Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 50 (5.12.1853)
- Date
- 1853-12-05
- Page
- Seite 633 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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633 Schreckliche Frage, blasphemirende Frage: die Religion, welche den Gott des Weltalls als einen Gott ehrt, der seine Wesen in Liebe geschaffen, allen Menschen einen gottähnlichen Geist gegeben, der ihnen bestimmt und auferlegt hat: liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst— die Religion wäre es, die in solchen unsauberen Geistern die Forderung stellte: unterdrücke, schließe aus, setze hintenan, verhöhne, brandmarke eine große Zahl Deiner Mitbürger, Mitmenschen, darum weil sie nicht in Deiner Weise Gott sich denken, Gott anbeten, sondern in der Weise ihrer Väter, in der Weise der vier Zahttausende, in der Weise, wie längst vor dem Entstehen Deiner Religion, Deiner Kirche, die aus jener entsprungen ist?'. Nein, das kann nicht Religion sein, namentlich nicht Religion in unseren Zetten — das ist nichts anders denn Herrschsucht, als das schnödeste Sttebcn der gcwaltthätigstcn Herrschsucht, welche alle Menschen außer ihrer Klique in bodenlose Erniedrigung stützen will, welche alle Menschen zu Füßen ihrer Sippschaft kriechen sehen will.... Und darum rufen wir: Wahre Dich, Welt! Nicht wir Juden find es, sondern Du, die ganze Welt! Wir Juden gehören nur zu den Vorposten, welche zunächst überfallen, geknebelt, zu Boden gestürzt werden sollen, dann kommen Andere daran, noch viel zahlreichere, noch viel bedeutendere, alle Anderen kommen daran — wir warnen Dich, Welt! nicht bloS um unsrer, der Juden, willen, sondern um der ganzen zivilifirten Welt wegen. Glaubet nicht, die Juden können wir ihnen preisgeben— stärket die in mathematischen Propottionen anwachsende Gewalt dieser herrsch süchtigen Gleißner nicht — Ihr seid um so eher verloren, um so rettungsloser hingegeben.. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Kassel, 16. November. lN. K.) Dem einzigen israelitischen Lehrer an einer höhern Lehranstalt, vr. Leviseur, welcher seither im Amte war, ist nunmehr der Art gekündigt worden, daß er am Januar!. Jahres seinen Unterricht, mit Ausnahme des mosaischen Religionsunterrichtes an die Knaben dieses BekennrnisseS einzustellen hat. Hannover, 24. November. (Privatmitth.) AuS Zeitungsberichten werden Sie wissen, daß wir jetzt ein neues Ministerium hier haben. Ob die Befürch tungen, die man von demselben hegt, gegründet sind und ob wir namentlich gleich unseren übrigen Glaubensgenossen -in Deutschland in unseren politischen Rechten eine Beschränkung erfahren werden, muß die nächste Zukunft lehren. Jedenfalls aber ist eS erfreulich, zu bemerken, daß unsre Bevölkerung über konfessionelle Rücksichten hinweg ist und von der politischen Gleichstellung der Juden bei geeigneter Gelegenheit gern Gebrauch macht. Zeugniß hiervon geben beispielsweise die am 29. v. M. in Emden staltgehabten Bürgervorsteherwahlen, wo inder vierten Wyk (Distrikt) unter den drei Gewählten sich auch ein Jude befindet, nämlich der Weißgerber Simon de Beer. In gleicher Weise wurden schon früher in Gifhorn Herr Menke und in Hoya Herr Isaak Elias zu Bürgervorstehern gewählt. — Nach einem so eben veröffentlichten Ausschreiben der königlichen Landrostei, nach welchem auf Anordnung des Ministeriums deS Innern Ausländern die bleibende Niederlassung in einer Gemeinde ausschließlich nur nach eingeholter Genehmigung der Regierung gestattet werden soll, würde die Ansicht deS MagistralS zu Hameln, in Betreff des preußischen Juden, der sich daselbst niederlassen wollte (vgl. unsre Korrespondenz in Nr. 46 dieser Zeitung) allerdings die richtige sein; indessen hat der hiesige Magistrat gegen diese beabsichtigte Beschränkung seiner Rechte sofort Protest eingelegt. — Außer diesen Thatsachen haben wir dieses Mal von einem Unfälle zu berichten, der sich vor einigen Wochen in unsrer Nahe ereignete. In der Nacht von dem 26. zu dem 27. v. M. fand nämlich der die Post von Leer nach Hesel fahrende Postillon an der Chaussee zwischen Logabirum und Holtland einen leblosen Körper, den er sofort in das nächste HauS zur Hollländer Nücke brachte. Spuren äußerer Gewalt waren an demselben nicht zu sehen. Die spätere RekognoSzirung hat ergeben, daß es die Leiche veS israelitischen Handelsmannes Ballin auS Weener fei, welcher, auf einer Reise nach Aurich begriffen, auS unbekannten Ursachen seinen Tod gefunden. — Bon sonstigen die Juden betreffenden politischen Ereignissen theilen wir mit, daß bezüglich auf die Niederlassung der Israeliten im Kanton Zürich folgende Beschlüsse gefaßt worden find: Kein Gemeinderath kann angehalten werden, einem Juden eine Niederlassungsbewilligung zu ertheilen (die Gemeindeversammlungen können sich daS BestätigungSrecht Vorbehalten). UeberdieS bedarf eine