Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 51 (5.12.1853)
- Date
- 1853-12-05
- Page
- Seite 646 (sequence 4)
- Language
- German
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646 wirklichen und wahrhaftigen Faktoren des Votums der Majorität in der holsteinischen Ständeversammlung. Und viel besser wird eS jetzt wahrscheinlich im übrigen Deutschland für uns auch nicht auSsehen. Der Entwurf zum StaatSgrundgesrtz selbst ist auch gar nicht zur Berathung gekommen: für die Bekenner deS mosaischen Glaubens ist dies auch ganz indifferent, da ihr Schicksal, so weit eS denn von den Ständen in dieser Diät einmal abhängt, bereits feine Entscheidung gefunden hat. Die Juden Holsteins, wie es heißt, wollen sich wieder an die Regierung wenden, und wenn auch die Resultate ähnlicher, seit eigentlich 40 Jahren fortgesetzter Bestrebungen und die gegenwärtigen Entwürfe an diesen Schritt nicht zu große Hoffnungen knüpfen lassen, so dürste er sich schon um deshalb empfehlen, weil, wie die Sachen jetzt liegen, eine Verbesserung ihrer Lage leicht gar lange auf sich könnte warten lassen, wenn nicht die Regierung auch in dieser Frage mit einer liberalen Tendenz die Initiative ergreift. Denn so gewiß eS ist, daß die nach den jetzigen Wahlnormen gebildete Landesvenretung in derselben Weise, wie sie eS seit 1834 gethan, ihrer Majorität nach der Emanzipation der Juden sich entgegenstemmen wird, eben so gewiß und viel schneller wird die Bevölkerung ihrer großen Majorität nach mit der völligen staatsbürgerlichen Gleichstellung der Juden sich befteunden, wenn sie einmal ins Leben getreten ist, denn das wenigstens haben die verflossenen Jahre unwiderleglich bewiesen, und diesen Segen können sie der Vergangenheit nicht rauben. Sollten die Juden ihr Heil von dem Volke erwarten, so dürfen sie viel eher den Dänen vertrauen, denn dorr ist die edlere Tendenz wirklich in Fleisch und Blut übergegangen, während das eigentliche Wesen des wahren Holsteiners grundaristokratisch ist. Aber leider', hat der blutige Zwist, den die nationalen Antipathien erregten, in den Grmüthern noch zu viel Bitterkeit zurückgelassen, als daß jetzt die Juden Holsteins von jenseits des Belts her sobald ein Zeichen deS Wohlwollens erhoffen könnten. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worrns, 28. November. (Privatmitth.) In diesen Tagen erhielt daS hiesige Konnte zur Renovirung jüdischer Alterrhümer einen Brief vom Prager Rabbinat, welcher die erfreuliche Nachricht brachte, daß Herr Oberrabbiner Rappoport und Herr Prediger Dr. K ämpf bei der österreichischen Behörde um die Erlaubniß für gedachten Zweck Beiträge sammeln zu dürfen, nachsuchen werden. Wie auch der Erfolg 'ein mag, so fühlt sich jetzt schon gedachtes Konnte gegen jene Herren zum tiefsten Danke verpstichtet. Auch von dem Konsistorium zu Bordeaux traf neben einem Beitrag für die Renovation ein ermunterndes Schreiben ein. — Herr N. Frank (Mitglied des KomiteS) ist vom Ministerium zum Stellvertreter bei den Handels- und Friedensgerichten in Worms, Pfeddersheim und Osthofen ernannt worden. — Als Kuriosum erlaubt sich Ref. noch mitzutheilen, daß es in letzter Zeit schon zum zweiten Male vorgekommen, daß die baute rolee jüdischer Bettler eine Vorliebe zu christlichen Quartieren besitzt und in solchen daS schöne Geschlecht seine Niederkunft zu halten beliebt; die Humanität der Herren Wirthe, die hierbei die vollste Anerkennung verdient, hindert jedoch nicht, daß der hiesigen Gemeinde nicht unbeträchtliche Kosten verursacht werden. Da die Väter der jungen Weltbürger in der Regel inzwischen anderweitig auf Reisen — sich befinden, so werden wir nächsten Donnerstag eine vaterlose nivv zu feiern daS Glück haben. Altona, im Dezember. (Privatmitth.) Unter den vielen lautgewordenen Klagen über die in jüngster Zeit entstandenen, dem orthodoren Judenthume Gefahr drohenden Uebel erhebt sich wohl keine mit größerem Rechte, als die alle anderen gewissermaßen in sich schließende über den Mangel an Stiftungen zur Ausbildung jüdischer Schullehrer und Rabbinen. Diese Klage hat so zu sagen den Nagel auf den Kopf getroffen; denn in der Thal ist der Mangel geeigneter Institute, als Ursache der jetzigen leider so vernachlässigten Erziehung, die Hauptquelle aller Gebrechen und verderblichen Erscheinungen, der großen Gleichgiltigkeit gegen jüdische Theologie, deS immer mehr abnehmenden Interesses für die Kenntnisse des Hebräischen überhaupt, der sich immer weiter verbreiteuden Freigeisterei und Anarchie auf dem Gebiete deS Glaubens. Vergleicht man unser Jahrhundert mit einigen vorhergegangenen, so stellt sich unS in Bezug auf Religion und Religionswissenschaft, ein Kontrast vor Augen, der bei allen unstreitbac großen Fortschritten unserer Konfessionsbrüder in der allge-