Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 Religionsschule gar nicht zu denken ist, so dringend daS Bedürfniß und bei Vielen auch das Verlangen. Als daS Gesetz von 1847 auch hier in Anwendung kommen sollte, glaubte man eine kurze Zeit an die Vereinigung der getrennten Gemeinden. Aber als diese forderten, getrennt zu bleiben, so drückte die königliche Regierung selbst ihre Zufriedenheit damit aus. Sie trug nur auf Abgrenzung in Stadtbezirke an, aber nachdem ihr dieser Modus als unausführbar dargestellt ward, erklärte sie, es beim Alten belassen zu wollen. Die Herstellung einer ReligionSschule gehört demnach vorläufig wieder zu den Unmöglichkeiten. Oberfitzko, im November. (Privatmitth.) Am 23. d. M. Abends ’Ml Uhr hat die hiesige Gemeinde durch das Hinscheiden ihres Rabbiners Simon Zuckermann, nachdem er derselben mit segensreichem Wirken 26 Jahre lang als Seelsorger vorgestanden, einen herben, sehr schwer zu ersetzenden Verlust erlitten. Wer seine auSgebreiteten talmudischen Kenntnisse, seine ungeheuchelte Frömmigkeit, die nie in Fanatismus bei ihm ausartete, seine liebevolle Persönlichkeit, vorzüglich aber seine unermüdliche Thätigkeit und Treue im Amte*) gekannt hat, der kann sich den Eindruck vorstellen, den die am frühen Morgen verbreitete SchreckenSkunde von seinem Hintritt auf die ganze hiesige Einwohnerschaft hervorbrachte. — Eine tiefe Trauer spiegelte sich auf allen Gesichtern ab, die dem Leichenzuge am 24. Nachmittags 2 Uhr folgten, dem sich auch die christlichen Honorationen anschlossen. Kein Auge blieb thränenleer, als die Bahre vom Trauerhause nach der Synagoge gebracht wurde und hier der, gemäß den letztwilligen Bestimmungen des Verklärten, auS Posen her berufene Prediger, Herr Pleßner, in einer tief ergreifenden Rede, mit Bezugnahme auf das Herannahen deS Sabbalh, eine schöne, sinnreich gedeutete Midraschstelle zu 1. Buch Mos. Cap. 2 V. 1 zu Grunde legend, die Größe des Verlustes schilderte, zugleich auch auf den Morgen und Sabbalh hinwies, *) In der letzten Zeit von Schmerzen und Leiden des Körpers sehr stark heimgesucht, bedauerte er es tief, daß er seinen Beruf vernachlässigen müsse, und als er auch behindert wurde, die Predigten an bestimmten Sabbathcn zu halten, bot er ftciwillig den Corporations-Behörden eine Verminderung seines Gehalts an. der jetzt für den Seligen herangebrochen sei. — Langsam und feierlich bewegte sich hierauf der Trauerzug, voran ein Mann, deS Verewigten noch nicht veröffentlichte Schriften tragend und die Worte: ns*T “|““b pnL Irnnm V-r brwz rra; ■’S ausrufend, nach dem Friedhofe, wo ein sehr würdiger Sohn des Verstorbenen und noch zwei andere ehrenwerthe Männer den Gefühlen ihrer Trauer Worte liehen. — Am darauf folgenden Sabbalh hatte Herr Pleßner die Güte, auf die Bitte des Corporations-Vorstandes einen Vortrag in der Synagoge zu halten, worin er sehr gedankenreich den Nutzen, daß der Allweise dem Sterblichen die Zukunft verhüllt habe, entwickelte. Seine Worte brachten Trost und Stärkung den traurigen Herzen und machten auch zugleich im größten Theil der CorporationS-Mitglieder den Wunsch rege, den erledigten Lehrstuhl bald mit einem würdigen Nachfolger besetzt zu sehen, damit eS nicht der hiesigen Gemeinde wie mehreren unserer Provinz ergehe, denen das geistliche Oberhaupt schon seil Jahren fehlt, die auch daher einem gänzlichen Verfalle preisgegeben sind. Lobend ist eS anzuerkennen, daß auch bereits von den Corporations-Behörden Schritte zur Wiederbesetzung der Stelle gethan werden. — Der Verlust könnte möglicherweise einigermaßen ersetzt werden; doch wird Nichts vermögen, das Andenken an den Seligen aus dem Herzen der Gemeindeglieder zu bannen. ü-ot A. B.r. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 20. December. (Privatmitth.) Es bestehen hier zwei Trauergottesdienste — Requiem — die alljährlich gehalten werden, das eine für die sei. Frau Diederman, das zweite für den sei. Herrn Herman Todesco. Bei dem Trauergottesdienste, der jüngst für den Letzteren ftattfand, benutzte Herr Manheimer die Gelegenheit, die Erben aufmerksam zu machen, daß sie daran denken, die Stiftung, die der Dahingeschiedene für jüdische Handwerker gemacht, fruchtbringend zu machen. Derselbe machte nämlich eine Stiftung von l 0,000 Fl., wo die Interessen, per 500 Fl. alljährlich, zur Unterstützung an jüdische Meister gegeben werden sollten, die sich hier etabliren. Nun