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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-12-05 · Heft 50 (5.12.1853) · p. Seite 636

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 50 (5.12.1853)
Date
1853-12-05
Page
Seite 636 (sequence 6)
Language
German
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636 Student Lehmann, nachdem der Präses B. Liebermann dieselbe eröffnet, der Bericht über die Wirksamkeit und das Gedeihen des Vereins abgestanet, woraus hervorgeht, daß Beides sowohl in geistiger als materieller Beziehung als höchst ersprießlich bezeichnet werden darf. Die Mitgliederzahl har sich während des Jahres verfünffacht und schon ist es gelungen, einen eisernen Fonds zu gründen. Zum Schluffe der Generalversammlung wurde für die verstorbenen Mitglieder ein Trauergeber verrichtet; hiernach begann das Festmahl, zu welchem das hiesige Rabbinat, eine Anzahl talmudischer Gelehrten, der Obervorsänger Lichtenstein mit dem Synagogenchor geladen und woran außer diesen etwa 130 Personen Theil nahmen. Der erste Trinkspruch galt, nach echter preußischer Sitte dem Könige und der Königin Majestät, wie dem königl. Hause. Er wurde im Aufträge des Präses durch den Schriftführer Lehmann mit Begeisterung ausgebrachr und jubelnd ausgenommen. Der Synagogenchor sang hierauf in der schönen Komposition seines Dirigenten Lewandowsky den (Königs-) Psalm 61. Vielfache andere Trinksprüche, in freier und gebundener Rede, abwechselnd mit Gesängen, führten daS gemüthliche, und von echtem religiösen Sinne und Geiste durchwehte Fest gegen 9 Uhr zum Schluß. —. An der breslauer Universität hat dieser Tage die Promotion deS Herrn S. Freund stattgesunden. Derselbe ist der erste Israelit, der an der dafigen Universitär in der philosophischen Fakultät promovirl, und wirb zum ersten Mal nach der zur Norm genommenen berliner Eidesformel vereidet werten. Magdeburg, 29. November. (Privatmilth.) Gestern wurde der Redakteur dieses Blattes, Dr. Philippson, durch die Uebersendung eines sehr schönen silbernen Pokals überrascht, den ihm der Präsident des israelitischen Konsistoriums in Straßburg, Herr Louis RatiSbonne, als Zeichen der Achtung und Liebe zustellte. Es konnten den Di-. Philippson nur die innigsten Gefühle der Freude und deS DankeS gegen den ehrwürdigen Mann bewegen. Der Zustimmung und deS Beifalls der Edelsten und Hochherzigsten versichert zu werden, ist eine Belohnung, welche nur um so unermüdlicher, um so kräftiger, um so begeisterter stimmen muß. Langensalza, 15. November. (N.-Z.) In letzter Zeit herrschte in unsrer Stadt eine nicht geringe Aufregung. Bis jetzt war hier kein Jude domilizirt. Vor nicht langer Zeit jedoch miethete sich ein jüdischer Kaufmann ein und beabsichtigte, ein Geschäft mit Schnittwaaren zu etabliren. Die Konzession zum Betrieb seines Geschäfts erhielt er von der königlichen Regierung in Erfurt. Kaum war dies geschehen, als hiesige Bürger sich die Mühe gaben, den neuen Ankömmling wieder zu vertreiben. Abgesehen von Privatschritten wurde vor einigen Tagen durch den öffentlichen AuSruser der Stadt eine Versammlung aller Gewerb- und Handeltreibenden angekünvigt, welche über eine für die Stabt höchst wichtige Angelegenheit zn berathen haben werde. In dieser Versammlung wurde beschloffen, sofort eine Deputation nach Magdeburg an den Oberpräsibenten der Provinz Sachsen zu entsenden, damit den Bürgern von Langensalza daS angebliche Recht, keinen Juden unter sich dulden zu muffen, erhalten bleibe. ES wird nämlich behauptet, daß die ehemals königlich sächsischen Städte der preußischen Provinz Sachsen, im Widerspruch mit der preußischen Gesetzgebung, bei der Uebernahme obiges Recht garantirt erhalten hätten. Die Deputation, welche gleich andern TagS abreiste, brachte dem Vernehmen nach den Bescheid, mit, daß die Stadt Langensalza die betreffenden Beweismittel einreichen möge, woraus dann weitere Antwort folgen werbe. Inzwischen hat der jüdische Kaufmann, gestützt auf die Konzession der erfurter Regierung, getrost angefangen, seinen Laden in Stand zu setzen. (Wir können den Muth unsres Glaubensgenossen aus sein gutes Recht nur beloben. Daß die Stadt Langensalza nicht verlangen kann, was daS Gesetz längst aufgehoben, ist sicher, daß sie eS nicht erlangen wird, hoffen wir. Redakt.) Ans deur Groffherzoglhuru Posen, 19. November. (Voss. Zeitg.) Ueber die Zahl der jetzt im Großherzoglhum vorhandenen Elementarschulen können wir Folgendes aus authentischer Quelle berichten. Im Jahre 1815 waren vorhanden: s) im Regierungsbezirk Posen: 77 evangelische, 74 katholische, 9 Simultan-, 4 jüdische, überhaupt 164 Schulen; b) im Regierungsbezirk Bromberg: 196 evangelische, 83 katholische, 9 Simultan-, 1 jüdische, überhaupt 289

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