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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-01-01 · Heft 1 (1.1.1855) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 1 (1.1.1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 lauf des Jubeljahres einen Schritt zu thun, im Vertrauen auf die gute Hand unseres Gottes, der fein eigenes Werk weiter führen wird. Es ist ein wahres Wort: „wenn man ein Volk an den Bettelstab bringt, so demoralisirt man es," waS auch durch unseren Talmud bcstäkigt wird, welcher sagt: Alles Studiren deS Gesetzes wird sich zuletzt als nichtig und vom Uebel erweisen, wenn kein Handwerk damit verknüpft wird, und ist dieS nicht hier der Fall gewesen? Die Herren Sequerra und Comp, in London haben sich erboten, mich hier zu unterstützen, wenn ich mich in ihrem Plane, jüdische Ansiedelungen in Palästina zu befördern, ihnen anschließen wollte. Aber da ich gewahr wurde, daß sie unserem heiligen Gesetze entgegen, Erod. 34, 12, eine Uebereinkunft mit nichtjüdischen Bewohnern des Landes schlossen, welche zuletzr sich nur als eine Schlinge für sie erweisen würde, so weigerte ich mich, ihnen zu sagen, in welcher Weise jene sich ihnen als einen Fallstrick erweisen würden, daß wir nämlich der Anzahl nach daö kleinste aller Völker wären, und daß alle ihre wichtigsten Entscheidungen von der Majorität geregelt werden würden und daß sie folglich zuletzt noch zu christlichen Bekehrungsansiedelungen, statt jüdischer Ansiedelungen, dem einzigen Gotte Israels gewidmet, werden müßten. Ich vergaß, eines sehr wichtigen Punkres zu erwähnen: wir find hier in Jaffa nun unter amerikanischem Schutze, Capitajn Turner, welcher Jerusalem besuchte, theilte uns mit, daß er vom Commodore unserer Schwadron Befehl hätte, Jaffa zwei- oder dreimal jährlich mit seinem Kriegsschiffe zu besuchen, um darauf zu sehen, daß die Amerikaner in allen ihren Rechten beschützt würden und unbelästigt blieben. M. C. B. Israel, früher Warder Cresson. Deutschland. Aus dem Fürsteuthum Birkenfeld, im December. (Privalmitlh.) Unlängst hat der oldenburgische Staatsminister v. Berg bei Gelegenheit einer im hiesigen Fürstenlhum vorgenommenen Inspektion auch persönliche Einsicht von der Beschaffenheit der hiesigen Synagoge und der jüdischen Schulen genommen, was man wohl in den übrigen deutschen Landen und Ländchen zu den Raritäten zählen dürfte, bei unS aber, die wir schon seit Jahren die Früchte vollster Gleichstellung genossen und gesetzlich und in der PrariS als gleichberechtigte StaatSgenossen angesehen und behandelt werden, nur als nothwendige Consequenz des geltenden Princips betrachtet wird. Unser Landrabbiner hatte sich noch eines desondern Besuches deS hohen Beamten zu erfreuen. Wie aber bei solchen Gesinnungen das gegenwärtig dem oldenburgischen Landtage unterbreitete neue Schulgesetz die jüdische Schule des Herzogthums übergeht und übersieht, ist um so mehr ein unlösliches Räthsel, als es der auch nach Oben allgemein geachte Landrabbiner Wechsler sicher nicht an Geltendmachung der Rechte seiner Glaubensgenossen hat fehlen lassen und die Schulen des hiesigen Fürstenthums in Folge ihrer Gleichstellung mit den christlichen Schulen seit 1848 aus der Casse der politischen Gemeinde beziehungsweise deS Staates ihre Bedürfnisse ziehen, auch die Landrabbiner theilweise aus Staatsmitteln besoldet werden. Hoffen wir, daß die humanen Mitglieder des Landtages die besagte Lücke noch rechtzeitig ausfüllen. Unser CultuS geht unter der Aegide gesetzlicher Bestimmung seinen normalen Gang, doch sorrwährend im Sinne und Geiste der neuen Zeit. Rückschritte, wie hie und da von andern Gegenden verlauten, kennen wir hier nicht. Bezüglich der Schule nur die Mittheilung, daß wir in Kurzem vom Lehrer Em. Hecht, dessen Schulschriften eine große Verbreitung gesunden, eine Geschichte Israels bis auf die Gegenwart zu erwarten haben, die einem vielfach geäußerten Bedürfnisse vollkommen abhelfen wird. Er verflechtet die Geschichte der Juden mit der deS Judenthums, schildert mehr daS Culturhistorische als das Politische, daS Judenthum in seinem Wirken und Hoffen mehr als in seinen äußeren Erlebnissen und in entwickelnder Erzählform, in der Weise, wie er die biblische Geschichte erzählte. Wir glauben schon jetzt das jüdische Lehrerpersonal auf diese Arbeit aufmerksam machen zu sollen; nur ist zu wünschen, daß die Reichhaltigkeit und Größe derselben keinen hohen Preis nothwendig mache. Preußen. Danzig, im December. (Privatmitth.) Sie kennen die eigenthümlichen Verhältnisse Danzigs. Die hiesigen Israeliten sind seit alter Zeit in fünf Gemeinden getrennt, deren jede durch die Erhaltung ihres gesonderten CultuS und dessen Apparats von Beamten so belastet ist, daß an die Herstellung einer

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