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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-28 · Heft 49 (28.11.1853) · p. Seite 628

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 49 (28.11.1853)
Date
1853-11-28
Page
Seite 628 (sequence 14)
Language
German
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€28 Hievon werden Eure Hochwürden zur Wissenschaft und entsprechende» Rachachtung in die Kenntniß gesetzt." Gegeben im bischöflichen Konsistorium zu Brünn am 13. Oktober 1853. Anton Ernst. Ferdinand P an schab, prov. Schulen-Oberaufseher. Douaufärsteuthümer. Jassy, im November. Großes Aufsehen hatte in den Donaufürstenthümern eine plötzliche Rekrutirung unter der jüdischen männlichen Bevölkerung sür die Landesmiliz von Landesbehörden gemacht. Die Leute wurden theilweise deS Nachts auS ihrer Behausung geholt und ihnen Fesseln angelegt, sobald die Bermuthung entstanden, daß sie Gelegenheit zur Flucht suchen würden. Da indessen die Möglichkeit, sich vom Dienste loszukaufen, vorhanden war, so erschien der Bevölkerung die ganze Angelegenheit als eine Razzia auf den Geldbeutel der Juden. (Solche Razzia'S müssen die Donaufürstenthümer wo andersher gelernt haben, da sie sonst bei ihnen nicht Sitte waren. Etwa von den Türken? Redaktion.) Korrespondenz. Gin Stück ans den» Leftrerleden. Steele in Westphalen, im November. Wir hatten in diesen Tagen in Essen ein Schauspiel, daS, so ttaurig sein Hintergrund ist, doch Ihren Lehren mitgetheilt zu werden verdient. Der Lehrer Felsenthal zu Steele stand angeklagt einer Majestätsbeleidigung vor dem Gerichtshöfe. Was ist dies für ein Lehrer? Bereits 10 Zähre ftrngirt er bei der Gemeinde in Steele; im ersten Jahre erhielt er 48 Thlr. Gehalt, im zweiten 70, dann 90 Thlr., dann 200 Thlr., und jetzt vennittelst eines Kontraktes auf 5 Jahre 225 Thlr. und fteie Wohnung. Diese von einer kleinen Gemeinde ansteigend gebrachten Opfer geben ein sehr günstiges Zeugniß für den Mann. Weshalb ist er angeklagt? Am Peßach 1852 soll er in einer Predigt auf daS Jahr 1848 anspielend sich unehrerbietiger Ausdrücke bedient haben, und da denunzirte ihn Einer nach mehr als einem Jahre. Und wer denunzitte ihn? Einer, der an diesem Tage gar nicht in der Synagoge war! Ist dies nicht ein starkes Stück. Nun, dieser Denunziant war ein reicher Mann, und hatte mit seiner ganzen Sippschaft einen Groll auf den »ackern, tteuen, zehnjährigen Lehrer seiner Kinder, weil er nicht genug vor ihm kroch, weil er seine Kinder nicht bevoMgte, weil er mit ihm gegen die Gemeinde nicht intriguiren wollte, ein Mann, den die Gemeinde, nachdem sie ihn nicht wieder zum Vorstand gewählt, erst verklagen mußte, sowohl daß er Rechenschaft von seiner Verwaltung ablege, als auch daß er seine Bcittäge bezahle, der endlich seine Kinder ohne zu kündigen, auS der Schule behielt, und als er wegen SchulversäumniffeS gestraft werden sollte, den Lehrer denunzitte. Dem Lehrer war es auch nicht im Entferntesten eingefallen, auf der Kanzel zu politisiren; er harte einfach von der Verstocktheit Pharao's gesprochen, der die Israeliten erst ftei ließ, als ihn der Tod drohend umringte. Hören wtt den Bericht über die Gerichtsverhandlung. Oeffentliche Verhandlung vor dem KreiSgerichte, Abtheilung für Kriminalsachen. Der Gerichtshof wurde gebildet durch den Direktor K er st ein, Assessor Schubert und Gerichtsrath Suermann. Protokollführer Referent Brockhoff; Staatsanwalt Hengstenberg und Vertheidiger: Referent Klostermann. Der Präsident eröffnet die Verhandlung nach den gewöhnlichen Vorftagen, indem er verschiedene Fragen an den Angeklagten Felsenthal richtete, welche er furg beantwortete. Er erklärt die Denunziation, wonach er in jener Rede geäußett haben soll: „Als im Jahre 1848 u. s. f. u. s. f. für völlig erdichtet; denn die Jahreszahl 1848 könnte er schon einmal gar nicht angewendet haben, denn ebensowenig wie ein christlicher Prediger eine nach jüdischer Zeitrechnung berechnete Zahl in einer Festrede gebrauche, ebensowenig dürfte und hätte er als israelitischer Prediger eine nach Christus Gebutt berechnete Zahl anwenden können. Gegen Denunziant und seine Zeugen erhob er daS Derhaltniß der Feindseligkeit. Hierauf wurde der Bruder deS Denunzianten Herrmann Heymann als HauptbelastungSzeuge vorgerufen. Nachdem er besonders verwarnt worden, bestätigte er wiederholt die Denunziantion, andere Fragen über mehrere Zahlen — die nach jüdischer Zeitrechnung berechnet in jener Rede Vorkommen — konnte derselbe auf Veranlassung des VettheidigerS nicht beantworten; auch bestritt er jedes feindselige Verhältniß. Da ' wurde der Entlastungszeuge, Vorsteher S. Rindskopf her-

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