Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 49 (28.11.1853)
- Date
- 1853-11-28
- Page
- Seite 622 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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622 gen unsere Glaubensgenossen durch Wort und That an den Tag legte, haben ihm in unserm Herzen ein dankbare- Andenken bewahrt. Die besten Wünsche folgen ihm an seinen neuen Bestimmungsort! Die bereitschon früher in diesen Blattern angemeldete Einweihung der sehr schön erbauten Synagoge zu Heidenheim fand am 27. Okt. (rrsjsna '«) statt, und wurde dieselbe einfach aber würdig begangen. Den Glanzpunkt der Festlichkeit bildete die Festrede de- Herrn Rabbinen GrünbaumS auS AnSbach. Redner hat sich durch seinen trefflichen gediegenen Vortrag auf- Neue viele Herzen gewonnen, und äußerte derselbe auf die zahlreich versammelren Zuhörer, worunter auch viele christliche Notabilitäten, sichtlichen Eindruck. Möchten die Worte der Versöhnung und de- Frieden-, die derselbe predigte, auf fruchtbaren Boden gefallen sein, damit der leider auch in dieser Gemeinde herrschende Oppositionszwist, der schon so manche unerquickliche Szenen herbeigeführt hat, nach und nach verschwinde.— Dem nahen Dettingen steht demnächst eine gleiche Feier bevor. Ueberhaupt nimmt die Errichtung neuer jüdischer Gotteshäuser in unserm Lande auf eine erfreuliche Weise zu. Möchte auch die sittliche und moralische Veredlung unsrer Glaubensgenossen hiermit gleichen Schritt hatten! 8. B. Preußen. Berlin, im November. Am Ende vorigen Jahrezählten unter 423,864 Zivilbewohner Berlins die Juden 11,835 Seelen. Im Jahre 1819 belief sich ihre Zahl noch auf 3599, oder zur Einwohnerzahl wie 1 zu 51, 1846 wie 1 zu 46, 1849 wie 1 zu 42, und 1852 wie 1 zu 35. (Die öffentlichen und geheimen Mission-anstalten haben also noch wenig Wirkung gehabt!) —. Den vielfachen Anforderungen, den lauten und minder lauten Vorwürfen wegen Mangels an Religionsunterrichts, die in der jüngsten Zeit gegen den hiesigen Gemeindevorstand erhoben wurden, gegenüber, läßt sich in der „Voss. Zeit." ein, wie es scheint, offiziöser Artikel folgendermaßen aus: „Die Gründung einer jüdischen Gemeinde-ReligionSschule am hiesigen Orte war nicht allein seit lange ein in der Gemeinde selbst fühlbar hervorgetretenes Bedürfniß, sondern auch fast eben so lange ein von dem Gemeindevorstande angestrebtes Ziel (?). Einen schlagenden Beweis hierfür bietet die Thatsache, daß als im Jahre 1850 bei der damaligen ungünstigen Finanzlage der Gemeinde die Mehrzahl der Mitglieder dem Vorstande auf dessen Aufforderung ein freiwilliges Darlehn auf unbestimmte Zeit gewährte und hiernach eine im Jahre 1852 gebildete Kommission der Repräsentanten.unter dem 30. November desselben Jahrean die damaligen Darleiher ein Zirkular erließ, worin mitgetheilt wurde, daß der Gemeindevorstand nunmehr in der Lage sei, das empfangene freiwillige Darlehn zurückzuzahlen, vielseitig der Wunsch laut geworben, diese Beträge für den gemeinnützigen Zweck einer Religionsschule zu verwenden und so einen Plan zu realisiren, den der Vorstand schon seit langer Zeit im Auge gehabt (?) — der überwiegendste Theil der Darleiher den Betrag sofort zu dem oben erwähnten Zweck überwies, obwohl eS ihnen freigestellt ward, denselben baar zurückzuerhalten.*) Seit jener Zeit, wo also das Grundkapital für eine solche Religionsschule feststand, arbeitete auch der Vorstand an der Ausführung deS Planes, ohne daß es dazu irgend welcher äußerlichen Anregung bedurft hätte.**) Jetzt, nachdem die Schwierigkeiten größtenteils beseitigt find, welche sich der Beschleunigung der Sache entgegengestellt, und die theils in den Gemeindeverhältnissen im Allgemeinen, theils aber speziell in der richtigen Auffassung und Abmessung der Aufgabe einer solchen Schule nach den Zeit- und Ortverhältnissen ihren Grund hatten, sind alle Vorbereitungen, wie wir aus sicherer Quelle erfahren, so weit beendigt, daß die Eröffnung der jüdischen Gemeindereligions- *) Dies ist ein Beweis für das Bedürfniß, wie eS von der Gemeinde gefühlt worden, aber nicht für das Streben des Vorstandes. Denn, fragen wir, wo Kräfte, wie Sachs u. A., bereit sind, und gewiß gern bereit sind, Religionsunterricht zu ertheilen, der Zugend eine Religion zu lehren, für die sie doch so vielen Eifer tragen, für die sie doch jeden AnderSmeinenden verketzern, deren Alter sie doch so überaus verehren — da kann doch eine Gemeindereligionsschule kein so schweres Wunderwerk sein! Zn Magdeburg besteht nun die Religionsschulc seit gerade 20 Jahren, sie eröffnete damals mit 60 Schülern, und hat jetzt 120 Schüler und 22 Konfirmanden, und Alles fteiwillig! Redakt. **) Dies ein Stich auf die Petitionäre! Warum verliert Ihr auch die Geduld, und lasset Eure Kinder nicht so lange stille stehen im WachSthum!