Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-28 · Heft 49 (28.11.1853) · p. Seite 621

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 49 (28.11.1853)
Date
1853-11-28
Page
Seite 621 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225822-3225872--13526-3299853
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

621 tur sie der Lüge, der Untreue zeihen würde, wollten fie rö anders!... DaS ist Treue, deS Opfers werth, deS Opfers befähigt! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bor» Ikheine, im November. (Privatmitth.) ES giebt Männer unter den jetzigen Juden, Männer, die von der einen Seite immerfort mit der „jüdischen Wissenschaft" liebäugeln, von der andern mit der ultramontanen Partei anderer Konfessionen kokettiren und ihr recht gern die Hand böten, wenn eS gälte, ihren Ansichten die Folge zu erzwingen. Damit diese doch auch einmal hören, wohin denn die Leutchen, denen sie sich nähern möchten, steuern, geben wir ihnen hier die Worte, mit welchen die zu Köln erscheinende „Deutsche Volkshalle" das bekannte Reskript der böhmischen Slatthalterei einleitete. ES hieß: „Wie daS moderne Judenthum bestrebt ist, alle äußeren Unterschiede in Kleidung, Namen und anderen Dingen, die sonst zwischen Juden und Christen gesetzlich und hergebrachter Weise bestanden, zu beseitigen, ist weltbekannt. In diesem Streben stehen die böhmischen Juden denen anderer Länder nicht im Geringsten nach; vorzüglich aber herrscht unter ihnen seit längerer Zeit ein großes Wohlgefallen an christlichen Tausnamen, das so stark ist, daß fie sich nicht enthalten können, dieselben ihren Kindern männlichen und weiblichen Geschlechts beizulegen. Seit noch längerer Zeit finden auch die Juden unserS Landes, die mehr daS Herrschen alS Dienen lieben, große Lust an christlichen Dienstboten, so zwar, daß die jüdischen Familien ohne solche eine seltene Ausnahme machen." — ES ist wahrlich überflüssig, und wird auch nicht erwartet, daß hier über solche Worte nur daS Geringste geäußert werde, aber merkt eS Euch wohl — die „Deutsche Volkshalle" geht noch weiter als Dienstboten und Vornamen — (und wer giebt uns unsre jüdischen Vornamen zurück, die gerade so lange christlich geworden sind, als die christliche Religion besteht?) — sie kommt einstweilen schon bei der Kleidung an! ArrS fßaittn, im November. (Privatmitth.) Die Leser der „Allgem. Zeit, des Judenth." werden nicht ohne Theilnahme vernehmen, daß der vieljährige bairische Korrespondent dieses Blattes, Herr Lehrer Krämer aus Altenmuhr in Mittelfranken, leider schon seit einem halben Jahre durch ein bedeutendes Augenübel, welches sich derselbe durch übermäßige geistige Beschäftigung zuzog, seinem segensreichen Wirkungskreise momentan entrückt ist. Es verdient daS Leiden dieses ManneS um so mehr Bedauern, als derselbe, noch in den besten Jahren stehend, Vater einer zahlreichen Familie ist, wovon er schon einen Theil wegen mangelhafter Eristenz nach Amerika erpediren mußte, durch noch längeres Anhalten dieses UebelS einer unfichern Zukunft anheim gestellt würde. KrämerS Verdienste, welche sich derselbe sowohl in seiner langjährigen Praxis als Schulmann, so wie auf dem Felde der Literatur als BolkSschriftsteller und eifriger Mitarbeiter verschiedener gelehrter Zeitschriften erworben, sind zu bekannt und anerkannt, alS daß dieselben noch besonders erwähnt zu werden bedürften. Hoffen und wünschen wir, daß der Herr, welcher auch die finsterste Nacht wieder in Tag verwandelt, diesem wackern Manne seine zerrüttete Sehkraft wieder verleihe, damit seiner betrübten Familie ein treuer Versorger, seiner Gemeinde ein tüchtiger Lehrer und der gelehrten Welt ein würdiges brauchbares Mitglied erhalten werde. — DaS bisher Gesagte glaube ich meinem Auftreten als bairischer Korrespondent vorausschicken zu müssen, und bitte um die Nachsicht deS geschätzten LeserS. Wir stehen wieder am Vorabende eines Landtags. Ob derselbe für unsere Glaubensgenossen etwas Ersprießliches zu Tage fördern wird, ist unter den jetzigen Zeitumständen und dem jetzigen Ministerium sehr zu bezweifeln. So viel man vernimmt soll bei demselben ein neues Kammerwahlgesetz nach altem ModuS zur Vorlage kommen, wonach also auch die Wahlfähigkeit der Juden wieder annullirt würde. Von den unterfränkischen Juden, welche sich mit ihren rechtlichen Verhältnissen noch immer im Status guo befinden, wird wahrscheinlich auch eine Petition um Abhilfe an die Kammern gelangen. Möchte sie gerechte Würdigung finden! Die Einberufung des hochverehrten Regierungspräsidenten von Mittelfranken, Herrn von Bolz, zum ordentlichen StaatSrathe, hat wie überall, so auch in jüdischen Kreisen großes Bedauern erregt. Seine menschenfreundlichen Gesinnungen, welche er auch ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.