Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Die Ercellenz hatte wirklich die Freundlichkeit gehabt, mir so lange zuzuhören; sie antwortete jedoch nur mit einer Floskel — denn am Ende will man das lebendige Judenthum am wenigsten. Der Wiedereintritt der Inden in Spanien. Nach den neuesten Berichten hat die Commission der Cortes zur Entwerfung einer Verfassung zwar nicht die Freiheit der Culte, wohl aber die vollständige Duldung der Nichtkatholiken (der Juden und Protestanten) in den Verfassungsentwurf ausgenommen. ES würde hiermit die freie Niederlassung und Ausübung der bürgerlichen Rechte, wenn auch noch mit Ausschließung von Staatsämtern, gegeben sein. Dieser erste große Schritt könnte nur als eine günstige Erreichung unseres Zieles betrachtet werden und wir würden uns glücklich preisen, dazu beigetragen zu haben. Es versteht sich, daß wir anonyme Angriffe der Augsburger Allgemeinen Zeitung, deren Quelle noch dazu eine sehr zweifelhafte ist, nur mit verachtendem Stillschweigen übergehen können. Das jüdische Schulwesen in Preußen. Unsere Aufforderung in Nr. 50 v. I. hat bis jetzt einen günstigen Erfolg gehabt, und was uns besonders erfreut. hat bereits eine Anzahl hochachtbarer Rabbinen ihre Bevollmächtigung, begleitet von schätzbarem Material, cingesen^. Das Bedürsniß, auch bei geringer Hoffnung des Erfolgs, unsererseits unsere Pflicht zu thun, und eine klare, offenherzige Darlegung öffentlich abzugeben, ist somit anerkannt. Wir geben aber noch einmal zu erkennen, daß wir nur dann Vorgehen werden, wenn eine sehr große Zahl von Rabbinen und Lehrern sich uns angeschloffen hat, sowohl weil wir nur dann einen günstigen Erfolg irgendwie erwarten können, als auch weil wir dieses einzige Mittel durch ein zu partielles Vorgehen nicht zu gefährden für Pflicht halten. Wir wollen daher den Termin zur Einsendung der Vollmachten bis zum 1. Februar verlängern. — Wir wissen sehr wohl, daß mit der Erreichung der angegebenen drei Punkte noch nicht Alles erreicht ist, und daß namentlich die Mittel zur Ausbildung der Lehrer vermehrt werden müssen. Aber nur dann erst, wenn wir dem Lehrer eine gesichertere Eristenz anbielen können, ist es Zeit, eine größere Anzahl Jünglinge zum Lehrfach und zu reiferer Ausbildung in demselben zu reizen. Aphorismen. In feinen „musikalischen Charaktcrköpfen" (Stuttgart 1853) vergleicht Riehl Felir Mendelssohn mit Sebastian Bach, indem er in Bach den höchsten Componisten deS deutschen Bürgerthums, in Mendelssohn den der gebildeten deutschen Gesellschaft findet, überhaupt den Enkel des großen Juden nach seinen außerordentlichen Verdiensten als Regenerator der deutschrn Musik, der die moderne Musik an die großen Muster Bach und Händel wieder anknüpste, würdigt. Unter Anderm sagt er: „Wir sehen in ihm einen Tondichter jüdischer Abstammung, der nicht jüdelte in seiner Schreibart, während fast alle christlichen Lieblingscomponisten des Tages jüdelten." An einer andern Stelle: „Mendelssohn hat nie seine Nationalität verrathen; wie gar wenige deutsche Meister giebt cs, die ihm hierin zur Seite zu stellen find!" — Was sagen wohl hierzu unsere neuesten christlich-germanischen Judenfeinde? Der einzige neuere deutsche Componist ein Jude! Der Wiedcrhersteller eines reinen, ernsten und dennoch mannichfaltigeren Kirchenstyls ein Jude! — Von Meyerbeer wird dagegen desto öfter behauptet, daß er „jüdele." Ich las neulichst eine Kritik, in welcher von Meyerbeer behauptet wird, daß er seine besten Melodien dem Synagogencultus entlehnt habe. Obgleich dies nur cum grauo sslis zugestanden werden kann, so ist es doch, namentlich bei den ersten Werken Mcyerbeer's, z. B. Robert dem Teufel, sicher der Fall, und bei vielen Piecen ist wenigstens eine synagogale Färbung nicht zu verkennen. Meyerbeer hat demnach unter Anderem auch das Verdienst, Elemente des jüdisch-nationalen Gesanges in die allgemeine Mufikwelt eingeführt zu haben. Freilich wird sich hier die Strcitftage erheben: was ist an dem Synagogal-Gesang Original? Die Melodien der portugiesischen, deutschen und polnischen Synagoge sind durchweg verschieden, und nicht blos äußerlich, sondern auch in ihrem ganzen Charakter. In allen dreien spricht sich aber auch der Charakter des Landes aus, und man wird z. B. dem jüdisch-polnischen Gesang die slavischcn Grundzügc zugestehen müssen. Eben so sicher ist cs, daß viele alte Synagogenmelodien altdeutsche Volksmelodien, ja sogar alter Kirchengesang waren. Wir bemerken hier- 1*