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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-12-05 · Heft 51 (5.12.1853) · p. Seite 644

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 51 (5.12.1853)
Date
1853-12-05
Page
Seite 644 (sequence 2)
Language
German
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644 geistigt oder als nicht mehr kleidsamer Schmuck, aber immerhin als Schmuck bei Seite gelegt. So steht eS nach innen. Und nach außen? Allen Respekt vor den dermaligen Regierungen gewisser -ander; aber um Israel etwas anzuhaben, dazu find sie doch zu kurz an Dauer und zu schwach. Und das fühlen sie auch, denn fie greifen u»S — wenn sie uns doch einmal alS Feinde behandeln — wahrlich nicht wie verächtliche Gegner an, sie find sich bewußt, daß fie eher die Alpen auS ihren Wurzeln reißen können, als den Sinai aus den peinigen — unseren Herzen! Aber wir fitzen nicht, wie JeremiaS, auf verwüstetem Berge einsam und schweigend, da das Loos einmal gefallen; sondern wir kämpfen und kämpfen immer auf'S Neue mit jeder ehrlichen Waffe, die wir zu handhaben vermögen, und vor Allem mit dem Schwerte des Wortes. Darum ist eS ein nicht zu lobendes Wort, waS diese Redaktion auSsprach: „an Kampf sei nicht zu denken." An Kampf ist allerdings zu denken, so weit die Kraft geht, wenn auch allerdings die Zeiten der Humanität vorüber find, wo Zeder, der unS drückte, sich damit selbst beschimpft hatte. Diese Zeitung aber steht in der vordersten Schlachtrcihe. Sie wird nicht nöthig haben, wie in früherer Zeit, daS Recht zu deduziren; die Masken find Gottlob! längst gefallen; fie hat nur die Ausbrüche der (bei alledem doch ohnmächtigen) Willkür beim Namen zu nennen und zu registriren. Aber fie wird weit weniger Unterstützung bei den jüdischen Gelehrten finden als früher. Weder die orthodoren Komödianten, noch die kritischen Haarspalter, noch die Polizeidiener im Rabbinerrocke werden ihr beistehen. Ihnen Allen ist die Adulation, die Pergamen-Sucht, das Manteltragen schon zu sehr zur Natur geworden. Aber alle jüdischen Familienväter werden mit ihr sein, und so wie ein edleö Roß mit einer kühnen Bewegung alle daS Geschmeiß abschüttelt, daS sich auf seiner Haut einbohrt, so werden auch die widerwärtigen Erzeugnisse der letzten Jahre zu Boden fallen. Wenn wir ehrlich prüfen, waS kann uns denn eigentlich überraschen? Jahrzehnde lang haben wir bewiesen, daß unsre Freiheit keine isolirte, daß fie nichts Andres ist, als die allgemeine Gleichheit vor dem Gesetz und der Staatsgewalt, und daß unsre Beschränkung auch jede andre rechtfertigt — und wir wollten uns wundern, daß auch gegen unS reagirt wird? Jahrhundette lang haben wir unS überzeugt, daß Ausschließung nicht zufällig, sondern nothwendig da ist, wo aus dem Glauben, und zwar auS einem bestimmt formulirten Glauben der Maßstab des MenscheuwerrheS gemacht wird — und wir könnten eS auffallend rnden, daß die Ausschließung gegen unS ausgeübt wird, sobald man dahin zurückkehrt? In dem Ra^enfanatiSmus, dem Stammeshochmuth haben wir, Mann gegen Mann, unfern Erbfeind von innen und von außen erkannt und ihn von Kindheit an zu überwinden gesucht, und er sollte nicht wieder gegen uns in den Kampf treten, sobald er heraufbeschworen wird? Als ganz selbstverständlich wird es überall betrachtet, daß in den Ländern deS Korans nur das Zeugniß eines MoSlemS gilt, und wir wollten gewiße Arttkel des preußischen Landrechts*) unnatürlich finden? Nein! es war alles Dies zu erwarten — aber wie wir gekämpft haben, wollen wir kämpfen, wie wir überwunden haben, werden wir überwinden — ja, eS wird dies Alles um so sicherer geschehen, als jetzt jede MaSke abgethan ist. Darum hoch das Banner der Allgemeinen Zeitung des Judenthums! Nachbemerkung. Wir lassen diesen Artikel ohne weitere Besprechung, weil in ihm so vieles Wahre, aber auch in unserm Artikel nicht minder — enthalten ist. Redaktion. AuS Holstein, 2. Dezember. Die Verhandlungen der Stande in der Judenfrage. Die Behandlung, welche die Judenfrage in letzter Zeit, sowohl Seitens der Regierung wie bei den Provinzialständen erfahren hat, dürfte mit Recht allgemeines Beftemden und gerechte Besorgniß erregen, wenn diese Erscheinung auf dem Gebiete der religiösen und politischen Lebens vereinzelt dastände. Leider jedoch sehen wir die retrograden Maßregeln gegen die Juden überall nur als eine kleine Digresfion in dem großen Kampfe um die Wahrheit erscheinen. Bei unS indessen herrschen vorzugsweise nur noch interimistische Zustände, und es steht zu hoffen, daß die dänische Regierung, von jeher zu einem milden, durchaus mehr patriarchalischen Monarchismus fich neigend, und in religiöser Beziehung stets der fteifinni- *) Der geschätzte Korresp. kann nur die Paragraphen, welche auf die Ablegung eines Zeugnisses Seitens eines Juden in Kriminalfällen gehen, meinen; diese find aber aufgehobeu. R e b a k t.

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