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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-12-05 · Heft 50 (5.12.1853) · p. Seite 638

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 50 (5.12.1853)
Date
1853-12-05
Page
Seite 638 (sequence 8)
Language
German
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638 stützen fich gegenseitig und sind von einander unzertrennlich. Mit Blitzesschnelle werden jetzt die Ideen, was die edelsten Menschen gedacht, die großen Entdeckungen, was die tiefsten Forscher gefunden und ersonnen, von einem Welttheil zum andern getragen. Was früher Zahrzehende bedurfte um sich Eingang zu verschaffen, das wird jetzt durch die tausendstimmige Presse in einem Momente aller Orten ausposaunt. — Die Aufgabe der Presse für die Wissenschaft ist darum eine doppelte. Nicht bloS die Wissenschaft zu popularifiren, zum Gemeingut des Volkes zu machen, sondern deren Fortschritt durch die mannigfache Zdeenassoziation und immerwährenden Gedankenaustausch, den sie stetS unterhalten soll, zu befördern. Literarische Artikel, Sie erlauben mir, Herr Redakteur! die Entgegnung auf Ihre geistreichen Bemerkungen in Nr. 42, find für die Wissenschaft, was die telegraphischen Depeschen für die Politik, die oft in ihrem orakelhaften Lapidarstil den Kern einer wichtigen von einer hohen Person gehaltenen Rede u. dgl. in hastiger Eile mittheilt. Literarische Artikel find daher keine dürre Referate, sondern fie sollen natürlich, bei bedeutenderen Erscheinungen, einen Einblick in das Innere des Werkes gestatten, und so bevor ein Werk fich Bahn bricht und in die Hände des großen Publikums gelangt, die Quintessenz desselben, wo möglich durch gedrängte Auszüge zur allgemeinen Kenntniß bringen, womit sich viele Leser gern begnügen und wobei auch das Interesse für die Wissenschaft rege erhalten wird. Daß auch die Presse ihren heilsamen Einfluß auf das Judenthum auSüben muß, wird Niemand bezweifeln, da deren bereits wohllhätigc Erfolge fich nicht in Abrede stellen lassen.' Es war daher von Ihnen, Herr Redakteur! ein glücklicher Gedanke, durch die Presse auf alle Schichten unsers Volkes einzuwirkcn und fie aus der dumpfen Lethargie aufzurütteln. Ein jüdische- Volksblatt, das längst schon ein frommer Wunsch war, ist eine Nothwendigkeit, da dadurch dem Volke neue Berührungspunkte mit dem innern geistigen Gehalte seiner Religion und seiner Geschichte geboten werden. Unter Ihrer geschickten Leitung und der thätigen Mitwirkung tüchtiger Mitarbeiter, die gewiß einem solchen nützlichen Unternehmen gern ihre volle Theilnahme schenken werden, läßt sich diesem Blatte leicht ein glücklicher Erfolg prophezeien. Nur dürfen Sie, Herr Redakteur! nicht so bald ermüden, in Ihrem Eifer nicht erkalten; wo eS gilt auf die Masse einzuwirken, da gehört vor Allem Geduld und Ausdauer. Ein solches Blatt braucht mehr alS ein Jahr bis eS fich überallhin in alle Kreise verbreitet, hat es aber einmal festen Boden gefaßt, so ist dessen Bestand für immer gesichert. Gestatten Sie mir nun auf eine ebenfalls noch neue Erscheinung der Journalistik überzugehen. Seit dem Beginne des nun zu Ende gehenden Jahres erscheint unter der Redaktion des vr. M. Letteris in Wien folgende Zeitschrift: Wiener Vierteljahrs-Schrift. Organ für Wissenschaft und Kunst, Kultur- und Literaturgeschichte, wovon mir bereits 3 Hefte zuzekommen find. Herr Dr. Letteris, bekanntlich einer der genialsten hebräischen Dichter, hat anstatt der nähern Bezeichnung: Organ u. s. w. des Juvenrhums, jedem Hefte einige treffliche hebräische Beiträge: 25121m 2522N ^32272 tr3bi2, it: beigegeben, wo Sie manches Neue, von Luzzato veröffentliche Gedichte von R. Jehuda Ha-Levi, Briefe von dem immer rüstigen Reggio, der fich über die Nichtbeachtung seines Bcchinot Ha-Kabbala, besonders von Seite der Rabbinen und der Presse bitterlich beklagt, ferner Briefe von Rappoport und Anderen finden. Daß die Briefe RappoportS zu den gediegendsten gehören, brauche ich nicht erst zu sagen. Besondere Aufmerksamkeit aber verdient der im 1. Hefte erste Brief desselben an den Herausgeber über eine vielfach ausgebeurcte und auch von einem obskuren judenfeindlichen wiener Blatte wiederum aufgetischtc Talmudstelle: 212 21125 123®. Ich hätte gerne, wenn das 1. Heft mir jetzt zu Gebote stände, den ganzen Brief übersetzt, doch will ich dem geehrten Leser in Kürze den Inhalt desselben mit einigen Bemerkungen in einer Anmerkung mitthcilen.*) Zu den deutschen Aufsätzen lieferten treffllche Artikel der Herausgeber vr. Geiger, llebersetzungen auS *) Herr Rappoport weist mit vielem kritischen Scharfsinne nach, daß die angeführte Stelle in dieser herben und derben Fassung fick nirgends finde, und daß Druck- und Schreibfehler, falsche Lesarten, unwissende Korrektoren und Zensoren, wodurch der Talmund so viel gelitten, diesen Spruch völlig verunstaltet haben. Nicht im Talmud (vgl. jedoch Thosephot Aboda Sara 26, 2.), sondern in dem apokryphischen Traktat Sopherim, Ab. 15, 10. heißt es unter anderen Volkssprüchen: 3122» 3''D5i:3® 31225 257251^723 ri2®3 21*125 D’!2212 '>‘53137® '121 1N172 ns 25371. Den Besten der Götzendiener tödte in Kricgszeitcn, d. h. traue im Kriege, wenn der Religions- und Dolkshaß durch blutigen Kampf angefackt worden der Freundschaft des Götzendieners nicht. Der gutartigsten Schlange zerschmettere den Kopf. Allein schon llr. Jesaias Pik (ogl. jedoch Mechiltha eäitio vamberz S. 11.) zeigt, daß die richtigere Lesart eigentlich ist:

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