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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-12-05 · Heft 50 (5.12.1853) · p. Seite 635

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 50 (5.12.1853)
Date
1853-12-05
Page
Seite 635 (sequence 5)
Language
German
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635 weise von Liebe und Dankbarkeit gaben ihm die Meisten noch nach langer, langer Zeit, selbst auS den entserntesten Gegenden, auS anderen Hemisphären! — Eine lange Reihe von Jahren, bis 1846, wirkte er so zum Heile der israelitischen Jugend, da fühlte er, obgleich noch im Besitze eines regen, klaren, schaffenden Geistes und verhältnißmäßig guter Gesundheit, daß die Leitung der segenbringenden Anstalt jüngeren, kräftigeren Händen übergeben werden müßte, und nachdem er die Freude gehabt, die Direktion seinem Sohne I und Schüler, Herrn Dr. Ph. Ehrenberg anvertraut zu sehen, zog er sich ins Privatleben zurück. Aber sein Herz blieb bei der Schule und den Wissenschaften. Immer noch betheiligte er sich unterrichtend und rathgebend an der ersten, stets suchte er den Fortschritten der letztern zu folgen. Nie traf man ihn müßig. An seinem Pulte stehend schrieb er bis wenige Tage vor feinem Ende an seiner hebräischen Bearbeitung der römischen Geschichte und Mythologie und der Uebersetzung des Robinson Crusoe, welche vollendet vor unS liegen — oder er dachte mit den Philosophen — oder bewunderte die Dichter aller Völker. Ja, er war geistig so frisch, so blühend, daß er manchen Jüngling beschämt hätte. Es war eine Freude ihn anzuschauen, mit den weißen herabwallenden Locken, der hohen Stirn, den sanften, klugen Augen und dem unaussprechlich gütigen Lächeln um den Mund, der so viel Liebes und Schönes zu sagen wußte. Den 31. Oktober (■»‘ncn bb) sollte sein 81. Geburtstag gefeiert werden, zu dem unter anderm Herr vr. Jost in Frankfurt a. M., der ihm bekanntlich schon früher seine Geschichte der Juden in 9 Bänden gewidmet, ein neues stilistisches Werk dedizirt hatte. Doch im Rathe Gottes war eS anders beschlossen: im Schooße einer geliebten, blühenden Familie geachtet und geliebt von Vorgesetzten, Schülern, Freunden und Mitbürgern ging er sanft zu einem andern Leben über. Schön wie sein Leben war sein Tod! Am Grabe sprach sein früherer Schüler, Herr Cohn, jetzt Lehrer und Hausvater an der Samson'- schen Freischule, begeisterte Worte der Liebe und Verehrung, die bei Allen, die ihn kannten, den lautesten Wiederhall fanden. Die schönste Gedächtnißrede, das sprechendste Monument ist jedoch sein Leben, sein Wirken! Noch weit über sein Grab hinaus reicht eS! Er wird als Mensch und als Lehrer stets ein nachzueiferndes Muster bleiben! Alle feine Schüler, wo sie auch weilen, werden mit mir übereinstimmen, daß fein Name von dem der wohlthätigen Stiftung die er leitete, unzertrennlich ist, daß sein Andenken unvergeßlich sein wird, denn „die Viele zur Tugend geleitet, werden glänzen, wie die Sterne auf ewige Zeiten." I. Stbg. Preußen. Berlin, 25. November. In Bezug auf den von uns mirgetheilten Artikel hinsichtlich der bei der Armendirektion stattgehabten Diskussion wegen Anstellung jüdischer Armenärzte geht unS folgende Mittheilung zu: „In der letzten Hälfte deS vorigen Jahrhunderts wurde bei dem hiesigen jüdischen Krankenhause Herr Lehmann, und nach dessen Tode Herr Wache, beide christlichen Glaubens als Wundärzte an gestellt. Letzterer versah seine Stelle zur vollsten Zufriedenheit über 50 Jahre; sein Jubiläum wurde festlich begangen, und ihm dann vom Vorstände der jüdischen Gemeinde cine ansehnlichePenfion ausgesetzt." (Eine solche Diskussion, ob Juden als städtische Armenärzte angestellt werden sollten, oder nicht — mußte also 1853 in Berlin stattfinben, in Berlin, das unter allen Städten Preußens am kräftigsten für die Gleichstellung der Juden, für Gewissensfreiheit und ähnliche schöne Dinge petitionirt hatte! Wir hoffen übrigens, daß eine engherzige Fraktion innerhalb der Armendeputation, eine Fraktion, deren Mitglieder vielleicht unter ihren Angehörigen eine An-! zahl versorgungsbedürftiger Aerzte haben, nicht die Herrschaft über Prinzipien und Stellen haben wird. Redaktion.) —. Der hier seit Jahresfrist bestehende jüdische Talmud-Verein (Schass-Chebra), welcher statutenmäßig den Zweck hat: Förderung deS Studiums der heiligen Lehre um ihrer selbst willen, in der Weise, daß der Pflege dieser Wissenschaft einzig die religiöse Absicht zu Grunde liege, und der diesen Zweck sowohl durch Vorträge als auch durch unentgeldlichen Unterricht von Kindern männlichen Geschlechts zu erfüllen bestrebt ist, — feierte am letztverfloffenen Sonntage in den Räumen des Schützenhauses sein erstes Stiftungsfest durch eine Generalversammlung und ein darauf folgendes Festmahl. In der Generalversammlung wurde durch den Schriftführer deS Vereins,

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