Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 51 (5.12.1853)
- Date
- 1853-12-05
- Page
- Seite 649 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225822-3225874--13556-3299885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«49 leisten sie aber auch da dem Staate Dienste und selbst der arme „Dorfgeher" trägt durch seinen Kleinhandel zum Wohle deS Staates bei. Die betriebsame Stellung, die die Juden im Großhandel einnehmen, ist bekannt. Während der kurzen Zeit, wo Grundeigenthum gestattet war, haben sich die Juden auch darin versucht, und manche sich ausgezeichnet. Die Leistungen der Juden auf dem Gebiete der landwirthschaftlichen Industrie find sehr hervorragend und zahlreich. Die von ihnen betriebene Oel-, Spiritus-, Zuckerfabriken rc. geben Zeugniß davon. Zwei Israeliten hatten den bedeutendsten Einfluß auf den Tabakbau^ Diego de Aqnilar 1725 und später Israel Edler v. Hönigeberg k. k. RegierungSrath. Die Herren L. Epstein und Aug. Mayer befördern in neuerer Zeit den Krappbau. Bei dem Anlehen im Jahre 1851 haben fich die Juden um so eifriger betheiligt, so wie sie fich überhaupt bei WohlthätigkeitSanstalten auSzeichnen und auch zu dem Baue der neuen Kirche bedeutend beigetragen. Auch in der Schifffahrt und im Seehandel haben fich Juden ausgezeichnet, wie Cavaliere TreveS, Grazio di Minerbi, E. Marpurgo, letztere erst jüngst in den Ritterstand erhoben. Ich könnte Ihnen wahrlich nicht alle die Namen nennen, die sich in der Fabriksindustrie ausgezeichnet haben. ES füllt dies vier Seiten; dann bürgerliche Künste und Handwerke. Mehrere hervorragende Glieder auf hiesiger Bühne sino Juden. Und würde man den Juden auch die weltlichen Rollen zutheilen, sie würden auch dazu Talent enthalten, wie fich das anderSwo zeigt. Die Zurücksetzung der Juden bei StaatSanstellungen und die Ausschließung vom Lehramte müßte aber als Anomalie erscheinen, und einen empfindlichen Schlag versetzen. Der Verfasser spricht dann, daß die vor mehreren Monaten getroffene Verfügung, daß die jüdischen Ehen den politischen Behörden überantwortet werden als Vorbote einer Ausnahmsstellung betrachtet werden könnte, während die Zigeuner und in den südlichen Gemeinden, wo sich das „Räuberhandwerk" oft in ganzen Gemeinden als Thatsache herausstellt, gleichberechtigt find. Der Kaiser Franz hat übrigens schon im Jahre 1797 den Juden in Böhmen und Mähren den nahen Eintritt der verdienten Gleichberechtigung verheißen, und Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph hat zu Olmütz 1849 ausgesprochen: „Nur in der Gleichberechtigung Aller zu Einem großen und mächtigen Reiche vereinigten Völker und Stämme könne die Wohlfahrt und daS Glück deS Ganzen, wie deS Einzelnen dauernd begründet und einer gedeihlichen Entwickelung zugeführt werden." ES ist das überhaupt ein Vorzug dieser Broschüre, daß nicht leere Worte und Phrasen gesagt, sondern Thatsachen angeführr werden, und ich erlaube mir nur noch den Schluß anzuführen: Degradation heißt die schwere Strafe, die beim Zivil wie beim Militär die schwersten Verbrecher trifft, und Degradation ist es, die hier800,990 pflichtgetreue Oesterreicher treffen würde, die keine Verschuldung auf sich geladen haben, fich keiner Verwirkung deS huldvoll verliehenen Gnadengeschenkes bewußt sind." BTien, Ende November. (Privatmitth.) In Nr. 48 JhreS vielgeschätzten Blattes haben Sie einen von der „deutschen Volkshalle" gebrachten Ettaß der k. k. Statthalterei in Böhmen ausgenommen, welcher letztere nämlich den Juden 1) das Tragen christlicher Heiligennamen und 2) das Halten christlicher Dienstboten verbiete. ES har dieser Erlaß auch die Runde durch alle österreichische Blätter gemacht, und welchen tiefen und allgemeinen Eindruck er hervorgebracht, brauche ich wohl Ihnen erst nicht zu sagen. ES that fich dieser Eindruck selbst hier in der Residenz sehr lebhaft kund, hier, wo eS eigentlich kein markirt jüdisches Leben giebt und wo in den nicht-jüdischen Kreisen denn doch viel zu viel Bildung, oder wenn Sie wollen, viel zu viel Gemüthlichkeit herrscht, als daß judenseindlicher Fanatismus in seiner rohen Gestalt sich äußern könnte. Wie nun erst aus dem Lande! auf dem Lande in Böhmen und Mähren! Die Judenfeindlichkeit, die früher im Zaume gehakten war, brach mit dem Erscheinen des kaiserlichen Ediktes vom 2. Oktober wie ein langverhaltener Strom allenthalben los und ergriff daher mit Freuden den erwähnten Erlaß vom 7. Oktober, indem hierdurch die rege gewordene feindliche Gesinnung zugleich daS Mittel erhielt, sich zu b et hati gen. Es wird Ihnen bekannt sein, wie sehr fich bereits allenthalben das Bestreben kundgab, dem Verbote christliche Dienstboten zu halten eifrige Folge zu geben, und nicht nur auf dem Lande, selbst in der Hauptstadt Brünn kam der Fall vor, daß ein Pvlizeibeamter einem Christenmädchen, welches im Begriffe stand, bei einem Ü; 1 9; s!: §\-