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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-11-28 · Heft 49 (28.11.1853) · p. Seite 620

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 49 (28.11.1853)
Date
1853-11-28
Page
Seite 620 (sequence 6)
Language
German
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620 hart genug, oft zerschmettert, auf den Boden der Wirk» lichkcit hcrunterfallen; und zur Lektüre für Mädchen, daß sie, wenn ihnen ihr, ihrer Eltern und aller Ihrigen Wohl und Frieden heilig ist, nicht aus ihren Kreisen heraustreten und sich wahren mögen, in Fremden irgend zu verweilen, wo fie nimmer und nimmer heimisch werden. Doch auf DieS wollten wir hier gar nicht eingehen. 2n diesem Buche war ein Prinzip ausgesprochen und durchgeführt, daS uns von jeher widersprach, und daS fteilich dem Kokettiren mit eigentlicher Religionslosigkeit angemessen ist, welches seinen widerwärtigen Hauch durch alle drei Bände dieses Romans sendet; ein Prinzip, daS von Rieß er, auf den sich der Roman ausdrücklich beruft, aufgestellt und wiederholt ausgesprochen, immerhin bei Vielen Anklang fand, in der That aber niemals in sich die Kraft haben wird, dem Angriff des Lebens Widerstand zu leisten, ja welches, weil eS doch nur zum Verkleistern dient, eine Täuschung ist für sich und für Andere; daS Prinzip: daß die Juden, so lange die Juden nicht emauzipirt find, Ehrenhalber Juden bleiben müßten, um nicht den unterdrückten, ausgeschlossenen Theil zu verlassen. Es steht dieses Prinzip dicht neben dem, welches in entgegengesetzter Richtung öfter geltend gemacht wird: daß das Bedürfniß und die Pflicht, sich einen weitern und größern Wirkungskreis zu verschaffen, um der Menschheit mit seinen Kräften zu nützen, das Verlassen des JudcnthumS enrschuldige. Man kann daS Sophistische beider Motive leicht durchschauen. Denn zunächst gehen beide auS höchst egoistischem Gesichtspunkte hervor. Also Du glaubst es der Menschheit schuldig zu sein, das Judenthum zu verlassen? Und Warum? Weil Du ihr dann besonders nützen könntest? Gramlire zum guten Glauben von Deiner Befähigung. Nun, kannst Du als Jude ihr nicht nützen? Der wahre GeniuS wird überall sich Bahn brechen, und durch daS Ueberwinden großer Hindernisse wachsen die Kräfte; hingegen um Akren zu schmieren, Steuern einzuziehen und lateinische Grammatik zu lehren — diese ungeheuere Nützlichkeit ist wahrhaftig auch in anderer, Juden nicht verwehrbarer Weise zu erzielen. Hast Du hingegen keine Ahnung davon, daß Du schon dadurch der Menschheit nützest, daß Du Jude bist; Schade, daß Du keine Ahnung hiervon hast, und wir nun nichts weiter sagen können, alS: daS Beispiel von Charakter und Menschenwürde ist auch ein Nutzen, und kein geringer in unserer Zeit . . . Ebenso beruht daS Motiv, von dem wir eigentlich sprechen wollten, auf Egoismus. Der reine Ehrenpunkt, die unterdrückte Partei nicht verlassen zu wollen, ist ein rein egoistischer, und, wo er allein vorwalten würde, unserer Meinung nach, gar nichts werth. Wie? Ist Dir Religion, religiöse Ueberzeugung, ist Dir Geschichte und Abstammung, ist Dir Charakter und daS große sittliche Prinzip, welches im Judenthume lebt, sind Dir alle die genetischen und ethischen Bande, die Dich an diese Gemeinschaft knüpfen, nichts werth-dann soll Dir der Ehrenpunkt was werth sein, die unterdrückte Partei nicht zu verlassen, der also den Schwerpunkt des ganzen Kampfes in ein politisches Moment verlegt? Sollte es Dir dann nicht lieber sein, daß diese ganze unterdrückte Partei zu eristiren aufhöre?- Nein, nein! Die zwanzig Jahre, die seit der Aufstellung und Verfechtung dieses Motivs vorübergegangen sind, haben uns weiter gebracht, und unsre Forderungen genügend formulirt. Nicht die Ehre, sondern die UeberzeUgHNrg soll bei uns festhalten! Wirwollen Leben, geistiges Leben im Judenthume, wir wollen nicht bloß Glaubensfteiheit im Glauben — die Idee deS JudenthumSwill ihre Jünger um sich, nicht um irgendein vorübergehendes Phantom geschaart wissen. Der Jude alS Träger der religiösen Idee in ihrer Integrität, mit dieser seiner menschengeschlechtlichen Bestimmung, allem Heidenthume gegenüber, reinem und vermischtem, ursprünglichem und abgeleitetem — wenn Du nicht um dessentwillen Jude bist, so bist Du mir als Jude nichts. Sage Niemand: wie Viele wissen denn, um was fie Juden find? Denn ich sage Euch: fie wissen es Alle; der roheste, unwissendste Jude, der um seines “itp willen so Vieles täglich über sich ergehen läßt, was Euch in seidenen Gewändern mit Parfüms übergossen. Euch mit den weißseidenen Kravattrn und SolitärS nur selten fühlbar wird, weiß es, und dienet ihm. Das Häuflein derer hingegen, welche der Religion entbehren zu können glauben, welche Religion ohne Religion haben zu können wähnen, welche dem Judenthume ihre Meinungen und Ansichten entnehmen, aber thörichter Weise von dem nichts wissen wollen, woher fie eS entnehmen — eine Ueberzeugung, die rein in der Luft schwebt — welche die Lehren, die allein daS Judenthum giebt uud hält, ihrer „Vernunft" zu verdanken vorgeben, während dieselbe Vernunft allein schon tausende von Lehren hervorgebracht hat, die ebenso berechtigt wären — daS Häuflein dieser kann nicht der Gewißheit widerstreiten, daß die Juden Juden um deS Judenthums willen find, daß fie Juden find und bleiben, weil fie es gar nicht anders können, weil fie mit ihrem ganzen Wesen darin eristiren, weil jede Faser ihrer Na-

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