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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-12-05 · Heft 51 (5.12.1853) · p. Seite 653

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 51 (5.12.1853)
Date
1853-12-05
Page
Seite 653 (sequence 11)
Language
German
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653 allein nicht zu suchen. Die geschriebenen Zeichen find zumeist Fessel nur, in die der Gedanke gezwängt wird, hat Spielraum in ihnen wie die strotzende Kraft im engen Gewände, wie der himmelanstrebende Adler im Käfig, wie im Körper der Geist. — Die geschriebenen Zeichen schwach nur verrathen sie den hohen Sinn, der in ihnen schlummert, und nicht Jeder ist geschickt, ihn zu wecken, zu befteien seiner Schleier oder seiner Hast.— Der Mensch bedurfte der Schrift, um dem Schall Gestalt zu geben, dahörbare Wort sichtbar zu machen und dem Gedanken, den der Geist gebar, an die Zeit zu fesseln, daß er sich mit ihr vererbe von Geschlecht zu Geschlecht. Doch wo der Eine erkennt dag sprechende Abbild eineverwandten Geiste-, sieht der Andre eine Mumie im geschriebenen Worte mit verkrusteter Hülle, geschützt vor der Verwesung, wie vor der Wiederbelebung. Und Alle-, waS seinen Geist hob und sein Herz erfüllte, konnte der Weise nicht hineinbringen in den engen Rahmen des Worte-; während des künstlichen Vorgang-, Lurch den da- Unsichtbare sichtbar dargestellt werden sollte, erlahmten die lebendigsten Schwingungen des Gedankens, erkalteten die heißen Regungen des Herzens. Bei voller Kraft läßt sich der Geist nicht in die enge Haft bringen; ohnmächtig nur kommt er hinein, und blaß und matt und abgemagert ist er worden in ihr. Wenn es dir gelingt, ihn zum Leben wieder zu wecken: so ftisch und ftei, wie er hervorgegangen aus dem Datergeiste, entsteht er nie wieder. Ein magerer Ersatz nur der unmittelbaren Geistesberührung, wenn auch ein nothwendiger, dankenSwerther ist die Schrift, mehr als das ist sie nicht, wird sie nicht. Bücher find oft nur geeignet, unsere Jrrthümer zu vermehren, darum nimm Zuflucht zu ihnen, als zum letzten Mittel der Belehrung, wenn kein anderes dir mehr geblieben! DaS Höchste aber, was sie dir bieten können, ist: die Anweisung zur That. Von jener aber zu dieser ist noch ein gar langer Weg, nicht findbar für Jeden, und schon gefunden, noch lange nicht gangbar. Darum suche den lebendigen Umgang mit dem Weisen. Er trägt und lehrt die Weisheit nicht nur, er liebt sie, er ist sie leibhaftig selbst und lehrt sie dich in Wort und That. Du weißt'- ja wohl: einer einzigen Stunde Erfahrung beut mehr dewahren Wissens, des nutz- und fruchtreichen, als mondenlanger Unterricht durchs Wort allein. „Des Weisen Nahe ftommr mehr, als die bloße Lehre, und Elischa wurde gesucht, weil er Wasser goß auf die Hände Elijahu'S." *) Die Weisheit gewinnt dich nur halb, weil sie zum Theil dir nur ihre Schöne, ihre Reine und Erhabenheit enthüllt, wenn tu sie nur weißt; aber ganz und voll wirst du ihr, sie dir angehören, wenn du sie in der Majestät erschaust, die sie in der Uebung trägt, in der That, im Leben! Sieh! waS ftommt dir der Begriff, der schönste aucb, entworfen und auSgcführt strengstens nach allen Forderungen der Wissenschaft, der Begriff von Gottesfurcht, wenn du nicht siehst ihr heiliges Sein und Walten? wenn du nicht kennst die Weihe, die sie verbreitet, den stillen Frieden, denn sie gewährt? So sieh die Weisheit auch sein und leben. „Sie ist ein Baum de- LcbenS, doch denen nur, die fest sich an sie halten, nichr denen, die sie lernen nur und lehren."2) Der Weise aber denkt in ihr und füdlr in ihr, lebt und strebt und stirbt in ihr — drum „sei drin Haus ein Sammelvlatz der Weisen." — Wir zollen tiefste Ehrfurcht dem höchsten Gotte, nicht weil er Liebe lebt, Liebe ist, höchste Weisheit lebt und ist, der ewig sich bcrhätigende Inbegriff aller Erhabenheit und Heiligkeit. Willst du nach ihm noch Jcmar.d Ehrfurcht zollen, so weit sie einem Menschen ziemt und eignet, so zolle sie dem Weisen2); er ist der Prophet Gottes*), der Messias der Weisheit. Doch dulde nicht, daß der Weise weile, daß die Weisheit wohne eingeschlossen innerhalb der Wände des Lchrhauses. Dort ist die Srärre ihrer Geburt, dort wird jede ihrer Quellen entdeckt und geweckt, aber dort darf sie nicht bleiben. Sie muß hinaus an's Licht der Sonnen, auf daß jedes Auge sich an ihr entzünde, jeder Geist sich an ihr erhelle. Es muß ihrer Strömung gerieft werden ein langes, breites Belte, daß sie an blumigen Ufern, durch segensreiche Gestade befruchtend sich ergieße und das Leben, daS Leben der That durchtränke. Nicht dorthin gehe nur, wo die Wrrksiatt ist des Gedankens, wo die Esse der Geister so gewaltig sprüht, um weich, gefügig, bildsam und flüssig zu machen die Stoffe der Erkcnntniß — nein, das genügt nicht! Die fertigen Werke ihrer schöpferischen Kraft mußt du schauen, und die Meister, die sie unermüdet fördern und überall, die bringe in dein Haus. In dein HauS; \) NS '«:*) mia-ba irii* irö’na’vs nbrji Nb i?2v ion isrpbN "T b* pap io» JisrbN •(> >212) >21 172N3 2) Nb rriTaibb 712 s^pirrab N-n 2->-n yv «(•'boa *>ieo) D'pirrab NbN 172N2 ) ('22 '-nvv) rfn 2121b Ni-n -ppb» '71 2N. ') n->2:t2 brw B2n* ■;

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