)
- Date
- 1855-01-08
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
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16 ganges für den TalmudiSmus vorhanden waren. Wmn wir in seinem Gedankeninhalt eine logische, so erkennen wir in seiner äußeren Stellung eine providentielle Nothwendigkeit. So wie Jahrhunderte vor der Zerstreuung des Volkes zahllose Colonien von Juden durch die damalige Welt gegangen, um überall den Flüchtlingen eine neue Heimath bereit zu halten: so entstand die Synagoge Jahrhunderte vor der Zerstörung des Tempels, so specialifirte und so individualifirte der TalmudiSmus schon einige Jahrhunderte vor der Vernichtung des Volkes das jüdische Leben, um eS in der Zerstreuung vor den auflösenden Einflüssen der Völker zu schützen und es zu befähigen, durch das ganze Mittelalter hindurch, einer neuen Zeit entgegen, die religiöse Idee in ihrer Totalität zu enthalten. DieS war der geschichtliche Beruf des TalmudiSmuS, und dies wirkte er, maßgebend, in der jüdischen Nation*). Der erste Anknüpfungspunkt für den TalmudiSmus war mit dem Umstande gegeben, daß das Volk seine Selbstständigkeit nicht wieder erlangte, und ESra und Nehemia daher dem Einflüsse der herrschenden Völker entgegentreten mußten. Der Wiedereintritt der Juden in Spanien. Wie sehr unser Memoire an die spanischen Cortes fich einer schnellen Popularifirung in Madrid zu erfreuen hatte, dafür hatten wir in diesen Tagen einen Beweis. Wir erhielten unter unserer Adresse einen Brief, datin Madrid den 23. December, direct per Post, gezeichnet von «Herrn Luis de Usoz y Rio, mit einer Beilage, die in einer Druckschrift bestand, nämlich populäre Gebete für die spanische Nation. Unter diesen kommt wörtlich Sefte 9 folgende Stelle vor: „Lonkesamos, ö Seuor, el grau pecado de nuestra Nacion, cometido en los descendientes de tu antig-uo pueblo de Isrrael, cuando nuestros padres tan cruelmente los maltrataron, i finalmente sin distincion los desterraron de la tierra donde habian nacido. Perdona esa crueldad, o Senor, porque de ella nos arrepentimos. I si tu, que eres el Dios de Abraham, encaminares otra vez a Espana hijos de Abraham, no olvidar£mos que tu le dijiste: „Bendecirä a los que te bendigan, i maldecird a los que te maldigan.“" *) Wir unterscheiden Nation von Volk, da der Begriff von Nation in der Abstammung liegt (nasci, natio), welche wir Juden noch heute bewahren. DaS heißt: Wir bekennen, o Herr, vor dir die große Sünde unserer Nation, begangen an den Abkömmlingen deines alten Volkes Israel, welche unsere Vater so grausam mißhandelten, und schließlich fie ohne Unterschied aus dem Lande, das ihr Geburtsland war, verjagten. Verzeihe diese Grausamkeit, o Herr, weil wir fie bereuen. Und wenn du, der du der Gott Abrahams, wieder die Söhne Abrahams nach Spanien fuhrest, so wollen wir nicht vergessen, daß du zu ihnen sagtest: „Ich werde segnen, die dich segnen, und werde die fluchen, die dir flu- Weiterhin wird dann ein inniges Gebet gegeben, daß die Freiheit der Culte in Spanien endlich Platz greife. Wir empfingen gestern auch abermals ein Schreiben von dem israelitischen Confistorium zu St. Esprit (Bayonne), worin ebenfalls über die günstige Aufnahme unseres Memoire's von den verschiedenen Journalen in Madrid berichtet wird. Der Clamor Publico hat das Memoire in seinem ganzen Umfange abgedruckt und ihm eine Einleitung vorangeschickt, welche das Confistorium trfes-sage nennt. Es werden uns Eremplare zukommen, und werden wir dann nicht unterlassen, unfern Lesern eine solche Stimme aus Spanien hörbar zu machen. Das jüdische Schulwesen in Preußen. Wir bemerken mit Vergnügen, daß außer vielen Rabbinen und Lehrern uns bereits zwei israelitische Schulvorstände ihre Vollmacht zu dem behufs besserer Regulirung des jüdischen Schulwesens in Preußen einzureichenden Memoire eingesandl haben, nämlich die zu Aachen und zu Schmiegel. Es möge dies zu weiterer Nachahmung empfohlen sein, um die Zahl der Unterschriften immer imposanter zu machen. Ueber die ftaglichen Zustände selbst find uns verschiedene Berichte zugekommen, von denen wir einige hier mittheilen wollen. Neuwied, 25. December 1854. ES dürste vielleicht manchem meiner Collegen angenehm und überhaupt von Interesse sein, zu erfahren, daß die Regierung das materielle Wohl der jüdischen Lehrer bisheran schon nicht ganz außer Acht gelassen hat, und daß die Hoffnung auf Erfüllung einer, nach dem Sinne Ihres Auftufs in Nr. 50 der Allgemeinen Zeitung des JudenthumS zu verfassenden Petition nicht so sehr unge-