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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-12-05 · Heft 51 (5.12.1853) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 51 (5.12.1853)
Date
1853-12-05
Page
Seite 647 (sequence 5)
Language
German
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647 meinen Bildung und gemeinnützigen Wissenschaften, daS wahrhaft religiöse Gemüth mit Wehmuth erfaßt. Ehedem, als noch die jüdischen Studien Hauptbeschäftigung unsrer gelehrten Glaubensgenossen waren, hielten eS die Schriftgelehrten für ihre höchste Pflicht, Jünger für die heilige Lehre heranzubilden. Beim Anblick einer um ihn versammelten Schaar wißbegieriger Jünglinge, war sowohl daS Ehrgefühl eines edeln Rabbi sanft geschmeichelt, als auch sein schöner Eifer für die Verbreitung des jüdischen Wissens süß belohnt. Durch die allgemeine Strebsamkeit fühlten sich auch die Gemeinden und wohlhabende Privaten, denen es an Mildthätigkeit nicht fehlte, für die Sache der heiligen Lehre angezogen und konnten sie sich auch selbst nicht mit ihr befassen, so suchten sie durch kräftige Unterstützungen für die Hebung derselben wirksam zu sein; so blühten in großem Umfang des Gesetzes Studien. Anders verhält es sich in der Jetztzeit. Weder halten es die Gelehrten für Pflicht, noch finden sie Ehre darin, Jünger an sich zu ziehen. Die Gemeinden zeigen sich daher auch da, wo das Interesse noch vorhanden ist, kalt und theilnahmsloS. Eine große Wiffensebbe mußt< sich in Folge dessen einstellen. Da aber, wo keine Samen der heiligen Lehre auSgestreut werden, kann auch keine Gottesfurcht Wurzel schlagen. — Desto mehr verdient die vor einigen Jahren zu Hannover gestiftete Lehrerbildungsanstalt, eine Pflanzstätte für zeitgemäße und im wahren Sinne jüdische Lehrer, näher gekannt zu sein, und einer öffentlichern Anerkennung und Würdigung sich erfteuen zu dürfen. Neben dem Unterrichte in allen auf Seminarien zu lehrenden Gegenständen erhalten die in zwei Abtbeilungen geordneten Schüler hebräischen Unterricht als: Bibel mit Kommentaren, Grammatik, systematische Religionslehre und Mischna. Hier sehen wir die Gemeinde und Vorsteher wie die redlichen Lehrer der Anstalt mit gleich großem Enthusiasmus nach dem hohen Ziele der Stiftung streben; jene tragen Sorge für die Eristenz der Schule und der größtentheils unbemittelten Schüler, diese für die besten Mittel zur gedeihlichsten Ausbildung derselben. Bei dem, allen tüchtigen Lehrern gemeinsamen Streben, die Geisteskräfte ihrer Schüler zu üben und hierdurch die reife Entwickelung ihrer Anlagen zu befördern, zeichnen sich die Herren Doktoren Meyer, Frensdorf und Wiener durch ihre edle Sorgfalt, den Charakter ihrer Zöglinge fest und bteder auSzubilden, wie durch ihre energische Wachsamkeit auf daS sittlich-religiöse Wohlverhalten derselben besonders auS. D. Nathan. Preußen. Breslau, im November. lPrivatmitth.) AuS zuverlässiger Quelle erfahren wir, daß die königliche Regierung Hierselbst die staatliche Bestätigung der Statuten für das zu errichtende jüdisch-theologische Seminar der Kommerzienrath Fränkel'schen Stiftung von der gutachtlichen Aeußerung eines preußischen Oberrabbiners abhängig gemacht habe. Zu diesem Zwecke brachte daS Kuratorium den Konsistorialoberrabbiner Herrn Bodenheimer zu Krefeld, in Vorschlag, welches die königliche Regierung für vollkommen genügend erachtete. — In einem ausführlich motivirten Schreiben wandte sich daS StiftungSkuratorium an diesen würdigen Geistlichen und soll bereits dessen Gutachten im erwünschten Sinne dahin erfolgt sein, daß in den im Statut vorgeschriebenen Institutionen und Disziplinen die vollständigste Garantie für die Erfüllung der Absicht deS Stifters enthalten wäre. Frredeberg in der Neumark, 29. November. (Privatmitth.) Den armen israelitischen Grenzbewohnern deS an unserm Kreise endenden GroßherzogthumS Posen — welche sich vor dem Jahre 1848 größtentheils im hiesigen Kreise und dessen Umgegend von dem so äußerst mühseligen Hausirhandel ernährten — wälzte jeneS Jahr eine schwere Last sowohl vom Herzen als vom Rücken. Die Pforten der Freizügigkeit wurden geöffnet.— Man sinder daher jetzt in dem hiesigen Kreise und derUmgegend meistentheilS in den Dörfern und den Bruchgegenden Israeliten, die dort mit ihren Familien ihr Zelt aufgeschlagen; so daß, wenn die Juden leider auch keine Dörfer und Güter besitzen, eS fast kein Dorf und kein Gut giebt, welches nicht mindestens einen Juden besitzt. Man sah eS, obwohl anfänglich nicht gerne, zuletzt doch mit Beruhigung, ja mit Vergnügen, wie die Zahl der auS den Grenzstädten Schwerin a. W. und Filehne nach dem diesseitigen Kreise in die Netz- und Warthebrüche ziehenden armen Israeliten sich von Jahr zu Jahr vermehrte; weil die Meisten den Hausirhandel niedergelegt, und statt dessen in Verbindung mit einem Hausgewerbe vom gekauften oder gepachteten Acker sich zu ernähren bestrebt sind.

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