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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-12-26 · Heft 53 (26.12.1853) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 53 (26.12.1853)
Date
1853-12-26
Page
Seite 672 (sequence 4)
Language
German
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672 Bv« Rhein, 20. Dezember. (Privatmitth.) Die königl. Regierung zu Düsseldorf hat in einem Erlaß an den Herrn Oberradbiner Bodenheimer vom 6. b. Verheißen: „daß die der Unterstützung bedürftigen (israelitischen) Lehrer, welche ein bestimmtes von der königl. Regierung genehmigtes Verhältniß zu den jüdischen Gemeinden habe», gelegentliche Unterstützung finden werden." — Wir wünschen, daß dieS bald und oft zur That werde, ferner, daßandere Rabbinen in Preußen fich auch der Lehrer annehmen mögen, endlich' daß dann andere königl. Regierungen in gleicher Weise resolviren mögen! A«s der Provinz Posen, 12. Dezember. ES giebt Vielleicht keine Gemeinde im ganzen Großherzogthume, welche so Viele Wohlthätigkeitsvereine auszuweifen hätte, alS die zu Lissa. An der Spitze steht der „Verein zur Bekleidung israelitischer Armenschüler und deren Ausbildung zum Handwerkerstande" — ein Institut, welches bereits 26 Jahre lang eristirt und mit jedem Jahre an AuSdchtmug gtwinnt. Der „Verein zur Verabreichung von Mittagsmahlzeiten an arme Rekonvaleszenten" erfreut sich auch schon eines länger den 15jährigen Bestandes und wird von seinem Gründer — dem jüdischen Arzte Dr. Schayer — ebenfalls von Jahr zu Jahr erweitert. Zu Anfänge des gegenwärtigen Jahrhunderts ist daselbst durch einen Talmudgelehrten eine Chewra (Gesellschaft) unter dem Namen: ■jT'aKb norm (Stütze der Dürftigen) ins Leben gerufen worden, welche ebenfalls noch besteht und den heiligen Zweck hat, alle Jahr für eine bestimmte Anzahl „verschämter Armen" die Miethe zu bezahlen. — Der „Frauenverein" unterstützt arme Wöchnerinnen, so wie der „Jungftauenverein" armen Bräuten zu Hilfe kommt. Von dem „Brodvereine" werden allwöchentlich zwei Mal Brode und andere Nahrungsmittel unter Arme vertheilt. Die man sorgt für „Nachtwachen bei armen Kranken," die v'npa« man für „Krankenverpflegung," die rin na 'n crnan für „Leichenwafchung, Beerdigung u. s. w." Außer den genannten Instituten giebt eS aber dort noch eine Menge anderer Vereine, die zwar nicht so ausgedehnt find, aber doch alle fammt und sonders die „Wohlthätigkeit" zum Zwecke haben. — An einem wichtigen Institute jedoch hat eS in der Gemeinde Lissa'S bis jetzt noch gefehlt, nämllch an einem Krankenhause — an einer Anstalt, in welche arme Kranke jüdischer Konfession gänzlich ausgenommen, geheilt und verpflegt werden könnten. Ein derartiges Institut zu gründen, ist der dafige Gemeindevorstand Seitens des Magistrats schon zu wiederholten Malen dringend aufgefordert worden, ohne daß eS bisher möglich gewesen wäre, dieser gerechten Mahnung irgendwie Folge zu leisten. Erst vor 14 Tagen haben ich der Repräsentanten- und BerwaltungSvorstand ernstlich der Sache angenommen, und, im ausschließlichen Interesse derselben, am 28. v. M. eine gemeinschaftliche Sitzung abgehalten, in welcher denn auch beschlossen worden, unter dem Namen: „Chewra Kadischa" einen Kranken- und Beerdigungsverein im ausgedehntesten Maßstabe ins Leben zu rufen. Zu diesem Zwecke war aus den 30. v. M. eine Generalversammlung sämmtlicher Gemeindemitglieder anberaumt und den Erschienenen daS bereits entworfene „Statut" vorgelegt worden, durch dessen Unterzeichnung Jeder seinen Beitritt zu dem genannten Vereine erklären sollte. — Wie jene Generalversammlung aber ausgefallen, ob Viele oder Wenige erschienen und die Statuten unterschrieben, was diese im Wesentlichen enthalten, und wie weit die Angelegenheit überhaupt bis jetzt gediehen — dies Alles werde ich Ihnen erst in meinem nächsten Berichte mitther- . len können. Wenn daS in Rede stehende Projekt zur Ausführung kommt, so wird den Vorstehern und Vertretern der Gemeinde Lissa'S jedenfalls viel Dank und Anerkennung gebühren. Bezüglich deS Artikels 66. „auS dem Großherzogthum Posen, 19. Nov.", welchen die Nr. 50 d. Bl. auS der „Voss. Z." gebracht hat, hätte ich für heute noch Folgendes zu bemerken. So authentisch, wie die „Vossische" wissen will, daß es snno 1815 im ganzen Großherzogthum Posen nur 5 jüdische Elementarschulen gegeben, während deren jetzt hier 73 vorhanden wären, — so authentisch weiß Ref., daß Ende 1843 der Regierungsbezirk Posen 50, der Regierungsbezirk Bromberg 20, die ganze Provinz also schon 70 jüdische Elementarschulen gehabt hat. *) Wenn also in den letzten 10 Jahren die gesammte Anzahl der jüdischen Schulen hier nur um 3 gestie- *) Vgl. BaekS „Die Provinz ober daS Großherzogthum Posen in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung." Berlin, 1847, bei Mittler. (§. 19.)

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