Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 reichen Beamten in ihrer Staatsuniform an der Spitze, nach der neuen Synagoge in Bewegung. Die ganze Stadt war auf den Beinen, die Straßen gedrängt voll Menschen, die Fenster der Häuser, vor denen der Zug vorbeiging, mit Neugierigen besetzt und Alles verrieth durch Miene und Haltung die höchste Ehrerbietung. An der neuen Synagoge angekommen, empfing der Gr. Krcisrarh vom Gr. Baumeister unter Ansprache des Letztern den auf einem Kiffen im Zuge vorangetragenen Schlüssel, überreichte ihn mit feierlicher Anrede dem ersten Vorsteher, das Hauptportal wurde erschloffen und die Theilnehmer traten in das Gebäude, daS einen herzerquickenden Anblick bot. Der Styl des Gebäudes ist zum Verhaltniß der Kosten kunstvoll zu nennen. Schon das Acußere macht einen vortheilhaften Eindruck. Die Sitze find bequem, die Räume hell, in akustischer Hinsicht ganz vorzüglich, von den Vorträgen des Rabbiners und des Cantors geht auch nicht eine Sylbe verloren. Die nach altjüdischer Sitte von dem Männerplatze abgesonderten Fraucnfitze erheben sich oberhalb des Schiffes amphithcatralisch und gewähren nach allen Seiten einen freien Ucberblick. Der Vorhang, die Kanzel, der Tisch mit rothem Sammet und prachtvollen Goldstickereien verziert, das Geschenk eines hiesigen Damen-Vereins, die Kronleuchter und Candelaber, ebenfalls Geschenk eines Männer-Vereins, find von wahrhafter Pracht. An den Wänden befinden sich mehre Inschriften und, was zur Nachahmung zu empfehlen, zwei schöne Tafeln, die eine mit der Zeitbestimmung zum jedesmaligen Gottesdienste, die andere das Stück der Thora- Vorlesung nach dem dreijährigen Cyclus und die Hafthoroth bezeichnend. Die festliche Beleuchtung erhöhte noch den schönen und würdigen Eindruck in nicht geringer Weise. Die Einweihungs-Feier selbst -begann nach dem Präludium mit der Orgel durch den Gesang des -,212 fin von einem aus der männlichen und weiblichen Jugend zusammengesetzten ziemlich starken Chor. Alle, mitunter künstlerisch ausgearbeiteten Gesangpiccen wurden eract vom Chore erecutirt. Auch die Solostücke hatte unser Cantor ganz beftiedigend und erhebend ausgeführt. Der Glanzpunkt der Feier war die bereits im Druck erschienene Predigt unsers Herrn Rabbiners, die nicht blos die Objecte, sondern auch die wirkenden Subjecte der Synagoge seiner scharfsinnigen und taktvollen Betrachtung unterwarf und in wohlthuendster Wärme, Klarheit und überzeugender Kraft alle Punkte, welche die Feier darbieten konnte, mit einem Scharfblick erkannte und durchfuhrte. Auch die am Sabbathmorgen gehaltene Predigt war mit derselben Meisterschaft zur vollsten Beftiedigung der Zuhörer vorgetragen. Die Rede dauerte über eine Stunde und doch kam daS „Amen" einem Jeden zu ftüh. In heiliger und ftöhlichcr Stimmung wurde der ganze festliche Tag verlebt. So besitzt denn nun unsere Gemeinde eine herrliche Synagoge, die, wenn auch nicht an Größe, doch an Zweckdienlichkeit und vcrhältnißmäßiger Schönheit allen andern derartigen Bauten zur Seite sich stellen kann; sie besitzt eine der Bildungsstufe der Gemeinde vollkommen entsprechende und ansprechende Liturgie, einen abgekürzten Perikopen - Cyclus, von deutschen Uebersetzungen und Erklärungen des Rabbinen begleitet, deutsche Hasthoroth, einige deutsche Gebete in Verbindung mit den hebräischen und dann, was wesentlich zur Belebung des Gottesdienstes beiträgt, häufige Abwechselung der Gemeinde mit dem Cantor durch Responsorien. Das Gute, auS der Wirksamkeit eines dem Gemeindeinteresse mit ernster Sorgfalt obliegenden und mit dem Rabbiner Hand in Hand gehenden, sowie auf eine tüchtige Anzahl wohlgesinnter Gemeindeglieder sich stützenden Vorstandes, entstammend, hat auf den in Cultussachen sonst nur der Gewohnheit lebenden Thcil der Gemeinde so mächtig gewirkt, daß nirgends ein Widerspruch dagegen sich erhebt, vielmehr Alles seine herzliche Freude mit den Errungenschaften der Gemeinde ausdrückt. Namentlich verdient das uneigennützige, eifrige Bemühen des ersten Vorstehers, des Herrn Simon Mayer, die rühmlichste Anerkennung und ist ihm auch diese vor einem Jahre bei Gelegenheit der Feier seiner silbernen Hochzeit durch einen von mehren Gemeindegliedcrn angcschafften und überreichten, mit Inschriften versehenen Pokal nebst Widmungsschreiben äußerlich zu Theil geworden, eine Thatsache, die unter Juden leider! nicht sehr häufig Vorkommen dürfte. Anzeigen. krimo April 1855 wird die Stelle eines ReligionSlehrers und Cantors bei hiesiger Gemeinde vacant; außer fteier Wohnung und Heizung ist daS Gehalt 180 Thlr. Die hierauf Reflectirenden wollen sich unter Vorlegung ihrer Zeugnisse persönlich an Unterzeichneten wenden, wobei bemerkt wird, daß nur Unverheirathetc engagirt und Reisekosten nicht vergütet werden. Duislacken i. d. Rheinprovinz, im December 1854. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde.