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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-01-01 · Heft 1 (1.1.1855) · p. Seite 10

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 1 (1.1.1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Correspon-enz. Alzey, den 10. November 1854. Wenn Referent sich gedrungen fühlt, in folgenden schwachen Zügen die jüngsten religiösen Vorgänge seiner Gemeinde zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, so bestimmt ihn dazu das ihm hiedurch werdende Gefühl der eignen Befriedigung — erzeugt durch die öffentliche Aussprache dessen, was das Herz trägt und bewegt — wie nicht minder die zur Pflicht werdende offene Anerkennung, auf die eine für religiöse Interessen opferbereite Gemeinde zu machen berechtigt ist, und der Dank gegen die Oeffentlichkeit, die ja auch ihrerseits anregend und belebend auf uns gewirkt hat. — Unsere 50 — 60 Glieder zählende Gemeinde feierte nämlich am 20. October auf eine wahrhaft erhebende Weise die Einweihung einer neuen Synagoge und Thora, ein Fest, welches eine beträchtliche Anzahl Fremder aus der Nähe und Ferne als Zeugen der frommen Feier herbeiführte, deren Eindruck auf die Genossen unserer Gemeinde wie auf alle Theilnehmer auf lange Zeit in erhebendem Andenken bleiben wird. Die Israeliten hiesiger Gemeinde hatten bislang ein schlechtes, in einem Stadtwinkel gelegenes Gotteshaus, der Gottesdienst selbst'lag bis zur Ankunft unseres Rabbinen, des vr. Adler aus Worms, noch ziemlich im Argen; die halbe Verwahrlosung blieb nicht ohne Folge für's Leben. Der religiöse Jndifferentismus fing an Wurzel zu schlagen, selbst die Heiligkeit der Sabbathe und der Festtage hatte theilweise bereits zu weichen begonnen. Von einem gedeihlichen, fruchtbringenden Religionsunterrichte kein Gedanke. So fand unser Rabbiner das Feld seiner Wirksamkeit. Die Verwirklichung der von diesem gleich Anfangs intendirten Beffergestaltung des Cultus hatte indessen an dem Mangel einer geeigneten Synagoge bedeutenden Widerstand. Zwar verwirklichte die Gemeinde, so weit thunlich, die Resultate der Rabbinerversammlung innerhalb ihrer Mitte ohne weitern Kampf; sie hatte Herrn llr. Adler mit dem Religionsunterrichte in der Volks- und Realschule, sowie in dem Privatinstitute bettaut, in der Person des Herrn Heinbach einen tüchtigen Cantor erworben, der zugleich die Kinder hebräisch lehtt, nebst dem ftciwilligen, uncntgcldlichen Privatunterricht des Rabbiners im Urterte der Bibelabschnitte der Väter u. dergl.; sic hatte noch außerdem gcthan, was in ihren Kräften stand, z. B. zwei Vereine errichtet, deren jeder bereits einen Capitalstock von 1000 Fl. besitzt und für alle wohlthätige Zwecke wirksam ist, immer aber fehlte das Wichtigste, eine würdige Synagoge. Da ttaten denn einzelne für die Sache begeisterte Männer unserer Gemeinde auf, kauften auf eigene Kosten den Bauplatz, zugleich ein anstoßendes Gebäude mit Hof und Garten für den geliebten Rabbinen, Anfangs nur auf die Dauer se i - ner hiesigen Wirksamkeit, auf Anstehen desselben aber für jeden Nachfolger und das Ganze der Gemeinde zum Geschenk machten. Am jp'-jd mr hatte der Bau seinen Anfang genommen. Grundsteinlcgungsfestlichkeiten fanden nicht statt, die Gemeinde beschloß, die bei derlei Veranlassungen gebräuchlichen Feierlichkeiten gänzlich zu unterlassen. Obige Schenkgeber vereinigten sich, aus ihren Mitteln die etwa auf 80 Fl. belaufenden Unkosten zur Anfertigung einer Scfcr Thora zu bestimmen, die jetzt gleichfalls unsere Synagoge ziert; die Restsumme für die Anschaffung dieser Gesetzrolle wurde durch einen Verein von Frauen mit ungefähr 50 Fl. gedeckt. Schon nach anderthalb Zähren stand das Prachtgebäude, etwa 10,000 Fl. kostend — eine für die in ihrer Mehrzahl wenig bemittelte Gemeinde nicht unbettächtliche Summe, auf dem Platze, den früher ein Augustiner- Kloster deckte, fertig da. Selten mag wohl ein Gegenstand die Gemüther unserer Gemeinde mehr im Voraus beschäftigt haben, als jene Feier, die den Freunden unseres gottentstammtcn Glaubens ein lohnender Kranz ward und ihren herzerhebenden Eindruck auch auf Schreiber dieses noch fortdauern läßt. Schon am Freitag Nachmittag beim Abfchiedsgottesdienste im alten Gebäude bethätigte die große Zuhörerschaar, zu der auch die Beamten der Verwaltung und der Justiz, sowie die protestantische Geistlichkeit gehörte, den innigsten Antheil, welchen sie dem neuen Gotteshause widmete, schon da war es die fteudigste Rührung, die sich der Herzen Aller bemeisterte, als unser Rabbiner, dem zuvor von mehreren Frauen ein kostbarer Ornat zum Geschenk war gemacht worden, begeistert und begeisternd, gerührt und rührend das alte Gotteshaus mit der alten, das neue mit der neuen Zeit verglich und die der Lade entnommene Thora als das köstlichste und alleinige Kleinod pries und schilderte, das uns auf allen Zügen durch's Leben begleiten müsse. Nach vorausgegangenen, abwechselnd von Vorbcter und Gemeinde vor-- getragenen Psalmgebeten setzte sich der Festzug unter Anleitung der hierzu Deordetten und dem Voranschreiten der Aeltesten mit den Gesetzrollcn, still und feierlich, die zahl-

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