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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-12-26 · Heft 53 (26.12.1853) · p. Seite 673

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 53 (26.12.1853)
Date
1853-12-26
Page
Seite 673 (sequence 5)
Language
German
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673 gen sein sollte, so würde dieS dem „Sinn und Streben unsrer Juden sür Jugendbildung" allerdings nicht das beste Zeugniß ablegen. OefierreichLscher KaLserstaat. DFien, im Dezember. Der vielbesprochene Erlast in Böhmen ist immer noch nicht aus der Welt geschwunden, er lebt nicht, er stirbt auch nicht, und Memand weist, wie eS eigentlich um ihn steht? Jüngst enthielten die Blätter darüber Folgendes: DaS „Salzburger Kirchenblatt" versichert mit Bestimmtheit, daß der Erlaß, wonach eS Juden nicht gestattet sein soll, christliche Dienstboten auszunehmen, wirllich ergangen ist. Bekanntlich hat ein hiesiges Blatt dem bestimmt widersprochen. Zugleich erwähnt daS „S. K." eines weitern Dekrets, nach welchem jüdischen Handelsleuten die Ausnahme christlicher Lehrlinge eben so wenig als den jüdischen Meistern gestattet ist; auch ist verboten, daß israelitische Privatlehrer christliche Kinder in den lebenden Sprachen oder in den gewöhnlichen Elementargegenständen unterrichten." Ferner: „Von dem Stallhaltereierlaß, welcher auf die Vornamen und die christlichen Dienstleute der Juden sich bezieht und dessen Eristenz in Abrede gestellt worden ist, wurde inzwischen der wörtliche Inhalt bekannt, nach welchem die Sachlage sich einigermaßen anders gestaltet, als sie bisher aufgefaßt wurde. ES muß hier vorerst eingefügt werden, daß dieser Erlaß auf Anzeigen, welche an die k. k. Statthalterei in Prag hinaufgelangten, erfolgte. Der Erlaß selbst sagt nur, daß allerdings ältere Verordnungen eristiren, wodurch einerseits eine Zahl von Vornamen aufgeführt wird, deren sich die Israeliten bedienen dürfen, andrerseits aber denselben verboten wird, christliche Dienstboten zu halten. Da nun diese Verordnungen nicht außer Kraft gesetzt sind, so sei eS der Geistlichkeit unbenommen, durch Ermahnungen ihre Pfarrkinder vom israelitischen Dienst abzuhalten, und für den Fall, daß christliche Dienstboten durch ihre israelitische Herren vom christlichen Kultus abgehalten würden, die Assistenz der politischen Behörden anzurufen. Da ferner die Pfarrgeistlichkeit die BevölkerungStabellen führt, so habe sie darüber zu ^wachen, daß israelitische Kinder nicht mit Vornamen eingettagen werden, welche in daS Namenregister vom Dezember 1787 nicht ausgenommen sind." (Löse dies Räthsel, wer kann? Jedenfalls eristirt der Erlaß so wett,, daß der gute Wille recht viel daraus machen kann!) Lemberg, 15. Dezember. (Privatmitch.) Die Verhältnisse unsrer Gemeinde sind in letzter Zeit ein Gegenstand oftmaliger Besprechungen in Ihrem geschätzten Blatte geworden. ES dürfte vielleicht sein, daß auch die folgenden etwas dazu beittagen, den ohnehin sehr regen Eifer für alles Bessere in unsrer Gemeinde wach zu erhalten. Noch immer ist unser Gemeindevorstand und besonders Herr Dr. Barach- Rappaport, Herr I. Rosenstein, und Herr I. Kolischer mit der Gründung zweier Trivialschulen unermüdlich beschäftigt; noch immer find die Gemeindevorsteher und Schulinspektoren, Herr Dr. Kolischer und Herr Dr. Blumenfeld in ihren ruhmwürdigen Anftredungen für den Fortschritt unsrer Gemeinde begriffen; noch immer unterhandelt unser würdiger Ausschuß, vereint mit dem Vorstande, wegen Besetzung der hiesigen Predigerstelle durch Herrn Rabbiner Löw. Allein eS wundert unS sehr, daß eS diese einsichtsvollen Männer zu übersehen scheinen, daß je länger man mit der Anstellung eines Predigers zögert, je mehr ihnen die Hoffnung genommen wird, Einen je anstellen zu können; denn die für denselben bestimmten, einträglichen Funktionen suchen manche Individuen durch Jntriguen und Machinationen bei den Behörden definitiv an sich zu bringen, ohne mindeste Rücksichtsnahme, daß dadurch der Hauptzweck, daS geistige Wohl einer Gemeinde, der List des Eigennutzes und der Unbedeutenheit einer Nebensache geopfert wird. So wußte z. B. in letzter Zeit eine unberufene Person daS Recht zu erlangen, Brautleute auS den ReligionSgegenständeu beim hiesigen k. k. KreiSamte prüfen zu dürfen. Was sonst Derartiges zu erwähnen wäre, wollen wir pflichtschuldigst mit Stillschweigen übergehen; denn wir wissen, daß eS unser intelligenter Gemeindevorstand nicht mehr lange dabei wird bleiben lassen. Lemberg wird sicherlich der', czernowitzer Gemeinde, die in Herrn Dr. Igel einen strebsamen Prediger und Direktor gefunden, oder der fortschreitenden Gemeinde Brody'S nicht nachstehen wollen, die ebenfalls die Leitung 'ihrer KultuSangelegenhetten und BildungS-

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