Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 52 (19.12.1853)
- Date
- 1853-12-19
- Page
- Seite 665 (sequence 9)
- Language
- German
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665 hielt, so lehnte dieser jede Kommunikation mit der gedachten Kommission ab, da er diese auf völlig illegalem Wege — nämlich mit Ausschließung rechtmäßig gewählter Abgeordneten — und zu ganz illegalem Zwecke — nämlich einer religiösen Inquisition erwählt ansehe. Die ganze Kommission ist daher — in Nichts zerfallen. Die Herren suchen nun die Schuld auf die West-London-Synagoge zu wälzen, indem sie darauf den Akzent legen, daß sie den Frieden und die Versöhnung gewollt — die Mitglieder der gedachten Synagoge aber erklären dies für jesuitisch, indem das bvsrck religiöser Formen wegen auSfchließe und inquirire, und freilich den Frieden wolle, wenn — man sich blindlings den Herren Dr. Adler und Sir MoseS unterwerfe. — In der Sitzung selbst stellte übrigens Herr B. S. Philips die Motion, die ausgeschlossenen Mitglieder aufzunehmen, und wird über diese in der nächsten Sitzung verhandelt. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Der Umgang mit Weisen. Eine Homelie auf Pirke Abot I, 5. (Schluß.) Also war es nicht immer in Zisrael gewesen. Die Liebe zum heiligen Wissen wohnte mächtig in dem Herzen, seine Förderung und die Sorgfalt für seine Träger war hochwichtigste Angelegenheit jedes Hauses. Tora war ein Freibrief, vor dem sich erschlossen alle Kreise. Einen geadelten Rang gab's, einen hochgestellten Orden, den der Weisheit. Den Weisen suchte jedes mächtige Haus auf, mit ihm knüpfte es verwandtschaftliche Bande*); .er war der Familie Stolz und Krone; denn man „bedeckte sich mit dem Staube zu Füßen der Weisen." Darob ergoß sich die Weisheit denn auch segenbringend über alle Beziehungen des Lebens, und verbreitete die Weihe der edelsten Gesittung allüberall hin; stärkte die Familienverbände, lehrte Maaß im Genüsse, haushälterische Sparsamkeit, wehrte alle feindseligen Einflüsse vom sittlichen Verhalten ab, erstarkte die Religion, brachte ihre Uebungen zur Blüthe, goß Trost für alle *) rosa» ananui wa' ‘pro rfn ba ('■• 'ia-ia) ynran aiap» absa airon vb» nba?7> Leiden in jede wunde Brust, und hielt auftecht de« GlaubenSmuth in allen Sturmen der Zeiten. „Dein Vater aß und trank; aber er übte Recht und Tugend, da war ihm wohl; deine Augen aber und dein Sinn, sie stehen auf nichts, denn auf deinen Gewinn." (Irr. 22, 16.) Darum ist Weisheit im Kreise gesunken. Dein Haus ist nicht mehr ein Sammelplatz der Weisen und sie müssen sich bedecken lassen von dem Staube deiner Füße. Der Freibrief der Weisheit ist zerrissen; der Orden ihrer Jünger ist aufgehoben, und wo die Krone prangte auf der fteien Stirn, die heilige Schätze barg, da find die Falten der Sorge gefurcht um die Zukunft der Tugend und der Religion! Und die Vergeltung bleibt nicht auS.*) Die hehre Weihe des Lebens liegt im Ersterben; die edle Gesittung fangt zu siechen an; das feste Band der Familie lockert sich: nicht mehr ist der Vater der ehrfurchtgebietende hohe Herr, die Mutter nicht die heilige Priesterin am gastfteundlichen Heerde deS HauftS; daS Maaß des Genusses ist gebrochen, ungehemmt trinkt der Jüngling auS dem schäumenden Becher der Lust und altert in der Blüthe schon; auf Sammet und Seide hat die üppigste Verschwendung sich ihr weiches Lager gebettet und ladet die Feinde deS Glaubens zum schwelgerischen Mahle; die Religion ist gebannt, ihre Uebung gestorben; das Herz entbehtt alles Trostes im Leiden, das wankende Glück aller Stützen, und das Ende wird schrecklich sein! Die Weisheit aber ruft: „Nehmt «eine Zucht und nicht Silber, Erkenntniß ist vorzüglicher denn Gold; besser ist Weisheit als Perlen und alle Kostbarkeiten kommen ihr nicht gleich." „Wer mich gefunden, hat Leben gefunden und Gnade gewonnen vor Gott; wer mich verfehlt, beraubet sich selber, all' meine Hasser lieben den Tod." (Spr. 8, 10. 35.) „Trinke mit Durst ihre Worte." Dem Durstigen ist der Trank eine Labe, auch wenn er nicht gewürzt mit Wohlschmack und mit Süße, und wer deS Heilmittels bedarf, genießt es willig, auch wenn e8 dem Gaumen widersteht. Soll sie, die hehre Lehrerin, anstatt des heilsamen Ernstes dir bieten die schädliche Täuschung? Wer Wahrheit spricht, der drückt sich derb und faßlich auS; wer warnen will, der redet kühn mit scharfem Ton; wer dich erretten soll vom Untergang, der muß dich fest mit starker Hand erfassen; wer zu zeigen berufen ist deS Lebens wahren Gehalt, der schont der Schleier nicht, die der bethörte Sinn zum Blendwerk hat *) tfn ro nta« Varn «ba trbtttY’ naan ab ('a^p rosa) 'oi 'n onbaa traobn Tir: 'aaa* 52*