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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-28 · Heft 49 (28.11.1853) · p. Seite 625

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 49 (28.11.1853)
Date
1853-11-28
Page
Seite 625 (sequence 11)
Language
German
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€25 Opfer nicht scheuen darf, und manches Frommen Geldfäcklein würde sich öffnen, um rt'-nn pnrra zu fein und sich ein Stückchen Seligkeit, zu erkaufen. Eine jüdische Schule, selbst im strengsten Sinne, ohne Schulchan-Aruch hat gerade so viel Werth, wie eine christliche. Theurer Freund in W.! ich bin fest überzeugt, daß eS Ihnen gar keine Ueberwindung kosten würde, wenn die jüdischen Schulen aufgelöst werden und Sie Ihre Kinder in die christlichen schicken sollten, ja, ich glaube sogar. Sie werden es mir Freuden thun, da Sie nun einer solchen Bürde, wofür Sie unsere Schulen halten, auf immer loS sein, und sich schon Subjekte genug finden, die Chumasch und Raschi u. s. w. leiern werden. Hätten diese Leute doch nur irgend einen bessern Begriff von einem erhebenden und begeisternden Religionsunterricht, ja, hätten sie nur etwas mehr Ehrgefühl und Selbstachtung, sie könnten es wahrlich nicht über sich gewinnen, daß in ihrer Mitte das Unkraut von Missionsschulen, die von jüdischen Kindern angefüllt find, so wuchern. Selbst in den größten und frömmsten Gemeinden, wo talmudische Größen an der Spitze stehen, findet man zur wahren Schande solche seelenfangende Anstalten, und das sehen fie mit der größten Gleichgiltigkeit an, und man hört weiter kein Wort darüber sprechen. Laß man ihnen nur den unfinnigsten Piut nehmen, fie würden Zeter schreien ob solchen Frevels und auf den Kanzeln hörte man Verwünschungen und herzzerreißende Klagen über die Vermessenen, welche ihre Hand nach dem Heiligthum auSstrecken. Daß aber die Jugend ohne jeden Religionsunterricht aufwäckst, daß fie dem Judenthum ganz entfremdet wird, darüber kümmert sie sich nicht im Geringsten. Wenn eS Juden gestattet wäre, und eS ihnen einfiele, Propaganda für daS Judenthum zu machen — so bin ich fest überzeugt davon, daß christliche Eltern, abgesehen von der Verletzung des religiösen Gefühls, eS unter ihrer Würde halten würden, ihre Kinder so Preis zu geben, aber unsere Frommen haben leider so viel Ehrgefühl nicht. Mit welcher Rührigkeit ist man jetzt in anderen Konfessionen für kirchliche Zwecke thätig, wie überwacht eine die andere, und nur bei unS allein achtet man nicht auf die Gefahr, die unS von allen Seiten droht, und geht sorglos in das Netz, daS man unS bereitet. Solche und ähnliche Verkehrtheiten findet man bei uns gar zu häufig. Oesterreichischer Karserstaat.' Wien, 20. November. (Privatmitth.) Wie alljährlich hatten auch Heuer die Abgeordneten der preßburger israelitischen Gemeinde die Ehre dem allerhöchsten Hofe die Martinigänse zu übergeben. Sie wurden überall sehr freundlich empfangen, sowohl von Sr. Majestät, wie von Ihren k. Hoheiten dem Erzherzoge Franz Karl und der Erzherzogin Sophie. Freilich wurden die neuen Verhälnisse nicht berührt. Se. Majestät tröstete die Deputation, wenn auch jetzt Stockung beS Geschäfts sei, es werde bald wieder besser gehen, und die Erzherzogin Sophie sagte den Herren, sie mögen für Se. Majestät beten, da dessen junge Schultern so schwere Sorgen zu tragen haben, besonders in der jetzigen Zeit, auch möge die künftige Kaiserin mit ins Gebet eingeschloffen sein. Bei dieser Gelegenheit erlauben Sie mir auch zu bemerken, daß die Herren Vertreter wirklich rastlos find, um die provisorische Verordnung vom 2. Okrober rückgängig zu machen. Sie gehen zu sämmtlichen Herren Ministern und Reichsräthen. DaS Gute hatte jene Verordnung, fie weckte wieder „daS jüdische Bewußtsein". Es ist nicht zu leugnen, daß der Götzendienst schon gar zu arg getrieben wurde und bald wäre die Zeit gekommen inrn t6i ssicm. Gegen die letzte Verordnung des böhmischen Statthalters in Betreff der jüdischen Namen hat diese Woche die ,,ost-deutsche Post" aus lundiger Hand eine Entgegnung gehabt, wo nachgewiesen ist, daß die Absicht des Gesetzgebers gerade die war, um den Juden zu zwingen, christliche Namen anzunehmen. Jetzt will man daS als Waffe gegen uns gebrauchen. Erlauben Sie mir auch heute auf eine neue Literaturerscheinung aufmerksam zu machen, obwohl fie eigentlich nicht auf jüdischem Gebiete ist. Ich meine „Zu Lenau'S Biographie" von L. A. Frankl. Der Verfasser, ein intimer Freund des unglücklichen Lenau erzählt in seiner bekannten angenehmen Weise mehrere interessante Skizzen, die Aufklärung geben über daS Denken des Dichters; andrerseits hat Herr Frankl als Arzt interessante Streiflichter fallen lassen, um daS furchtbare Ende erklärlich zu machen. Bei Gelegenheit der Literatur erlauben Sie mir keine Kritik, wohl aber ein subjektives Urtheil über Grätz's Geschichte der Juden. Seit lange hat mich ein.Buch nicht so gefesselt wie dieses. Dem Verfasser

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