Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 muntermlg der Frömmigkeit und gute Sitten, alles nach den Grundsätzen der christlichen Religion, ferner durch Verbreitung nützlicher Kenntnisse, vorzüglich unter den niedern Standen. Dieses Gesuch soll durch zwölf Mitglieder des Departements unterstützt sein. 2) Die Direction bringt Beides zur Kenntniß der Departements - Versammlung. 3) In der folgenden Sitzung saßt die Versammlung durch geheime Abstimmung Beschluß. 4) Wenn ein Fünstheil der Mitglieder dagegen stimmt, ist der Candidat nicht angenommen. Wie Sie sehen, hieß das, sich mit der Welt zum Besten haben. Währenddem die Christen durch die Direction ausgenommen werden, sollten sich die Juden der geheimen Abstimmung einer ganzen Versammlung unterwerfen, und sobald ein Fünstheil dagegen stimmte, nicht angenommen sein. Ich spreche noch nicht einmal von den andern Beschränkungen. Dann hätte man lieber offen sagen sollen: Wir wollen keine Israeliten! anstatt ein scheinbares ZugestLndniß zu geben, dessen Resultat gewesen wäre, keinen Israeliten aufzunehmen. In diesen Tagen hat die Versammlung jene Vor- - schlüge erörtert. Die Sitzung gehörte zu den interessantesten. Ueber 80 Mitglieder wohnten derselben bei. Die DiScusfion, schon durch ihren Gegenstand bemerkenSwerth, erlangte durch die Personen, die daran Theil nahmen, noch ein besonderes Interesse, da mehrere von ihnen einen ungewöhnlichen Ruf genießen. DaS Resultat der Berathungen war: daß die Vorschläge nicht alle angenommen wurden. Es wurde bestimmt, daß die Israeliten sowohl wie die Christen von der Direction als Mitglieder ausgenommen werden können: nur müssen sie sich der Bedingung unterwerfen, selbst daS Gesuch zu unterschreiben, und förmlich ihren Willen erklären, in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen der christlichen Religion zu den Zwecken der Gesellschaft beizutragen. DieS ist nicht Alles, aber eS ist viel. Gewiß ist eS demüchigend für die Israeliten, daß man von ihnen eine Erklärung verlangt, welche die Andern nicht zu geben brauchen; aber eS ist ein großer Fortschritt, und wer vor zehn Jahren gesagt haben würde, daß die Israeliten Mitglieder der besagten Gesellschaft werden könnten, den würde man ausgelacht haben. So wollen wir hoffen, daß der Geist des Jahrhunderts die Wolken, welche noch hie und da bestehen, ganz vertreiben werde, und daß daS Licht sich überall und für Alle Bahn brechen möge. (So weit der Berichterstatter. Wir vermögen nicht, zu beurtheilen, wie weit nach den dortigen Verhältnissen die Theilnahme an jener Gesellschaft für unsere holländischen Glaubensgenossen ein Bedürfniß ist — sonst würden wir von unserem Standpunkte auS glauben, daß es eine Demüthigung sei, für einen Israeliten eine, wie oben geforderte Erklärung zu unterschreiben. Denn entweder sind es specifisch-christliche Grundsätze, zu denen diese Erklärung verpflichten soll, und dann kann der Jude sie nicht unterschreiben; oder aber es sind doch nur die Grundsätze, welche das Judenthum von jeher gehabt und noch hat, und dann ist eS eine Kränkung des Judenthums, jene Grundsätze als christliche zu bezeichnen, und das soll der Jude nicht. Redact. d. Allg. Zeit. d. Jud.) Literarische dkachrichten. Worms, im December. Bei Joseph B a e r (in Frankfurt a. M. 1855, 32 °.) ist erschienen: „Bibelverse für alle Tage des Jahres. Ein Gedenkbüchlein für die israelitische Jugend" (Anonym und ohne Vorrede). Dieses auf das Splendideste ausgestattete Büchlein besteht aus 52 Abschnitten zu je 7 Versen aus dem alten Testament und Sirach und enthält somit so viele Verse als das Jahr Tage zählt; da dieses zuweilen 366 Tage hat, so enthält der letzte Abschnitt 8 Verse. Die Sprüche sind durchgängig kernig und anziehend. Zuletzt folgt ein Verzeichniß der Verse. Die Discretion gestattet mir nicht, den Namen der hochherzigen Verfasserin zu nennen, die auf ihre Kosten das Büchlein besorgte und es zum Geschenk an arme Kinder bestimmte; doch darf ich wohl bemerken, daß sie zu einer der glänzendsten Familien des Judenthums gehört, und dieses erhebende Zeugniß des religiösen Sinnes kann nur unsere Hochachtung und Verehrung von dem ruhmreichen Namen dieser Familie steigern. Das Büchlein erschien in zwei Ausgaben, in deutscher und englischer Sprache. — Von meiner Schrift 2w'mp',T£ mos: ist bereits der 7. Dogen gedruckt, und wird dieselbe bald die Presse verlassen. llr. L. Lewysohn. 1